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Liebe & Psychologie

Wenn Liebe Angst macht: Über Menschen, die "emotional nicht verfügbar" sind

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 25. Juni 2017
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Wenn die Suche nach Liebe den entscheidenden Haken hat. An alle, die sich auch nicht auf Gefühle einlassen können.

Du lernst jemanden kennen, der dir extrem gut gefällt. Und am Anfang scheint auch alles wunderbar. Und dann kommt dieser Moment, in dem du spürst: Es geht nicht. Denn die Liebe, die du so lange gesucht hast, macht dir plötzlich Angst. Und so sweet dein Gegenüber auch sein mag: Kommt es dir näher und zeigt dir seine Gefühle, kennst du plötzlich nur noch eins: Flucht, Panik, weg hier. Und genau das passiert dir jedes Mal, sobald jemand in dein Leben tritt.

Kommt dir bekannt vor? Dann kann es vielleicht sein, dass du zu den "emotional nicht verfügbaren" Menschen auf diesem Planeten gehörst. Eben jenen, die Gefühle nur schwer zulassen können und die man auch schnell als beziehungsunfähig bezeichnet.

Dabei gleicht dein Terminkalender eher dem eines Managers. Ein Date hier, ein nächstes da und alles doch immer nur vage, unverbindlich, leicht abzusagen und schon ist wieder alles einfach und leicht. Und triffst du dich doch mit einem potentiellen Beziehungskandidaten, so bleibst du doch immer ein wenig auf Distanz. Nuckelst am Strohhalm deines Mojitos und denkst gleichzeitig, dass dies das erste und letzte Treffen in dieser Konstellation sein wird. Weil du danach wieder abtauchst, ehe es komplizierter und verbindlicher werden könnte.

Das Absurde: Die Person selbst, die einem den Mojito bestellt hat, kann noch so toll sein. Es ändert nichts. Sie ist nicht mal involviert in die ganze Sache, wenn man es genau nehmen möchte. Schuld sind vielmehr die anderen Dates in deiner Vergangenheit. Die, in denen du nicht mit angezogener Handbremse gefahren bist. In denen du deinen Gefühlen getraut hast, dich eingelassen, fallen gelassen hast - und damit furchtbar auf die Schnauze gefallen bist.

Wer schlimme Schrammen und Verletzungen aus seinen letzten Liebesbeziehungen davongetragen hat, wird nicht selten zum Fluchttier. Denn mit jeder neuen Liebe kommen die alten Erinnerungen wieder zurück. Und die beste Lösung in dem Moment erscheint so simpel und hilfreich: Wer mir nicht zu nahe kommt, kann mir nicht weh tun. Doch wie sagt man seiner neuen Bekanntschaft, dass man "emotional nicht verfügbar" ist? "He, ich habe Angst vor Gefühlen? Gerade WEIL ich dich sehr mag, bin ich dann mal wieder weg?"

Kein Wunder, dass man sich selbst komplett irre vorkommt. Man weiß ja, warum man so ist, wie man ist. Aber alle klugen, einsichtigen Gedanken helfen leider nicht, wenn die große Angst kommt. Da wird man zum Hasen, unlogisch und panisch. Viele bindungsängstliche Menschen nutzen dann die Taktik die unlängst den Namen "Gosthing" bekommen hat. Sie verschwinden von heute auf morgen, melden sich nicht mehr, reagieren auf keine Kontaktaufnahme mehr. So muss man nichts erklären und kommt nicht in die Bedrängnis, doch noch schwach zu werden.

Wer an einen "emotional nicht verfügbaren" Menschen gerät, sollte eins deshalb auch tunlichst vermeiden: Bloß keinen Druck ausüben oder ihn zu irgendwas überreden. Die meisten Bindungspaniker wissen sehr genau, wo ihr Problem liegt. Und nur wer ihnen Zeit gibt und Freiraum, wird dauerhaft in ihrer Nähe bleiben können.

Aber ebenso wie klar sein sollte, dass "emotional nicht verfügbare" Menschen keine Phobiker oder krankhafte Narzissten sind, so sollte jedem auch klar sein, dass es nur wenig Hoffnung gibt, sie zu ändern, sprich, sie mit viel Liebe bindungsfähig zu zaubern. Das geht letztlich nur, wenn die Person selbst bereit ist, aus ihrem Schneckenhaus zu kommen.

Nur die bindungsängstlichen Menschen selbst können an der Situation etwas ändern. Sie müssen die alten Geschichten, die sie so verletzt haben, verarbeiten. Müssen akzeptieren, dass die Liebe auch einen Alltag hat, in dem eben nicht alles wie in einem Hollywoodstreifen aussieht. Dass niemand perfekt ist, weder man selbst, noch der andere. Dass die Liebe aber trotz - oder gerade wegen all diesen Unzulänglichkeiten, genau wegen dem, was nicht perfekt ist, auch so grandios ist.

Solange man sich selbst den Gründen für seine Verletzlichkeit nicht stellt, wird sich leider nichts an dem üblichen Modell ändern: Date, Liebe, Flucht.

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