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Trennung mit Kind: Was ihr bei einer Scheidung wissen müsst

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 27. Juli 2017
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Eine Trennung ist nie schön. Mit einem Kind wird es doppelt kompliziert.

Eine Trennung mit Kind ist sicherlich nicht leicht. Zu der Trauer um die gescheiterte Beziehung kommt auch noch die Trauer um die gescheiterte Familie. Und die Gewissheit, dass Trennungskinder es nicht leicht haben, alles zu verstehen und gut zu verarbeiten.

Von Trennungsjahr bis Sorgerecht und Unterhaltszahlungen - damit alle, die gerade mit dem Gedanken an Scheidung spielen, eine rationale Entscheidung treffen können, hier die wichtigsten Fragen, die sich nach einer Trennung mit Kind für beide Ex-Partner stellen.

1. Braucht man einen Anwalt?

Ja! Ein Antrag auf Scheidung kann nur von einem Anwalt gestellt werden. Derjenige in der Beziehung, der die Scheidung will, braucht also zwingend anwaltschaftlichen Beistand. Will der andere Ehepartner keine eigenen Anträge vor Gericht stellen, braucht er keinen eigenen Anwalt, insbesondere bei einer einvernehmlichen Scheidung können so Kosten gespart werden.

Allerdings muss beachtet werden, dass ein Anwalt immer nur seinen Mandaten vertritt. Wer also Sorge hat, bei der Scheidung über den Tisch gezogen zu werden oder ein bestimmtes Anliegen, wie z.B. das alleinige Sorgerecht hat, der sollte sich einen eigenen Rechtsvertreter leisten.

2. Was bedeutet Trennungsjahr genau?

Das Trennungsjahr soll beiden Ehepartnern Gelegenheit geben, ihren Entschluss zur Trennung zu überdenken. Erst nach dem Trennungsjahr kann am Ende die Scheidung eingereicht werden. Trennungsjahr bedeutet aber nicht zwangsläufig getrennte Wohnungen. Wenn sich innerhalb der Wohnung eine Trennung anbietet, können auch beide dort wohnen bleiben. Das ist vor allem bei einer Trennung mit Kindern von Vorteil, damit die Kinder beide Elternteile an ihrer Seite haben. Nötig ist jedoch eine Trennung von "Bett und Tisch", d.h. beide schlafen getrennt, machen ihre eigene Wäsche, kaufen für sich selbst ein, etc.

Das Trennungsdatum sollten beide Partner unbedingt schriftlich festhalten. Bei einvernehmlichen Trennungen können beide einen Trennungsvertrag aufsetzen und unterschreiben. Wenn beide sich im Streit trennen, sollte man einen Trennungsbrief (Vorlagen hierfür gibt es im Netz) per Einschreiben an den Anwalt des Partners schicken.

Wichtig zu wissen: Auch wenn beide Partner innerhalb des Trennungsjahres noch einmal eine Versöhnung starten, und sei es über Monate, so gilt das Trennungsjahr doch weiter bestehen. Es sei denn, beide werden wieder dauerhaft ein Paar.

In besonderen Fällen ist kein Trennungsjahr nötig und die Scheidung kann sofort vollzogen werden. Z.B. wenn es zu Gewalt in der Ehe kam, sexuellem Missbrauch, etc. Ist ein Paar mehr als drei Jahre getrennt, kann die Ehe ohne die Zustimmung des Expartners geschieden werden.

3. Was ist mit dem Sorgerecht?

Die wohl wichtigste Frage bei einer Trennung mit Kindern: Bei wem werden die Kinder leben? Ehepartner haben grundsätzlich gemeinsames Sorgerecht. Sie entscheiden also im Idealfall gemeinsam, wo die Kinder leben sollen und wie die Umgangsregelung aussehen soll. Das wäre die einvernehmliche Scheidung. Können sich beide nicht einigen oder beansprucht ein Elternteil das alleinige Sorgerecht, entscheidet das Vormundschaftsgericht. Es gibt den Antrag auf alleiniges Sorgerecht aber nur statt, wenn es für die Kinder ganz eindeutig das Beste ist, z.B. wenn ein Elternteil nicht in der Lage ist, die Kinder zu versorgen.

