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Liebe & Psychologie

Frauen ab 30 - Kopfsprung ins wahre Leben!

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 8. August 2017
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Zwischenbilanz, Torschlusspanik oder die große Gelassenheit? Was uns Frauen so beschäftigt, wenn wir die magische 30 überschritten haben ...

Wenn wir jung sind, kann es gar nicht schnell genug gehen mit dem Älterwerden. Endlich 18. Endlich 20. Wir haben das Gefühl, die Welt steht uns offen, wir sind jung und haben die Kraft und die Zeit, all unsere Ziele zu erreichen, wenn wir nur wollen. Das Leben ist groß und der Horizont weit.

Doch irgendwann zwischen 30 und 35 ändert sich etwas. Und zwar das Grundgefühl. Plötzlich spüren wir den Druck, erwachsen sein zu müssen, wir hören biologische Uhren ticken und haben das Gefühl, dass die Zeit rast. Und was ist mit unseren Zielen? Haben wir uns ihnen schon genähert?

​Die Sache mit der 30

Anders als in den Jahren zuvor, geht es für viele Frauen um die 30 um die großen Entscheidungen im Leben. Autorin Katja Schmitz-Dräger, selbst 31, hat just ein Buch über diese Lebensphase geschrieben und erklärt: "Die Zeit des unbeschwerten Ausprobierens ist plötzlich vorbei. Privat und beruflich werden die Weichen gestellt, spätestens jetzt muss jeder die Verantwortung für sein Leben übernehmen.

Die freie Auswahl unter zahllosen Lebensentwürfen lässt essentielle Fragen aufkommen: Was habe ich bisher erreicht und wo will ich noch hin? Sollte ich jetzt mit der Familienplanung beginnen? Ist eine vernünftige Altersvorsorge wichtiger als berufliche Selbstverwirklichung?"

Mit 30 zieht man erstmals Resumée. Und das Schlimme: Man vergleicht sich mit gleichaltrigen Freundinnen. Keine gute Idee, wie sich fast immer herausstellt: Die Freundinnen sind schwanger, während man selbst als Single dasteht. Oder sie sind extrem erfolgreich, während man selbst noch in seiner Studentenbude wohnt und Praktika macht.

Das bestätigt auch Katja Schmitz-Dräger: „Man muss sich klarmachen, dass erstens jeder seine Schwachstellen hat, und dass es zweitens noch nicht zu spät ist, sich um die eigenen zu kümmern. Wenn man mit sich selbst im Reinen ist, sieht das eigene Leben gar nicht so schlecht aus.“

Generation der tausend Möglichkeiten

Natürlich durchleben wir mit anderen Frauen in unserem Alter nicht immer die gleichen Phasen zur gleichen Zeit. Waren die Frauen vor 50 Jahren mit 30 meist Mutter und verheiratet, ist das Bild der 30-Jährigen heute mehr als uneinheiltich: Sie sind Single, frisch verliebt oder verheiratet, haben ein Kind, einen Kinderwunsch oder keinen, sind Freiberufler, festangestellt oder in Elternzeit - und jede hat Wünsche, wie das Leben so laufen soll.

Das liegt daran, dass wir, anders als unsere Mütter, viel mehr Möglichkeiten haben, unser Leben zu gestalten. Katja Schmitz-Dräger: „Wir sind die Generation mit den vielen Möglichkeiten, mit dem Selbstverwirklichungsimperativ, den Magisterstudiengängen und der latent drohenden Arbeitslosigkeit. Die erste, bei der Aids Bestandteil der Sexualaufklärung war; die letzte, die den Ausbildungsplatz nicht per Internetrecherche suchte. Längst haben wir ein ehemannunabhängiges Einkommen, längst brauchen wir keinen Trauschein mehr, um eine Familie zu gründen."

Kinder, Haushalt, Ehemann wie zu Großmutters Zeiten, also eine klare Struktur, wie frau ab 30 lebt, gibt es nicht mehr. Deshalb sind wir selbst gefragt, unser Leben zu gestalten. Eine große Freiheit, die natürlich auch eine große Herausforderung sein kann und Risiken birgt. Denn die Angst, Zeitpunkte und Entscheidungen zu verpassen, ist da. Viele kommen erst mit 27 aus der Uni, und wenn das letzte Praktikum absolviert und der erste Gehaltscheck da ist, ist man schnell mal um die 30.

Katja Schmitz-Dräger: „Es gibt ein paar Eckdaten, die unser Leben von dem anderer Generationen unterscheiden: Wir haben sehr lange Ausbildungszeiten hinter uns und sind viel später in einer gesettelten Lebenssituation angekommen, als es vor zwanzig Jahren der Fall war. Dadurch hatten wir aber auch die Möglichkeit, viel auszuprobieren und auch mal einige Zeit zu vertrödeln.“

Von Vorstellungen verabschieden

Mit Anfang 30 sind viele Vorstellungen und Dinge, die einem noch zehn Jahre zuvor unendlich wichtig waren, ins Wanken geraten. Man hat sich von ihnen getrennt oder man hat sie entspannt in die Rubrik "Das-mache-ich-irgendwann-mal" geschoben. Wie sollte das auch anders sein, wenn viele Fixpunkte und Sicherheiten im Leben nicht mehr da sind? Katja Schmitz-Dräger bestätigt: "Niemand glaubt mehr an die unbefristete Festanstellung, immer weniger an die liebessichernde Wirkung eines Eherings." Das sind die Unwägbarkeiten des Lebens, die man zu akzeptieren gelernt hat.

