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Heilmittel Hypnose

von der gofeminin-Redaktion Veröffentlicht am 14. November 2008

Hypnose? Dieser Begriff wird gerne mit Veranstaltungen assoziiert, bei denen der Hypnotiseur scheinbar willenlose Menschen dazu bringt, sich vor versammeltem Publikum lächerlich zu machen. Mal beißen die Hypnotisierten unbeirrt in ein Stück Zitrone, als hätten sie einen Apfel vor sich. In anderen Fällen gebärden sie sich plötzlich, als wären sie eine Ziege, die sich meckernd auf allen Vieren über die Bühne bewegt. Wer die Hypnose lediglich auf diese Hypnose-Shows reduziert, tut ihr Unrecht. Zahlreiche medizinische Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Hypnose durchaus als ernsthafte Therapieform in Betracht gezogen werden kann. Ist es tatsächlich vorstellbar, den Pfunden, die sich hartnäckig jedem Diätversuch widersetzen, mittels Hypnose zu Leibe zu rücken? Die langjährige Flugangst, die jede Fernreise zunichte macht, zu besiegen? Und dem Wunsch nach der nächsten Zigarette zu widerstehen? Immer mehr Forscher und Schulmediziner halten das für möglich.

Wie wirkt die Hypnose?

Ob und wie die Hypnose wirkt, hängt vor allem davon ab, wie gut die zu hypnotisierenden Person auf diese Suggestionsform anspricht. Während rund 80 Prozent der Kinder als leicht zu hypnotisieren gelten, sind es bei den Erwachsenen nur noch gut 15 Prozent. Zwar unterliegt jeder Mensch im Alltag gewissen Suggestionsversuchen, beispielsweise denen der Marketingstrategen, die ihm ein neues Produkt schmackhaft machen wollen. Dennoch entfalten diese Manipulationsversuche ihre Kraft eher unbewusst. Wer sich jedoch bewusst in die Hände eines Hypnotiseurs begibt weiß, was ihn dort erwartet: Nämlich ein Zustand, in dem er vermeintlich willenlos dem Hypnotiseur ausgeliefert ist. So wird es zumindest in einigen Filmen dargestellt: Der hypnotisierte Mensch - ein willenloses Wesen.

Dem ist natürlich nicht so. Niemand soll während der Hypnose dazu animiert werden, etwas gegen seinen Willen zu tun. Die Deutsche Gesellschaft für Hypnose betont, dass es das Ziel des Hypnosetherapeuten sei, den Patienten neue Möglichkeiten zu eröffnen und ihnen zu helfen, auch seine brachliegenden Ressourcen zu nutzen.

Im Rahmen einer Hypnose wird ein tranceähnlicher Zustand hervorgerufen. Körperfunktionen wie Puls, Blutdruck und Atemfrequenz sinken nachweislich, per EEG kann eine Veränderung der Gehirnströme festgestellt werden. Die Hypnose führt in einen Zustand tiefster Entspannung. Gelingt es einem Menschen im Wachzustand höchstens für Sekundenbruchteile, die allgegenwärtige Flut aus Bildern und Gedanken aus dem Bewusstseins zu verdrängen, ist er in hypnotisiertem Zustand buchstäblich gedankenleer. So erhält der Hypnosetherapeut einen direkten Zugang zum Unterbewusstsein des Patienten, das normalerweise unter einer Schicht von Gedanken versteckt ist, gleich der unteren Hälfte eines Eisbergs, der im Wasser treibt. Optimale Bedingungen also, um das Unterbewusstsein mit ausgesuchten Suggestionen positiv zu beeinflussen.

Der Zustand im Gehirn, der durch die Hypnose hervorgerufen wird, ist mit den Bewusstseinszuständen vergleichbar, die während des autogenen Trainings oder der Meditation erreicht werden können. Dem von J.H. Schultz entwickelten autogenen Training liegt übrigens die Hypnose zugrunde. Genau genommen handelt es sich bei der Meditation und beim autogenen Training um eine Form der Selbsthypnose.

Wann hilft die Hypnose?