Aber auch die Kinder selbst werden befragt, zu welchem Elternteil sie möchten. Ab fünf Jahren werden sie zu ihren Wünschen lediglich befragt, ab 14 dürfen sie mit entscheiden.

4. Wer zahlt wie viel Unterhalt?

Als Ehepaar hatte man einen bestimmen Lebensstandard. Ziehen beide in getrennte Wohnungen, ist klar, dass dieser Standard für beide nicht haltbar sein kann. Derjenige von beiden, bei dem die Kinder leben, bekommt Unterhalt vom Partner, bei dem die Kinder nicht leben. Beide leisten so ihren Beitrag zum Kindsunterhalt. Der eine Elternteil durch Naturalunterhalt, also Wohnung, Kleidung, Verpflegung etc., der andere leistet einen Barunterhalt.

Die Höhe des zu zahlenden Unterhalts ist klar geregelt. Sie richtet sich nach dem Einkommen des Partners, der einen Barunterhalt leistet. Die sogenannte Düsseldorfer Tabelle gilt hier als Maßstab. Je mehr jemand verdient, umso mehr bekommen die Kinder. Die Düsseldorfer Tabelle zeigt jedoch nur den Mindestunterhalt an. Hier könnt ihr die Tabelle einsehen.

5. Erhalten volljährige Kinder noch Unterhalt?

Während minderjährige Kinder voll unterhaltsberechtigt sind, ist das bei volljährigen Kindern nicht in jedem Fall so. Sowohl ein 18 bis 21-jähriger Student als auch ein zuhause wohnender 18 bis 21-Jähriger, der unverheiratet ist und die allgemeine Schulbildung durchläuft (nicht schulische Berufsausbildung), haben ebenfalls Anspruch auf Unterhalt. Der Anspruch erlischt, sobald das Kind die erste Berufsausbildung abgeschlossen hat, sei es eine Lehre oder ein Studium o.Ä.

6. Was passiert mit der gemeinsamen Familienwohnung?

Natürlich macht es Sinn, dass bei einer ehemals gemeinsamen Wohnung bzw. einem Haus, derjenige dort wohnen bleibt, bei dem die Kinder leben. Grundsätzlich haben aber beide Ehepartner das Recht, in der gemeinsamen Wohnung zu bleiben. Auch wenn einer von beiden Alleinmieter ist oder ihm die Immobilie gehört, ist ein Rauswurf so ohne weiteres nicht möglich.

7. Familienwagen, Einrichtung: Wer bekommt was?

Ganz klar: Wer Wertgegenstände mit in die Ehe gebracht hat, dem gehören sie auch nach der Scheidung. Was gemeinsam angeschaffte Möbel angeht: Hier sollte man sich am besten einigen. Tische und Regale in der Mitte durchzusägen, bleibt hoffentlich die Ausnahme. Bei Streithähnen entscheidet zur Not wieder das Gericht.

8. Gemeinsames Familienkonto

Meist besitzen Eltern ein gemeinsames Konto, beide sind also Kontoinhaber. Deshalb können beide auch über das gesamte Geld verfügen, und zwar bis zur Scheidung. Wer auf Nummer sicher gehen will, vereinbart eine Teilung und bucht 50 Prozent des Geldes auf ein eigenes Konto.

9. Versorgungsausgleich

Bei einer Trennung mit Kindern ist ein Versorgungsausgleich extrem wichtig. Schließlich geht es hier darum, demjenigen, der die letzten Jahre die Kinderbetreuung übernommen hat und deshalb weniger in die eigene Altersvorsorge investieren konnte, zu unterstützen. Die während der Ehe erworbenen Rentenansprüche beider Partner werden bei einer Scheidung aufgeteilt. Wer weniger Rentenansprüche erworben hat, weil er weniger gearbeitet hat, profitiert also vom Versorgungsausgleich.

Es gibt also einiges zu regeln im Falle einer Scheidung. Um im Sinne der Kinder zu handeln, sollte man bei einer Trennung mit Kind immer eine gütliche Trennung anstreben, mit klaren, fairen Absprachen. Denn auch wenn man kein Ehepaar mehr ist, so bleibt man doch gemeinsam Eltern, und muss somit weiter als Team funktionieren.

Weitere Infos zum Thema Versorgungsausgleich findet ihr auch unter www.scheidungsrecht.org.

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