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Liebe & Psychologie

Beuteschema: Warum Frauen immer an den Falschen geraten

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 7. November 2017
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Beim nächsten Mann wird alles anders, denken wir - und dann suchen wir uns das gleiche Katastrophenexemplar in Reinform. Warum ist das so? Weshalb haben manche Frauen scheinbar immer das Talent an den Falschen zu geraten?

Tipps, um den richtigen Mann fürs Leben und die Liebe zu finden, gibt es wie Sand am Meer. Sie sind meist so zahlreich wie unnütz. Einer davon besagt beispielsweise, dass man nur eine bestimmte Anzahl von Fröschen küssen muss, weil in der Regel nach dem zwölften Frosch dann endlich der Traumprinz vor einem steht. Leider funktionieren solche Weisheiten meist nur im Märchen. Vor allem, wenn Frauen immer wieder nach dem gleichen Beuteschema vorgehen - und damit andauernd auf die Nase fallen.

Wie kommt es, dass sich die potentiellen Prinzen, die uns begegnen, allzu oft als Niete erweisen? So viel Pech kann doch niemand haben. Da muss etwas Anderes dahinter stecken.

Beuteschema: Die Suche nach dem Haken

Steckt da also ein Muster hinter und suchen wir uns vielleicht unbewusst Männer aus, die gar nicht zu uns passen? Bevor wir auf die Suche nach Mister Right gehen, sollten wir erst einmal mit einer Analyse bei uns selbst anfangen. Wir sollten uns fragen, warum genau unsere bisherigen Beziehungen scheiterten und wo der Haken lag.

Nehmen wir eine beliebige Freundin, von der der Freundeskreis behauptet, sie sei doch eigentlich eine tolle Frau. Nennen wir sie Bella. Bella ist attraktiv und liebenswert, sie steht anderen Frauen also wirklich in nichts nach. Trotzdem muss man als gute Freundin feststellen, dass Bella immer wieder auf Männer fliegt, die ihr nicht gut tun und eigentlich überhaupt nicht zu ihr passen. Jene Art von Männern also, die sie niemals glücklich machen werden. Leider hilft diese gut gemeinte Erkenntnis über ihr Beuteschema Bella herzlich wenig. Sie sagt, Liebe habe wenig mit Vernunft zu tun. Wenn es funkt, dann lässt sich das weder steuern noch erklären.

Erlernte Beziehungsmuster

Die gute Nachricht für Bella: Wir haben sehr wohl einen Einfluss auf unser Liebesglück. Geraten wir immer an den Falschen, steckt dahinter oft ein Beziehungsmuster, das wir meist schon seit der Kindheit mit uns herumtragen. Und das sollten wir nun genauer hinterfragen. Denn oft ist der Mann gar nicht das Problem, sondern einfach nur unser Muster, nach dem wir Beziehungen führen. Zu eng, zu distanziert, zu offen, zu introvertiert: Wie wir uns in einer Partnerschaft verhalten, welches Verhältnis wir zu Nähe und Distanz haben, wird bereits im Kindesalter entschieden beeinflusst.

Natürlich prägen uns auch die Erfahrungen, die wir im Laufe des Lebens machen, unsere Beziehungen, unser soziales Umfeld. Aber maßgeblich werden wir in den ersten drei Jahren unseres Lebens durch unsere Eltern geprägt - und damit ist der Grundstein fürs Leben gelegt, für unsere Art, mit anderen Menschen zusammen zu sein.

Negative Erfahrungen, die uns prägen

Letztlich wiederholen wir in unserem Leben und in unseren Beziehungen unbewusst das, was wir als kleine Kinder erlebt und vorgelebt bekommen haben. Leider auch die negativen Erfahrungen. Wer als Kind Trennung und Streit oder Vertrautheit und Zuneigung vorgelebt bekommen hat, wird dies unbewusst in seine späteren Beziehungen einbringen. Wer ein Scheidungskind ist, wird in einer Partnerschaft vielleicht nach einer Sicherheit suchen, die er so nicht kannte. Und wer ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hatte, wird vielleicht in den Männern in seinem Leben etwas suchen, das dies ausgleichen kann.

Ein verkrampftes Verhältnis zu Nähe und Distanz, Schutzmechanismen aus Angst, verletzt oder verlassen zu werden, oder die Schwierigkeit, dem anderen Vertrauen entgegen zu bringen und sich zu öffnen - das alles kann aus Ängsten resultieren, die wir in der Kindheit erlebt haben.

Und sie können uns letztlich zu Beziehungsneurotikern machen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Denn fast immer geht es um die Themen Nähe und Distanz, Vertrauen, Dominanz und Unterordnung, wenn wir an einer Beziehung scheitern. Kaum jemand trennt sich tatsächlich wegen der falschen politischen Einstellung oder eines schlechten Klamottenstils.

