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Frauen ab 30 - Kopfsprung ins wahre Leben

  

Kopfsprung ins wahre Leben, Zwischenbilanz? All das und noch viel mehr wagt man mit 30. - Frauen ab 30 - Kopfsprung ins wahre Leben
Kopfsprung ins wahre Leben, Zwischenbilanz? All das und noch viel mehr wagt man mit 30.

Wenn wir jung sind, kann es gar nicht schnell genug gehen mit dem Älterwerden. Endlich 18. Endlich 20. Wir haben das Gefühl, die Welt steht uns offen, wir sind jung und haben die Kraft und die Zeit, all unsere Ziele zu erreichen, wenn wir nur wollen. Das Leben ist groß und der Horizont weit.

Doch irgendwann zwischen 30 und 35 ändert sich etwas. Und zwar das Grundgefühl. Plötzlich spüren wir den Druck, erwachsen sein zu müssen, wir hören biologische Uhren ticken und haben das Gefühl, dass die Zeit rast. Und was ist mit unseren Zielen? Haben wir uns ihnen schon genähert?

Die Sache mit der 30
Anders als in den Jahren zuvor, geht es für viele Frauen um die 30 um die großen Entscheidungen im Leben. Autorin Katja Schmitz-Dräger, selbst 31, hat just ein Buch über diese Lebensphase geschrieben und erklärt: "Die Zeit des unbeschwerten Ausprobierens ist plötzlich vorbei. Privat und beruflich werden die Weichen gestellt, spätestens jetzt muss jeder die Verantwortung für sein Leben übernehmen. Die freie Auswahl unter zahllosen Lebensentwürfen lässt essentielle Fragen aufkommen: Was habe ich bisher erreicht und wo will ich noch hin? Sollte ich jetzt mit der Familienplanung beginnen? Ist eine vernünftige Altersvorsorge wichtiger als berufliche Selbstverwirklichung?"

Mit 30 zieht man erstmals Resumée. Und das Schlimme: Man vergleicht sich mit gleichaltrigen Freundinnen. Keine gute Idee, wie sich fast immer herausstellt: Die Freundinnen sind schwanger, während man selbst als Single dasteht. Oder sie sind extrem erfolgreich, während man selbst noch in seiner Studentenbude wohnt und Praktika macht. Das bestätigt auch Katja Schmitz-Dräger: „Man muss sich klarmachen, dass erstens jeder seine Schwachstellen hat, und dass es zweitens noch nicht zu spät ist, sich um die eigenen zu kümmern. Wenn man mit sich selbst im Reinen ist, sieht das eigene Leben gar nicht so schlecht aus.“

Generation der tausend Möglichkeiten
Natürlich durchleben wir mit anderen Frauen in unserem Alter nicht immer die gleichen Phasen zur gleichen Zeit. Waren die Frauen vor 50 Jahren mit 30 meist Mutter und verheiratet, ist das Bild der 30-Jährigen heute mehr als uneinheiltich: Sie sind Single, frisch verliebt oder verheiratet, haben ein Kind, einen Kinderwunsch oder keinen, sind Freiberufler, festangestellt oder in Elternzeit - und jede hat Wünsche, wie das Leben so laufen soll.

Es gibt keine Vorgaben mehr. Das Leben darf und muss selbst gestaltet werden.
Es gibt keine Vorgaben mehr. Das Leben darf und muss selbst gestaltet werden.
Das liegt daran, dass wir, anders als unsere Mütter, viel mehr Möglichkeiten haben, unser Leben zu gestalten. Katja Schmitz-Dräger: „Wir sind die Generation mit den vielen Möglichkeiten, mit dem Selbstverwirklichungsimperativ, den Magisterstudiengängen und der latent drohenden Arbeitslosigkeit. Die erste, bei der Aids Bestandteil der Sexualaufklärung war; die letzte, die den Ausbildungsplatz nicht per Internetrecherche suchte. Längst haben wir ein ehemannunabhängiges Einkommen, längst brauchen wir keinen Trauschein mehr, um eine Familie zu gründen."

Kinder, Haushalt, Ehemann wie zu Großmutters Zeiten, also eine klare Struktur, wie frau ab 30 lebt, gibt es nicht mehr. Deshalb sind wir selbst gefragt, unser Leben zu gestalten. Eine große Freiheit, die natürlich auch eine große Herausforderung sein kann und Risiken birgt. Denn die Angst, Zeitpunkte und Entscheidungen zu verpassen, ist da. Viele kommen erst mit 27 aus der Uni, und wenn das letzte Praktikum absolviert und der erste Gehaltscheck da ist, ist man schnell mal um die 30. Katja Schmitz-Dräger: „Es gibt ein paar Eckdaten, die unser Leben von dem anderer Generationen unterscheiden: Wir haben sehr lange Ausbildungszeiten hinter uns und sind viel später in einer gesettelten Lebenssituation angekommen, als es vor zwanzig Jahren der Fall war. Dadurch hatten wir aber auch die Möglichkeit, viel auszuprobieren und auch mal einige Zeit zu vertrödeln.“

Von Vorstellungen verabschieden
Mit Anfang 30 sind viele Vorstellungen und Dinge, die einem noch zehn Jahre zuvor unendlich wichtig waren, ins Wanken geraten. Man hat sich von ihnen getrennt oder man hat sie entspannt in die Rubrik "Das-mache-ich-irgendwann-mal" geschoben. Wie sollte das auch anders sein, wenn viele Fixpunkte und Sicherheiten im Leben nicht mehr da sind? Katja Schmitz-Dräger bestätigt: "Niemand glaubt mehr an die unbefristete Festanstellung, immer weniger an die liebessichernde Wirkung eines Eherings." Das sind die Unwägbarkeiten des Lebens, die man zu akzeptieren gelernt hat.

Denn genau jetzt entdecken viele Frauen die eigene Gelassenheit. Auch wenn die biologische Uhr tickt und man sich zunehmend unter Druck setzt, seine Ziele auch langsam umzusetzen, so hat man mit der Zeit, mit Erfahrungen und Enttäuschungen gelernt, die Dinge gelassener zu sehen. Katja Schmitz-Dräger: „Man hat mittlerweile mehrfach festgestellt, dass das Leben auch weitergeht, wenn man selbstgesetzte Fristen und Ziele nicht erreicht hat. Der 30. Geburtstag kann eine geradezu befreiende Wirkung haben, nach dem Motto: Ab jetzt ist es egal - dann läuft es halt so, wie es kommt.“


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Veröffentlicht von
am 24/01/2012
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