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Liebe & Psychologie

Alter Mann, junge Frau: Warum ist das so und wer sucht hier eigentlich wen?

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 19. November 2017
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Wo die Liebe hinfällt, spielt Alter keine große Rolle. Vor allem Männer haben oft eine jüngere Partnerin. Macht eine Frau es ihm gleich, heißt sie direkt abfällig Cougar. Warum ist das so und warum sucht sich eine junge Frau einen alten Kerl aus?

Sicherlich hat jeder jemanden in seinem Freundeskreis, der eine jüngere Frau an seiner Seite hat. Ein Phänomen, das mich persönlich ärgert. Denn schaut man, wie es andersherum aussieht, nämlich wenn eine Frau einen jüngeren Mann an ihrer Seite hat, dann ist das eine meist nett belächelte Rarität und es hagelt hämische Kommentare.

Nehmen wir den französischen Präsidenten Em­ma­nu­el Ma­cron mit seiner deutlich älteren Partnerin Brigitte Trogneux. Beide trennen 25 Jahre. Hier wurde und wird immer wieder der Altersunterschied thematisiert, als wäre es etwas anderes, als wenn ein Mann eine deutlich jüngere Partnerin hat, wie beispielsweise Altkanzler Gerhard Schröder, der mit 73 eine 48-jährige Freundin hat.

Woran liegt diese ungleiche Bewertung von Frauen und Männern? Fakt ist: In unserer Gesellschaft wird alles als störend empfunden, was von der Norm abweicht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und hält sich lieber an Dinge, die ihm vertraut sind. Und hier ist das Bild des älteren Mannes mit der jüngeren Frau leider ziemlicher Usus. Bekannter und vertrauter zumindest als das umgekehrte Bild.

Die Zahlen und Fakten

Die Zahlen sprechen für sich: Es gibt bei weitem mehr Männer mit jüngeren Frauen als umgekehrt. Laut den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist in 73 Prozent der Partnerschaften der Mann älter. Lediglich bei 17 Prozent ist es die Frau, die älter ist.

Dennoch muss man dazu sagen, dass nur sechs Prozent der Paare ein Altersunterschied von mehr als zehn Jahren trennt. Paare wie Emanuelle Macron und seine Partnerin bleiben also die Ausnahme - egal in welcher Konstellation. Ist der Altersunterschied zwischen beiden nämlich groß, ist das gesellschaftliche Umfeld ebenfalls irritiert.

Die drei magischen Jahre

Normalerweise sucht man sich einen ungefähr gleichaltrigen Partner mit einer Spanne von plus minus drei Jahren. Laut Statistik ist ein deutscher Mann bei seiner ersten Hochzeit nämlich im Schnitt 2,9 Jahre älter als seine Frau. Und dieser Altersabstand von knapp drei Jahren ist länderübergreifend zu beobachten und existiert schon seit Jahrhunderten. Obwohl unsere Gesellschaft ja eigentlich so viel toleranter und fortschrittlicher als früher ist, ändert sich in dieser Hinsicht scheinbar wenig.

Festhalten am Altbekannten

Dass wir uns trotz aller gesellschaftlicher Veränderungen immer noch an herkömmlichen Mustern orientieren, stellte auch Stephanie Bethmann, Soziologin an der Universität Freiburg in ihren Studien fest. Obwohl gesellschaftliche Zwänge längst weggefallen sind, orientieren wir uns immer noch an sehr klassischen Mustern bei unserer Partnerwahl. Frauen mit einem jüngeren Mann bleiben die Ausnahme und auch ein extrem großer Unterschied zwischen einem Paar wird wenn möglich vermieden.

Es gibt auch eine interessante Studie von FriendScout24, für die 20.000 Personen befragt wurden, wie alt ihr Wunschpartner sein solle. Und siehe da: Die Frauen wollten einen 2,9 Jahre älteren Mann, Männer würden lieber eine 6,2 Jahre jüngere Partnerin haben. Und je älter Männer werden, umso jünger soll die Wunschpartnerin sein. Bei Männern über 60 sind sogar mehr als zehn Jahre jüngere Frauen gewünscht.

Alt vs. jung: Wer profitiert hier von wem?

