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Liebe & Psychologie

Das Geheimnis um echte Freundschaft: Was sie gefährdet und wie sie ein Leben lang hält

Fiona Rohde
von Fiona Rohde Veröffentlicht am 1. März 2017
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Kaum etwas im Leben ist so wichtig für uns wie gute Freunde. Doch eine Freundschaft muss man auch pflegen.

Gute Freunde stehen zu uns, sie kennen uns mit all unseren Macken und Fehlern und mögen uns trotzdem. In einer Freundschaft sagen wir uns ehrlich die Meinung, wenn es sein muss, und würden uns doch nie verletzen. Es gibt Freundschaften, die begleiten uns seit dem Sandkasten. Andere sind unterwegs zerbrochen. Wieder andere Freundschaften haben wir erst als Erwachsene geschlossen. Und bei manchen Menschen gelingt es uns trotz aller Sympathie nicht, eine echte Freundschaft aufzubauen.

Die Fähigkeit, Freundschaften zu haben, lernen wir demnach schon im Kleinkindalter. "Ab dem Zeitpunkt, wo ein Kind das erste Mal auf Gleichaltrige trifft, beginnt der Lernprozess", so der Psychologe Dr. Horst Heidbrink von der Fernuni Hagen. Während die Eltern den Nachwuchs beim Mensch-ärger-dich-nicht schon mal gewinnen lassen, wird der Knirps bei anderen Kindern auf Widerstand stoßen - eine Beziehung auf Augenhöhe also.

"Kinder haben die Gabe, einander blind zu vertrauen. Freundschaften werden innerhalb von Augenblicken geschlossen. Genauso schnell wird diese Freundschaft aber auch wieder aufgekündigt, wenn kurzfristig Enttäuschung oder Streit entsteht." Das Wesen von Freundschaft und die Fähigkeit, sie auch in schwierigen Situationen zu erhalten, muss also erst trainiert werden.

Als Teenager lernen wir dann eine weitere Lektion, nämlich: Freundschaften sind keine exklusiven Beziehungen. "Gerade junge Mädchen neigen dazu, ihre beste Freundin ganz für sich allein haben zu wollen. Da kommt es mitunter schon mal zu Eifersuchtsszenen, wenn die Freundin plötzlich auch andere Freunde hat." Eine Freundschaft unterscheidet sich in genau diesem Punkt von der Exklusivität der Eltern- und auch der späteren Paarbeziehung.

Die drei Säulen der Freundschaft

Gute Freunde sind Gold wert. Aber nicht jeder wird unser guter Freund. Wie sich entscheidet, mit wem wir befreundet sein wollen und bei wem es bloß für eine lose Bekanntschaft reicht, darüber haben sich sogar Wissenschaftler den Kopf zerbrochen. Sie sagen: Eine Freundschaft basiert auf folgenden drei Säulen:

Freiwilligkeit ​- Klingt logisch: Man kann nur mit jemandem befreundet sein, der das auch will. Es reicht also nicht sich nur gegenseitig sympathisch zu sein. Beide müssen die Freundschaft auch wollen.

Gleichheit - Die zweite Grundvoraussetzung der Freundschaft: Gleichheit. Das bedeutet, beide müssen sich auf Augenhöhe treffen. "Als Freunde wählen wir meist Menschen, die uns selbst ähnlich sind, also: ähnlicher sozialer Hintergrund, ähnliches Alter, ähnliches Bildungsniveau. Diese Ähnlichkeit garantiert das Vorhandensein gemeinsamer Themen, was für eine Freundschaft ganz wichtig ist", so der Psychologe.

Der Aspekt der Gleichheit erklärt auch, warum echte Freundschaft zwischen hierarchisch unterschiedlich gestellten Personen, etwa Chef und Mitarbeiter, schwierig ist. "Egel wie unkompliziert die Beziehung an der Oberfläche ist, letztlich liegt ein Abhängigkeitsverhältnis vor. Damit ist tatsächlich weder Freiwilligkeit noch Gleichheit gegeben."