Der Zustand tiefster Entspannung ermöglicht es dem Hypnotiseur, das Unterbewusstsein des Patienten zu erreichen und die destruktiven Gedanken behutsam gegen positive Gedanken auszutauschen - vergleichbar mit einer weißen Leinwand, die innerhalb der Hypnosesitzung mit neuen Bildern versehen wird. Belastende Lebenssituationen können in der Hypnosesitzung erneut hervorgerufen, nun jedoch zu einem befriedigenden Ende geführt werden. Gerät der Patient anschließend erneut in eine ähnliche Situation, ruft das Gehirn automatisch das - unter Hypnose suggerierte - Erfolgserlebnis ab.

Anwendungsgebiete der Hypnose

Interessant ist diese Wirkung beispielsweise für Menschen, deren Lernanstrengung durch massive Prüfungsangst torpediert wird. Nachweisliche Erfolge der Hypnose verzeichnen Mediziner wenn es darum geht, die Nikotinsucht zu bekämpfen oder hartnäckige Pfunde purzeln zu lassen. Da die Hypnose auf Gehirnareale wirkt, die für das Schmerzempfinden verantwortlich sind, bietet sich dieses Verfahren für alle an, die - beispielsweise im Rahmen einer Geburt - gerne eine alternative Schmerzbekämpfung ausprobieren möchten. Auch Zahnärzte wenden die Hypnose erfolgreich an. Und das nicht nur, um den Patienten die Betäubungsspritze zu ersparen, sondern vor allem, um den besonders ängstlichen Patienten die Angst vor der Behandlung zu nehmen.

Denkbar ist außerdem eine Selbsthypnose: Eine Studie der Universität Göttingen ergab, dass sich Schmerzpatienten mit individuell zusammengestellten Tonträgern eine Schmerzlinderung verschaffen konnten. Parallel dazu nahmen diese Patienten an einer Verhaltenstherapie teil. Mit Erfolg: Der Schmerzmittelkonsum reduzierte sich mit dieser Kombination um bis zu 75 Prozent.

Wichtiges zur Hypnose

Eine Hypnose darf nur von einem erfahrenen Hypnotiseur durchgeführt werden. Im Idealfall kombiniert der Therapeut die Hypnose mit einer Verhaltenstherapie. Auskunft über geeignete Therapeuten geben die zuständigen Ärztekammern oder die Deutsche Gesellschaft für Hypnose. Wer seinen Hypnotiseur in Eigenregie sucht, tut gut daran, sich nach dem bisherigen beruflichen Werdegang, den Aus- und Weiterbildungen, sowie den Referenzen zu erkundigen. Ein hervorragender Ratgeber ist die eigene Intuition. Scheint der Hypnotiseur vertrauenswürdig zu sein? Wirkt er kompetent und seriös? Drängt der Hypnotiseur den Patienten zu etwas? Stellt er womöglich seine Ansichten über die des Patienten? Und vor allem: Stimmt die Wellenlänge zwischen dem Therapeuten und dem Patienten?

Wer sich von seinem Hypnotiseur rundum ernst genommen fühlt, sich guten Gewissens und unvoreingenommen in seine Hände begibt, kann mit der Hypnose möglicherweise Erfolge erzielen, von denen er früher nur zu träumen wagte. Und was ist mit den so genannten Show-Hypnosen? Hier gibt es nur einen Ratschlag: Finger weg! Forscher, Mediziner und auch die Deutsche Gesellschaft für Hypnose warnen eindringlich davor. Bei einer Show-Hypnose besteht die Gefahr ernsthafter Zwischenfälle. Die vollständige Rückführung vom Trance- in den Wachzustand kann misslingen, psychische Krisen durch eine unsachgemäß durchgeführte Hypnose überhaupt erst ausgelöst werden. Wer bereit ist, sein Innerstes einem Außenstehenden zugänglich zu machen, muss seinem Gegenüber und dessen Kompetenz absolut vertrauen können. Wer seine Mitmenschen zum Lachen bringen möchte, findet sicher einen besseren Weg, als den, es auf der Showbühne eines Hypnotiseurs einer dressierten Ziege gleichzutun.

von der gofeminin-Redaktion
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