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Silikon in Kosmetik: Ist es wirklich so schlecht wie sein Ruf?

Ga-Young Park Veröffentlicht von Ga-Young Park
Veröffentlicht am 20. Juli 2016

Wir haben die Vor - und Nachteile von Silikon in Kosmetik unter die Lupe genommen.

Backformen, Brustimplantate, Hautcremes: Was haben diese drei Dinge gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel? Irrtum! "Silikon" lautet die Antwort. Der Allrounder unter den synthetischen Substanzen ist so vielseitig, dass er sowohl als Fugenmaterial im Badezimmer als auch in Anti-Falten-Cremes zum Einsatz kommt.

Die Einsatzmöglichkeiten von Silikon sind auch in Kosmetik riesig. Doch in der Vergangenheit stand das Multitalent auch heftig in der Kritik. Naturkosmetik verzichtet gar ganz darauf. Warum konventionelle Kosmetik häufig nicht auf Silikon verzichten will während andere vor seiner Verwendung warnen, erklären wir hier:

Silikon: Substanz mit 1.000 Möglichkeiten

'Cyclomethicone', 'Alkyl Dimethicone', 'Phenyl Methicone' - Silikon kommt als kosmetischer Inhaltstoff unter unzähligen Namen daher. Denn 'Silikon' ist im allgemeinen Sprachgebrauch nichts anderes als ein Sammelbegriff für eine große Gruppe von synthetischen Stoffen. Ihr Hauptmerkmal: Die Verbindung aus Silizium und Sauerstoff. Je nachdem welches chemische Element sich noch dazugesellt, entstehen Silikone mit unterschiedlichen Eigenschaften. Die rein künstliche Herkunft der Silikone erklärt auch, warum Naturkosmetikhersteller gänzlich auf sie verzichten.


​In den Regalen der Drogerien und Parfümerien hat Silikon jedoch einen festen Platz. Vor allem im Bereich der Haarpflege ist Silikon aus konventionellen Produkten fast nicht wegzudenken. Stumpfes Haar zum Glänzen bringen, splissige Enden versiegeln, krauses Haar glätten - das alles kann Silikon. Der Grund dafür sind folgende Eigenschaften:

  • Silikone legen sich um das Haar und glätten seine Oberfläche. Nasses Haar lässt sich so besser kämmen, krauses Haar wird geschmeidiger.
  • Silikone wirken antistatisch und verhindern so das "Fliegen" der Haare.
  • Silikone reflektieren das Licht auf ähnliche Weise wie die gesunde Haaroberfläche. Sie bringen so selbst geschädigtes Haar zum Glänzen und Leuchten.
  • Silikone können gespaltene Spitzen punktgenau kitten, sodass ein Fortschreiten von Spliss verhindert wird.

Wohlgemerkt kann nicht ein Silikon allein diese Mehrfach-Wirkung entfalten. Deshalb werden in den meisten Beauty-Produkten mehrere Silikone miteinander kombiniert. Die Rückseite der Verpackung gibt Aufschluss darüber, ob und wie viel Silikon enthalten ist. Achtet auf Substanzen, die auf '-icone' oder '- iloxane' enden. Je weiter oben sie in der Liste der Inhaltsstoffe (INCI-Liste) rangieren, desto mehr davon steckt drin.

Die Nachteile von Silikon in Kosmetik

Warum hat aber trotz dieser tollen Eigenschaften Silikon einen so schlechten Ruf? Weil in der Vergangenheit meist Silikone eingesetzt wurden, die nicht wasserlöslich sind. Einmal ums Haar gelagert, waren sie fast nicht wieder wegzubekommen. Die Folge: Durch die wiederholte Verwendung von silikonhaltigen Spülungen und Pflegeprodukten reicherte sich zu viel von der Substanz auf der Haaroberfläche an.


​Die Folge: Das Haar wirkt schlaff und strähnig und lässt sich nicht mehr gut stylen. Die Kosmetikhersteller haben auf dieses Problem reagiert: Mittlerweile verwenden sie häufiger wasserlösliche Silikone, mit denen sich dieses Problem vermeiden lassen soll. Außerdem wurden Silikone entwickelt, die viel gezielter wirken und zum Beispiel Haar nur dort versiegeln, wo es geschädigt ist.

Die vielseitigen Eigenschaften von Silikonen machen sich auch die Hersteller von Hautcremes und dekorativer Kosmetik zunutze. Die praktische Seite von Silikonen: Sie sind lange haltbar, günstig in der Herstellung, fixieren Düfte und sind ziemlich unempfindlich gegenüber Temperaturschwankungen.
Die kosmetische Seite der synthetischen Substanz: Silikone bilden auf der Haut einen wasserabweisenden, schützenden Film, der vor Feuchtigkeitsverlust schützt. Von dieser Schutzfunktion von Silikon profitieren zum Beispiel Wundcremes, Sonnenschutzmittel und Feuchtigkeitscremes.

