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Psychoanalyse: Ich bin, wer ich bin – aber wer bin ich?

von der gofeminin-Redaktion Veröffentlicht am 14. November 2008

Warum bin ich so müde? Warum fühle ich mich so schlapp, obwohl mein Arzt sagt, ich sei kerngesund? Warum bin ich traurig und niedergeschlagen?

Warum manchmal so zickig, manchmal aggressiv? Warum habe ich Frank damals einfach vor die Tür gesetzt, ohne ihm noch einmal zuzuhören? Warum frage ich mich das heute noch?Viele, sehr persönliche Fragen kann die Psychoanalyse beantworten. Sie ist die Wissenschaft der Seele, sie beleuchtet, was in unserem Unterbewusstsein und damit normalerweise unbewusst passiert.

Psychoanalyse nach Freud

Das Verfahren von Siegmund Freuds Psychoanalyse basiert auf der Annahme, dass in der Kindheit erfahrene Konflikte noch im Erwachsenenalter psychische Probleme auslösen können. Die Kindheit ist eine Zeit des Reifens - die psychische Belastbarkeit ist mit der eines Erwachsenen nicht zu vergleichen. Die Trennung der Eltern beispielsweise kann ein Kind stark traumatisieren. Es ist nicht in der Lage, die erlebten Gedanken und Gefühle zu verarbeiten. Es verdrängt.

​Tief im Unterbewusstsein setzen sich die Erfahrungen fest und bestimmen von nun an das Verhalten des Kindes, des jungen Erwachsenen und auch noch der erwachsenen Frau. Solche Traumata schränken die Lebensqualität stark ein. Es dauert meist sehr lange, bis die notwendige grundlegende Veränderung einer Persönlichkeit mithilfe der Psychoanalyse Gestalt annimmt.

Wann brauche ich eine Psychoanalyse?

Die Anlässe, eine Psychoanalyse in Betracht zu ziehen, liegen oft in der eigenen Kindheit. Sie sind so tief in der Seele vergraben, dass es die Hilfe eines Profis braucht, um ihnen auf die Schliche zu kommen und das eigene Handeln oder bestimmte körperliche Beschwerden verstehen zu lernen. Es ist ein anstrengender und in der Regel schmerzlicher Prozess, an dessen Ende meist eine enorme Erleichterung und Verbesserung der Lebensqualität steht.

​Um tief gehende familiäre Probleme zu lösen oder Angstzustände zu bekämpfen ist Psychoanalyse die richtige Methode. Der „normale“ Liebeskummer oder eine Spinnenphobie braucht dagegen meist keinen so tiefen Eingriff in die Persönlichkeit. Auch eine langanhaltende emotionale Verstimmung oder gar Depression lässt sich mit dem Verfahren der Psychoanalyse nicht bekämpfen.

Die Couch, Sinnbild der Psychoanalyse

Die berühmte Couch, die schon in Sigmund Freuds Behandlungszimmer stand, spielt bei der Psychoanalyse auch heute noch eine Rolle. Es mag der Patientin anfangs vielleicht merkwürdig vorkommen, doch die Couch hat sich bewährt: In liegender Position kommt die Patientin tatsächlich eher zu Ruhe und lässt eine weitreichende Psychoanalyse eher zu. Den meisten Menschen ist diese Lage erst einmal unangenehm, das ist ganz natürlich.

​Sich bei einem fremden Menschen auf die Couch zu legen und über den eigenen Seelenzustand zu reden, setzt ein großes Maß an Vertrauen voraus. Psychoanalytiker und Patientin müssen eine solche Basis erst aufbauen. Niemand sollte vor „der Couch“ Angst haben, sie ist ein gut funktionierendes Mittel zum Zweck, nicht mehr. Kein Psychoanalytiker wird von seiner Patientin verlangen, dass sie es sich schon im ersten Gespräch dort gemütlich macht. Gute und tief gehende Gespräche im Rahmen einer Psychoanalyse kann man durchaus auch erst einmal im Sitzen führen.

Für die liegende Patientin ist es bei einer Psychoanalyse oft leichter über Gefühle und Empfindungen zu sprechen, das hat schon Sigmund Freud erkannt. Sie schildert dem Psychoanalytiker, der neben ihr sitzt, nun Erinnerungen, Erfahrungen und Gedanken viel freier. Der Psychoanalytiker leitet den Gang ins Unterbewusstsein, versucht jedoch so wenig wie möglich Einfluss zu nehmen, um die Erinnerung nicht zu trüben. Das geteilte Wissen verabreicht dem Psychoanalytiker einige Macht über seine Patientin, die er nicht missbrauchen darf.

Wie lange dauert eine Psychoanalyse?

Je nach Schwere der Störung und Zugänglichkeit des Patienten kann eine Psychoanalyse Monate, aber auch Jahre dauern. Bei in der Regel mehreren Behandlungsstunden pro Woche ist die Psychoanalyse aufwendig und sehr teuer, steht in ihrem Behandlungserfolg jedoch durchaus in einem Verhältnis zur Verbesserung der Lebensqualität, die möglich ist. Psychoanalysen werden im Bedarfsfall von der Krankenkasse übernommen, das Honorar für eine Therapiestunde kann dabei durchaus im dreistelligen Bereich liegen.

Psychologischer Berater, Psychotherapeut, Psychoanalytiker – alles eins?

Die Wege zum Beruf des Psychoanalytikers sind vielfältig, ein medizinisches oder psychologisches Studium muss jedoch die Grundlage sein, denn die Berufsbezeichnung „Psychoanalytiker“ ist geschützt und bedarf der staatlichen Heilkundezulassung. Da die Psychoanalyse nur eine Methode der Behandlung psychischer Störungen ist, gibt es keinen festen Ausbildungsgrad. Stattdessen spezialisieren sich interessierte Psychotherapeuten idealerweise schon während des Studiums in diese Richtung oder absolvieren später eine berufsbegleitende Weiterbildung.

von der gofeminin-Redaktion

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