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Liebe & Psychologie

Freunde fürs Leben: Freundschaft braucht mehr als einen Facebook-Klick

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 28. Juli 2017

Was sind 200 Facebook-Freunde gegen einen richtigen, guten Freund? Über Freundschaft, Konkurrenz und Ersatzfamilien ...

Eigentlich ist es recht einfach, ein guter Freund zu sein. Die wichtigste soziale Kompetenz, die es dazu braucht: Nähe zulassen zu können. „Für Freundschaften brauchen wir vor allem die Fähigkeit zu Nähe. Dabei ist auch die Freundschaft zu uns selbst sehr wichtig. Wir brauchen einen Zugang zu den eigenen Ängsten, Gefühlen, wir müssen den eigenen Lebensweg kennen, das ist der Resonanzboden, auf dem Freundschaften entstehen“, erklärt Dr. Wolfgang Krüger.

Und noch weitere Fähigkeiten sollte ein guter Freund besitzen: „Verlässlichkeit ist die Grundlage jeder Freundschaft, und auch die Fähigkeit, zuzuhören und sich zu öffnen. Also auch über Ängste, Schwierigkeiten und peinliche Situationen zu reden“, so der Experte.

Vertrauen und andere Klippen

Bei aller Nähe kommt es natürlich auch mal zum Streit. Wie in jeder guten Beziehung. Deshalb ist Vertrauen zwischen Freunden besonders wichtig. Es gibt einige Klippen, die eine gute Freundschaft im Laufe des Lebens umschiffen muss. Eine davon ist mit Sicherheit der erste Partner, der plötzlich vermeintlich an die Stelle der besten Freundin tritt und zum Premium-Vertrauten wird. Viele machen den Fehler und stürzen sich frisch verliebt in die neue Beziehung und lassen die Menschen, die vorher an ihrer Seite waren, links liegen. Das erfordert Geduld von den "Liegengelassenen".

Freundschaft sollte aber nie mit einer Partnerschaft konkurrieren, sondern als wertvolle Ergänzung angesehen werden. Oftmals wird die beste Freundin vom Partner als Gefahr angesehen. Sie hört zu, wenn sich die Freundin über ihren Mann beklagt. Sie kennt Geheimnisse aus der Partnerschaft. Eine Gefahr ist die beste Freundin jedoch nur, wenn der Mann für seine Partnerin nicht gut ist. Letztlich sind die Freunde die, die in Partnerschaftskrisen das Taschentuch halten, ein offenes Ohr für den Liebeskummer haben und die Trostschokolade kaufen.

Konkurrenz und Pflege

Eine zweite Prüfung: Die Gründung der eigenen Familie. Auch das engt den Zeitrahmen enorm ein. Gute Freunde sollten aufpassen, dass sie sich nicht vor lauter neuen Pflichten und Terminen aus den Augen verlieren. Hilfreich ist es hier, Routine-Treffen einzuplanen. Das Skattreffen an jedem ersten Samstag im Monat, ein fester Kinotag oder ein Wellnesstermin, der regelmäßig stattfindet. Freundschaften müssen gepflegt werden. Wer immer nur Verständnis vom Freund verlangt, steht früher oder später alleine da.

Wie man eine Freundschaft pflegt? Ganz einfach: „Indem man sich kümmert und vor allem Interesse an seinen Freunden hat. Wir müssen mindestens zwei Stunden Zeit in der Woche für Freunde aufwenden, weil sonst Kinder, Familie und Beruf sehr leicht zur Vernachlässigung der Freundschaften führen“, sagt Wolfgang Krüger.

Freundschaft: Auch mal schweigen

Die Zeiten von Internet und Smartphone sind für Freundschaften schwierig geworden. Man ist quasi immer erreichbar – und muss es auch sein. Ein verpasster Anruf, der nicht entgegnet wird, wird schnell zum Affront. Wer den Display-Hinweis "3 Anrufe in Abwesenheit" ignoriert, ruft Ärger hervor.