Der große Vorteil: Silikone verhindern nicht die Wärmeabstrahlung der Haut. Anders als bei Vaseline kommt es also nicht zu einem Wärmestau unter der Creme.

Hinzu kommt: Silikone sind sehr gut verträglich (Allergien gegen Silikone sind quasi unbekannt) und fühlen sich auf der Haut nicht fettig an. ​​​​

Gutes Hautgefühl, aber keine Regeneration

Apropos Gefühl: Silikone in Cremes sorgen für ein angenehmes Hautgefühl. Allerdings ist das mehr Schein als Sein: Der tatsächliche Zustand der Haut bessert sich nicht. Anders als zum Beispiel natürliche Fettstoffe fördert Silikon die Regeneration der Haut nicht. Deshalb müssen Silikon-haltige Cremes mit Wirkstoffen angereichert werden, die diese Funktion erfüllen.

Silikon-Kritiker bemängeln dies als kosmetische "Effekt-Hascherei": Hauttrockenheit oder Verhornungsstörungen bessern sich durch das Silikon in einer Creme nur oberflächlich. Tatsächlich wird die Ursache dieser Probleme, zum Beispiel eine geschädigte Hautbarriere, nicht behoben. Der Hautzustand kann sich so eventuell noch weiter verschlechtern.

Anti-Falten-Produkte nutzen diesen Effekt von Silikon ebenfalls. Eine hohe Dosierung von Silikon erzeugt das kurzfristige Ergebnis glatter, geschmeidiger Haut. Allerdings wird ab einer gewissen Konzentration die Wasserabgabe der Haut nach außen stark eingedämmt. Schweiß staut sich unter der Creme, die Haut quillt auf und wird trocken.

Wer auf silikonhaltige Cremes nicht verzichten möchte, sollte darum auf die Dosierung achten. Eine Konzentration von zwei bis fünf Prozent ist völlig ausreichend. Überprüft vor dem Kauf einer Creme, ob Silikone auf den hinteren Plätzen der Inhaltsstoff-Liste rangieren. ​​​

Silikone in Lippenstift und Co.


​Wer den Tausendsassa Silikon aus seinen Cremetiegeln verbannt, findet ihn unter Umständen bei seinen Schminkutensilien wieder. Die synthetische Substanz steckt auch in Lippenstift und Lidschatten. Dort sorgt sie für eine geschmeidige Konsistenz und extra-langen Halt. In Foundations oder Eye-Shadows, die beim Auftragen cremig, später aber pudrig sind, bewirken flüchtige Silikone den Trick auf der Haut. Einmal aufgetragen, verdunsten sie zum Teil und lassen einen pudrigen Film zurück.

​Silikone pro und contra

Sind Silikone nun schädlich für die Haut oder doch ein echtes Multitalent in Sachen Kosmetik? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Silikone haben gewisse Vorzüge, die ihren Einsatz in bestimmten kosmetischen Produkten wie Wund- oder Handcremes rechtfertigen. Durch die Entwicklung wasserlöslicher Silikone wurde das Problem der Rückstände im Haar entschärft.

Dennoch dienen sie letztendlich dazu, kurzfristige und rein oberflächliche Effekte zu erzielen. Haar wird durch Silikon nicht repariert, glänzt aber schöner. Die Haut wird dadurch nicht in ihrer Regeneration unterstützt, fühlt sich aber gut an und ist vor Feuchtigkeitsverlust besser geschützt.

Wer allerdings echte Hautprobleme hat, sollte silikonhaltige Cremes meiden und statt des schönen Scheins auf regenerierende Pflege setzen. Das gleiche gilt für alle, die auf natürliche Wirkstoffe setzen: Silikon als rein synthetisch erzeugte Substanz ist mit einer besonders natürlichen Hautpflege nicht vereinbar. An Alternativen mangelt es normalerweise auch nicht: In vielen Fällen übertreffen hochwertige Pflanzenöle die kosmetische Wirkung silikonbasierter Öle.

​Silikon schädigt die Umwelt

Vom Silikon-Verzicht profitiert übrigens nicht nur die Haut, sondern auch die Natur: Silikon aus Kosmetikprodukten gelangt täglich ins Abwasser. Kläranlagen können die Substanz nicht zu hundert Prozent zurückhalten. Ein Teil davon kommt mit dem Klärschlamm auf die Felder und belastet Boden und Grundwasser. Ein bewusster, reduzierter Umgang mit Silikonen tut also uns und der Umwelt gut!​​​​

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