Geben und Nehmen - Will heißen: Beide Seiten müssen etwas für den Erhalt der Freundschaft tun und die Freundschaft pflegen. "Im Grunde sind wir alle ökonomisch denkende Wesen, auch in sozialen Beziehungen. Wenn wir das Gefühl haben, in einer Beziehung ausgenutzt zu werden, egal ob emotional oder finanziell, haben wir bald kein Interesse mehr an dieser Freundschaft."

Andersrum gilt das Prinzip übrigens auch: Wenn wir das Gefühl haben, über Gebühr Vorteile aus der Freundschaft zu ziehen, fühlen wir uns irgendwann unwohl mit ihr. Folge: Die Freundschaft wird erst distanzierter, schließlich endet sie in einer nur mehr losen Bekanntschaft, in der die Verhältnisse wieder ausgeglichen sind.

Freundschaft pflegen: Hier lauern Gefahren

Manchmal hält eine Freundschaft, die schon in der Schulzeit entstanden ist, ein Leben lang. Zu vielen andere Freunden haben wir im Laufe der Jahre irgendwann den Kontakt verloren. Wie entscheidet sich, ob eine Freundschaft ein Leben lang funktioniert?

"Wenn die Freunde sich auch Jahre später noch in ähnlichen sozialen Situationen befinden, stehen die Chancen gut, dass die Freundschaft erhalten bleibt. Wenn nicht, wird es schwierig", sagt der Experte. Vielen von uns kommt das bekannt vor: Wenn die beste Freundin plötzlich heiratet und womöglich das erste Baby bekommt, während man selbst immer noch auf der Suche nach Mr. Right keine Party auslässt, hat man plötzlich weniger gemeinsame Themen. "Deswegen wird die Freundschaft nicht gleich aufgekündigt, aber sie wird in jedem Fall distanzierter."

Daneben gibt es die sogenannten "Vergangenheitsfreunde". Das sind Menschen, mit denen wir einmal eine intensive, gute Freundschaft geführt haben, mit denen uns jetzt aber kaum mehr etwas verbindet. Die Freundschaft wird also nur noch der alten Zeiten willen aufrecht erhalten.

"In beiden Fällen kann die Freundschaft reaktiviert werden, sobald die Lebenssituationen wieder ähnlicher sind. Man sollte also gut abwägen, bevor man eine Freundschaft, die einmal gut funktioniert hat, endgültig beendet."

Anders sieht es aus, wenn die Freundschaft durch einen konkreten Auslöser in ihren Grundfesten gestört wurde, zum Beispiel bei einem schweren Vertrauensmissbrauch. Dann kann die Freundschaft schnell Geschichte sein.

Freundschaft pflegen: So verändern sich Beziehungen

Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Anzahl der Freunde mit dem Alter proportional abnimmt. Anstatt einem großen, eher locker verbundenen Freundeskreis haben viele Menschen plötzlich nur noch eine Handvoll, dafür erlesene Freunde. Diese Entwicklung beginnt meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr - der Phase also, in der Job und Familie plötzlich mehr Raum einnehmen und sich damit Prioritäten verschieben. Im Alter geben übrigens viele Menschen an, dass ihnen ihre engsten Freunde sogar näher stehen als die eigenen Verwandten.

Männerfreundschaften vs. Frauenfreundschaften

Wir haben es ja immer schon geahnt: Männer und Frauen ticken einfach anders. So auch beim Thema Freundschaft. Der Psychologe: "Männer führen eine Freundschaft grundsätzlich anders als Frauen. Während Frauen eher 'Face to Face'-Freundschaften haben, also am gemeinsamen Austausch und der Beziehungspflege interessiert sind, wollen Männer vor allem den guten Kumpel, mit dem sie Abenteuer erleben und Spaß haben können - 'Side by Side' also."

Übrigens: Verheiratete Männer geben auf die Frage nach ihrem besten Freund oft die eigene Ehefrau an. Frauen dagegen unterscheiden klar zwischen der Beziehung zu ihrem Partner und der zu ihrer besten Freundin. Selbst wenn sie verheiratet sind und Familie haben, bleibt für Frauen die beste Freundin eine wichtige Bezugsperson, mit der Dinge besprochen werden, die dem Partner nicht unbedingt anvertraut werden.

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