Denn genau jetzt entdecken viele Frauen die eigene Gelassenheit. Auch wenn die biologische Uhr tickt und man sich zunehmend unter Druck setzt, seine Ziele auch langsam umzusetzen, so hat man mit der Zeit, mit Erfahrungen und Enttäuschungen gelernt, die Dinge gelassener zu sehen. Katja Schmitz-Dräger: „Man hat mittlerweile mehrfach festgestellt, dass das Leben auch weitergeht, wenn man selbstgesetzte Fristen und Ziele nicht erreicht hat. Der 30. Geburtstag kann eine geradezu befreiende Wirkung haben, nach dem Motto: Ab jetzt ist es egal - dann läuft es halt so, wie es kommt.“

Torschluss und Panik?

Doch es gibt auch ein paar wunde Punkte, Themen, bei denen uns Frauen auch unsere Ü-30-Gelassenheit im Stich lässt. Frau mag es nicht zugeben, aber wer mit Anfang / Mitte 30 noch keinen Partner gefunden hat, wird langsam nervös. Sind die besten Exemplare schon vom Markt gefischt und in festen Bindungen? Finde ich überhaupt noch jemanden, bevor die biologische Uhr ausgetickt hat?

Wir klicken uns durch soziale Netzwerke und Datingportale, wir scannen die Profile der anderen und klicken uns durch ihr Leben auf Facebook, nur um entsetzt festzustellen: wir sind allein. Die Freundinnen aus der Abiklasse haben allesamt ein bis zwei Kinder, ein Eigenheim oder sie leben erfolgreich in Amerika, London oder Paris. Und das fühlt sich anders an als früher. Single mit 30 oder 35 zu sein, ist etwas verdammt anderes als mit 20.

Katja Schmitz-Dräger sagt: „Irgendwann wünscht sich vermutlich jeder jemanden, den man nicht nur liebt, sondern mit dem man es auch aushält. Und früher oder später rückt dann auch der Kinderwunsch in den Vordergrund. Ich selbst habe es da noch nicht so eilig, aber ich spüre auch, dass ich nicht mehr unbegrenzt Zeit habe. Wenn man den "Richtigen" dann noch nicht gefunden hat, sind diese Wünsche manchmal bestimmt noch akuter.“

Hallo Kinderwunsch!

Da ist er, der wunde Punkt Nr. 2, der sich einfach nicht wegdiskutieren lässt: ohne Mann, kein Kind. Soweit die Fakten. Dennoch muss uns die biologische Uhr nicht zur Samenspenderbank treiben. Wir haben Zeit. Schließlich bekommen Frauen heute immer später Nachwuchs. Längst liegt das Durchschnittsalter für das erste Kind bei 29 Jahren. Mittlerweile spricht man bei Dreißigjährigen nicht mehr von Spätgebärenden.

Die "späten Mütter" haben oft berufliche Gründe: Wir versuchen den Spagat zwischen Beruf und Mutterschaft. Katja Schmitz-Dräger: "In unserer Generation gibt es noch diesen relativ festgelegten Ablauf, wonach erst die Ausbildung abgeschlossen wird, dann der Berufseinstieg folgt, die Finanzierung gesichert sein muss, und das aktuelle Projekt will eventuell auch noch abgeschlossen sein - und dann irgendwann kann es losgehen mit dem Kinderkriegen. Viele Frauen unterwerfen sich diesem Muster, aus Angst, Kinder könnten einem guten Karrierestart im Weg stehen." Und diese Ängste sind gar nicht so unbegründet.

Gelassenheit und das wahre Leben

Und dann gibt es noch den letzten wunden Punkt: unseren Körper. Der Spruch "Wir sind keine 20 mehr" hat jetzt plötzlich seine Berechtigung. Wir beginnen zu altern. Langsam, aber es ist mit einem Mal eine reale Erfahrung. Aber wer denkt, mit 30 gehöre man zum alten Eisen und dem Verblühen der eigenen Schönheit sei nichts entgegenzusetzen, der darf sich entspannen.

Es gibt eine Wunderwaffe gegen Fältchen. Und zwar nicht die, nach der die Schönheitsindustrie verzweifelt sucht, um das Älterwerden aufzuhalten, sondern eine ganz andere: Selbstsicherheit und Gelassenheit. Das bestätigt auch Katja Schmitz-Dräger: „Vielleicht gewinnt man mit Stil und Entspanntheit Attraktivitätspunkte dazu, wo man in punkto babyglatte Haut welche verlieren mag.“

In jedem Fall sollte die Zahl 30 trotz aller ernsthafter Fragen kein Grund sein, um zu resignieren. Ganz im Gegenteil. Jetzt erkennen wir Ziele und Umwege und justieren uns neu und bewusst. Viele Frauen, die gefragt werden, ob sie gerne noch einmal 20 wären, lehnen dankend ab. Die Erfahrungen, die sie im Laufe der Zeit gemacht haben, wollen sie für ein bisschen glatte Haut nicht missen.

Vielmehr ist 30+ eine Zeit, in der man den Kopfsprung ins wahre Leben gewagt hat, in der man sich gefragt hat, was das eigene Leben zu bieten hat und was es einem noch bieten kann. Und weil man sich sagt: "Her mit dem schönen Leben!" Auch Katja Schmitz-Dräger bestätigt: "Es gibt auf jeden Fall genug zu tun. Ich habe das Gefühl, dass es im Grunde jetzt erst richtig losgeht mit meinem Leben."

Buchtipp:
Katja Schmitz-Dräger: Das perfekte Leben
Fünf Frauen Anfang 30 - Gespräche über Liebe, Sex, Familie, Job und Zukunft
9,95 EUR, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

von Fiona Rohde 111 mal geteilt

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