Abtauchen und abtauchen lassen ist heute schwerer als früher. Schon deshalb sind meist Menschen befreundet, die ein ähnliches Nähebedürfnis und eine ähnliche Meldefrequenz bevorzugen. Eine Managerin mit 60-Stundenwoche wird mit einer freischaffenden Künstlerin nur schwer harmonieren. Aber auch das geht, wenn die Fronten klar sind. Man mag sich, deshalb ist es auch mal in Ordnung, sich nicht zu melden. Toleranz und Verständnis für den anderen machen gute Freundschaften aus.

Dennoch, hört man sich um, klagen erstaunlich viele Menschen darüber, dass sie ihre Freunde zu selten sehen und deshalb Angst um die Freundschaft haben. Sind wir irgendwann zu eingespannt mit Job und Familie, um Freunde zu haben? Der Experte: „Wir sind zu eingespannt – ja, aber die meisten Menschen sind auch zu abwartend. 'Keine Sau ruft mich an', dieser Schlager trifft für viele zu, weil sie nicht gelernt haben, wirklich Initiative zu ergreifen.“​

Pflegeleichte Klick-Freunde

Wer wenig Zeit hat und sich auch nur wenig Zeit nehmen mag, für den können "virtuelle Freunde" wie die auf Facebook eine Stütze sein. Schnell den 'Like'-Button unter dem neusten Urlaubsbild des Freundes angeklickt, schon ist der Kontakt da. Man hat Präsenz und Interesse gezeigt. Auf unkomplizierte Weise am Leben des anderen teilgenommen.

Echte Freundschaften sind das in den meisten Fällen nicht. Dr. Wolfgang Krüger sagt: „Hier handelt es sich eigentlich mehr um Bekanntschaften. Wir unterschieden zwischen den Herzensfreunden, zu denen eine tiefe Innigkeit besteht, den Freizeitfreunden, mit denen viel unternommen wird, und den sogenannten Vitamin-B-Freunden. Bei Facebook sind viele Menschen 'befreundet', die eher Angst vor der Intensität wirklicher Freundschaften haben".

Liken statt treffen

Leider hat die Gewöhnung an soziale Netzwerke dazu geführt, dass wir vor lauter Stress auch unsere wirklichen Freunde oft nur noch 'anstupsen' oder 'liken' anstatt einfach mal anzurufen oder uns zu treffen. Freundschaft auf kleiner Frequenz mit Minimalaufwand. Frei nach dem Motto: Ich schreibe eine knappe Nachricht ("Denke an dich"), und schon habe ich etwas für meine Freundschaft getan.

Ein Trugschluss, warnt Dr. Wolfgang Krüger: „Zu einer Freundschaft gehört, dass man sich auch sieht und trifft, die sozialen Netzwerke können für Freundschaften eine Unterstützung sein, mehr aber nicht. Die tatsächliche Begegnung kann nicht durch solche Netzwerke ersetzt werden.“

Gemeinsames Erleben

Neben gemeinsamen Interessen sind es gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse, die zusammenschweißen. Deshalb haben Sandkasten-Freundschaften auch gute Chancen, ein Leben lang zu halten. Dr. Wolfgang Krüger: „Schulfreundschaften oder in der Uni geschlossenen Freundschaften haben den Vorteil, dass man sich über Jahre hinweg erlebt und gemeinsame Erlebnisse teilt. Das führt zu einer tiefen Bindung. In späteren Freundschaften muss man diese Basis erst herstellen, indem man sich immer wieder trifft. Auch in Berufsfreundschaften entsteht diese Basis, allerdings sind diese oft durch Rivalitäten belastet.“Verrat, Streit und Tränen - was muss eine Freundschaft aushalten können?

So einiges, und sie kann daran sogar wachsen, sagt der Experte. „Eine gute Freundschaft muss Pausen aushalten und auch Konflikte. Gute Freundschaften werden besser, wenn man Konflikte klären kann. Allerdings ist eine diplomatische Streitkultur wichtig, und wir sollten immer berücksichtigen: wir müssen Konflikte ansprechen, aber auch die Empfindlichkeiten des anderen respektieren.“

Wer all das kann, wird wertvolle Freundschaften fürs Leben schließen. Aber sollte auch in der Lage sein, Freundschaften, die keine mehr sind, in Würde zu beenden. Auch das macht ehrliche Freundschaft aus.

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