Natürlich fragt man sich da: Was sollte eine junge Frau mit Mitte 20 dazu bewegen, sich einen Partner zu suchen, der deutlich älter, also z.B. Mitte 40 ist? Denn zwischen 20 und 25 ist das Angebot an gleichaltrigen Männern, die ledig sind, eigentlich recht passabel und deutlich größer als später in den 40ern. Daran kann es also nicht liegen.

Anders der 45-Jährige, der nach einer jüngeren Partnerin Ausschau hält: Er weiß, in seiner Altersklasse ist die Auswahl begrenzt und viele gleichaltrige Frauen sind in festen Beziehungen oder haben bereits Kinder von einem anderen Mann. Sein Verhalten ist also durchaus erklärbar. Zumal ein Mann durch die anders tickende biologische Uhr auch mit 30 gar keine Eile verspüren muss, eine Familie zu gründen. Er hat deutlich länger Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Ist ein Mann dann Ende 40 und verspürt noch einen Kinderwunsch, kann er mir einer jüngeren Partnerin noch einmal ganz neu starten.

Und es ist himmelschreiend ungerecht, dass das für Frauen eben nicht gilt. Eine Frau kann nicht ewig warten mit dem Kinderwunsch. Allein daraus ergeben sich Paare mit Altersunterschied. Wenn auch sehr zum Nachteil der Frauen, die sich alterstechnisch eben nicht ewig nach unten orientieren können, wenn in ihrem Alter die potentiellen Partner ausbleiben. Zumindest zu einer Familiengründung reicht es ab ungefähr Mitte 40 nicht mehr. Jüngere Männer mit Kinderwunsch fallen also als mögliche Partner weg. Die Folge: Man orientiert sich als Frau alterstechnisch nach oben.

Wenn der Altersunterschied Probleme macht

Doch der Altersunterschied hat seine Grenzen. Ist er zu groß, gibt es oft Probleme in der Beziehung. Denn lernt eine Frau mit 20 einen 40-Jährigen kennen, mag es sein, dass sie noch ähnlich ticken und einen ähnlichen Lebensstil pflegen. Was aber, wenn sie 45 ist und er 65? Dann sieht das Ganze nämlich schon deutlich anders aus. Sie steht mitten im Berufsleben, er ist im Ruhestand.

Aber der ältere Partner hat auch einen Vorteil für die jüngere Frau. Bei einem Mann jenseits der 35 oder 40 kann man durchaus vorhersagen, wohin die Reise mit ihm geht. Wie ist er beruflich aufgestellt, ist er verlässlich und bereit, sich langfristig zu binden, kann er eine Familie versorgen, finanziell als auch charakterlich?

Lebensverlängernde Partnerin

Für den Mann lohnt sich die Konstellation mit einer Jüngeren aber auch noch in anderer Hinsicht: Männer mit jüngeren Partnerinnen leben länger, schließlich werden sie von einer jungen gesunden Frau gehegt und gepflegt, müssen aktiv bleiben und auch Sex ist bekanntlich gesund. Je jünger die Partnerin, umso positiver wirkt sich das auf die Lebenserwartung des Mannes aus. Das ergab eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung.

Und schon wieder ziehen wir Frauen den Kürzeren: Umgekehrt sieht das nämlich ganz anders aus. Frauen mit einem älteren Partner leben eher kürzer. Und auch ein jüngerer Partner wirkt nicht lebensverlängernd, wie man vielleicht denken möchte. Am längsten lebt eine Frau in der Tat mit einem gleichaltrigen Mann.

Fazit:

Letztlich haben wir Frauen nicht so wirklich viel davon, uns einen älteren Partner zu nehmen. Er kostet uns Lebenszeit, wir müssen ihn möglicherweise pflegen und sind vielleicht schon früher Witwe, als mit einem jungen Kerl an unserer Seite. Wir sollten unser 3-Jahre-älter-Beuteschema also noch mal überdenken, was uns eigentlich gut bekommt.

Und es bleibt zu hoffen, dass sich die unterschiedliche Art der Wahrnehmung von Männern und Frauen langsam mal ändert. Es geht nicht an, dass Frauen mit einem jüngeren Partner belächelt werden, während Männern zu ihrer jungen Partnerin gratuliert wird.

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