Muster erkennen

Um ihren Mr. Right zu finden, muss Bella das Muster erkennen, nach welchem sie in einer Partnerschaft handelt. Dafür gilt es die bisherigen Fehlgriffe und auch die guten Beziehungen zu analysieren. Sich bewusst zu machen, welche Rolle man in der Beziehung eingenommen hat. Und welche Ängste und Konfliktthemen es zwischen beiden Partnern gab. Vielleicht war es ja immer wieder derselbe Grund, weswegen es letzten Endes zur Trennung kam.

Die Falschen unter die Lupe nehmen

Aber nicht nur man selbst ist der Schlüssel zur Lösung. Auch die Frösche und Nieten in Bellas Vergangenheit sollten einmal unter die Lupe genommen werden. Welche Charaktereigenschaften haben dazu geführt, dass Bella auf diese Männer geflogen ist? Und das jedes Mal? Wer sich diese Fragen einmal bewusst stellt, wird schnell erkennen, welche Parameter ihn bei der Partnerwahl beeinflussen. Und an diesem Punkt sollte man sich klar machen, was genau man im Partner sucht.

Viele Frauen scheinen bewusst und offenen Auges in ihr Unglück zu rennen, weil sie sich immer wieder einen Kerl suchen, der sie in der Beziehung zwangsläufig enttäuschen muss. Nicht selten suchen wir uns Charaktere, die uns selbst komplett unähnlich sind, die aber Seiten in uns ausleben, die wir selbst unterdrücken.

Das ähnliche Exemplar Mann

Manchmal suchen wir uns auch ein ähnlich katastrophales Exemplar, weil wir die Probleme der alten Partnerschaft noch gar nicht gelöst haben. Weil wir die Verletzungen der letzten Beziehung noch gar nicht verarbeitet haben. Mit einem ähnlichen Partner, so denken wir, können wir das Trauma überwinden, weil wir diesmal, in der gleichen Situation, alles richtig machen werden. Das reden wir uns zumindest ein. Auch hier liegt der Schlüssel zum Scheitern eher in uns selbst als in dem emotionalen Eisblock, dem falschen Mann, den wir uns ausgewählt haben.

Vertrautes Drama

Wer nicht wirklich aus der alten Situation gelernt hat, wird umso schmerzlicher erleben, wie sich das alte Drama wiederholt. Viele Frauen, die sich an einen Mann binden, der sie unglücklich macht, würden einen Partner, der sie mit seiner Liebe überschüttet, kaum ertragen. Zumindest würden diese Frauen seine Gefühle gar nicht ernst nehmen, weil sie es gewohnt sind, um die Liebe kämpfen zu müssen.

Ein Partner, der sie einfach nur liebt, kann in Wahrheit gar nicht wirklich sie meinen. Stattdessen suchen sich diese Frauen wieder einen Partner, der sie mit großer Wahrscheinlichkeit verletzen wird. Es wird also ein Beziehungsmuster gewählt, das sich als eindeutig negativ herausgestellt hat, allein aus dem Grund, das es bereits vertraut ist und so gelernt wurde.

Augen auf lassen

Deshalb sollten wir unserer Freundin Bella raten, trotz der rosa Wölkchen die Augen auf zu halten. Investiert der eine Partner über längere Zeit hinweg einfach viel mehr in eine Beziehung, herrscht ein ständiges Ungleichgewicht. Und das sollte Bella erkennen, auch in der größten Verliebtheit. Wer sich selbst den kritischen Blick nicht zutraut, sollte eine vertraute Person zu Rate ziehen oder mit dem Partner selbst einmal darüber reden, wie glücklich er in der Beziehung ist und wie er das Kräfteverhältnis sieht.

Teufelskreis durchbrechen

Wer den Teufelskreis seines Beziehungsmusters durchbrechen will, schafft dies leider oft nur durch ein besonders einschneidendes Erlebnis. Erst wenn die Trennung vom letzten Mann sehr verletzend oder dramatisch war, wird die Toleranzgrenze endgültig überschritten und ein Prozess des Umdenkens beginnt. Wer wirklich an seine Grenzen gekommen ist, wird erkennen, dass etwas grundlegend nicht stimmt.

Aber es sollte auch ohne großes Drama gehen: Wer also an sich arbeitet und sich die alten Verhaltensweisen aus den zurückliegenden Beziehungen vor Augen führt, wird für die nächste Beziehung gut oder zumindest besser gewappnet sein. Und er wird schneller erkennen, ob er wieder Gefahr läuft, in alte Verhaltensmuster zurückzufallen. Also, Augen auf, Bella!

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