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Gesellschaftsphänomen: Die Faszination des Ekels

  

 - Gesellschaftsphänomen: Die Faszination des Ekels

Über sieben Millionen Menschen schauten zu, als Ingrid van Bergen letzten Samstag Dschungelkönigin bei „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ wurde. Zwei Wochen lang hatten die Fernsehzuschauer verfolgt, wie mehr oder weniger Prominente in Kakerlaken badeten, Känguruhoden verschlangen und mit Ratten schwammen. Sie haben sich fürchterlich geekelt – und schalteten doch Tag für Tag wieder ein.
Was fasziniert uns so an ekeligen Dingen? Warum können wir einfach nicht wegschauen, wenn wir Widerwärtiges gezeigt bekommen?
Die Dschungel-Show ist jetzt vorbei - das öffentliche Ekeln geht weiter. Sogar das sonst recht biedere „Wetten, dass...?“ macht mit beim Igitt-Trend. In der letzten Sendung präsentierte Thomas Gottschalk eine Wette, bei der die Kandidaten - anhand des Riechens am Kot - die jeweilige Tierart erkennen mussten. Es hagelte Beschwerden über „eine derartige Kulturlosigkeit". Doch auch solche Einwände wenden den Ekel-Trend nicht aufhalten können.
Sie machte den Anfang in der Literatur-Szene: Charlotte Roche. Ihr Debütroman „Feuchtgebiete“ hält sich seit Monaten an der Spitze der Bestseller-Listen. 1,5 Millionen Mal wurde die Geschichte über Analfisuren, vergammelnde Tampons und öffentliche Toiletten bereits verkauft.
Ein erstaunlicher Erfolg - denn niederländische Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass eklige Dinge, die wir im TV sehen, genauso stark auf uns wirken, als würden wir sie selbst erleben.
Ob wir also etwas Widerwärtiges mit eigenen Augen sehen oder es schmecken, über es lesen oder es in Fernsehshows vorgesetzt bekommen - in allen Fällen zeigt sich starke Aktivität in einer Region der Großhirnrinde. Mit-Ekeln ist also genauso schlimm wie Selbst-Ekeln!
Warum wir uns trotzdem gerne Igitt-TV ansehen oder Pfui-Bücher lesen?
Medien-Forscher erklären sich diese Lust so: Promi-Faktor plus angeborene Neugier bis hin zum Voyeurismus plus Schadenfreude ergibt gigantische Einschaltquoten und Verkaufszahlen.
Das Gesicht, das man macht, wenn man etwas abstoßend findet, ist übrigens weltweit das gleiche: Die Nase wird gerümpft, die Oberlippe hochgezogen, die Mundwinkel rutschen nach unten. Und wenn’s ganz schlimm wird, streckt man dazu die Zunge heraus.
Na dann: Weiterhin frohes Ekeln!


Sehen Sie hier Bilder des Ekel-Trends in Deutschland!




az

 
  

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Veröffentlicht von Angelika Zahn
am 27/01/2009
Die Lesernote:2/5 
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Inhaltsverzeichnis Die Faszination des Ekels

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