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Sozialphobie: Wenn Menschen Angst machen

von der gofeminin-Redaktion Veröffentlicht am 14. November 2008

Kennen Sie das auch: In einer größeren Runde sollen Sie einen Vortrag halten oder ihre Position verteidigen, alle Augen richten sich auf Sie, Sie beginnen zu schwitzen und möchten sich am liebsten verkriechen. Was uns unter normalen Umständen schon belastet, ist umso schwerer zu ertragen, wenn man unter Sozialphobie leidet.

Menschen, die unter einer Sozialphobie leiden, entwickeln große und anhaltende Ängste vor dem Zusammentreffen mit fremden Personen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei, dass sich die Betroffenen ständig damit auseinandersetzen, wie andere Personen sie wohl in den unterschiedlichen Situationen wahrnehmen und bewerten könnten. Eine negative Reaktion oder Bewertung wird dabei stets gefürchtet und lässt Hemmungen und Scham entstehen, sodass ein normaler zwischenmenschlicher Umgang enorm erschwert oder gar unmöglich gemacht wird.

Bei einer Sozialphobie führen oftmals schon kleine alltägliche Unternehmungen wie das Aufsuchen eines Amtes oder die Teilnahme an einer Feier zu großen Problemen. Nicht selten führt auch erst die Angst, die teilweise durch heftige körperliche Reaktionen begleitet werden kann, dazu, dass tatsächlich Situationen entstehen, die von den Betroffenen als Blamage wahrgenommen werden. Hier entsteht dann ein Teufelskreis, der die Sozialphobie verstärkt, da sich die Betroffenen in ihren Ängsten bestätigt fühlen.

Betroffene versuchen sich daher häufig den stressauslösenden Situationen zu entziehen. Da mitunter aber auch alltägliche Situationen bereits als bedrückend wahrgenommen werden können, droht die soziale Isolation. Selbst Freundschaften können als belastend wahrgenommen werden.

Wenn Schüchternheit zur Sozialphobie wird

Nicht jede Person, die Schwierigkeiten hat mit anderen Menschen warm zu werden, leidet an einer Sozialphobie. Für erkrankte Personen bedeutet so gut wie jeder sozialer Kontakt Qualen. Begleitet werden die Gedanken, die sich um die Bewertungen der anderen drehen, von körperlichen Reaktionen wie Herzrasen, Zittern, schamhaftem Erröten, Schweißausbrüchen, Atemnot, Übelkeit, Kopfweh und vielen anderen. Die Situation wird als so quälend wahrgenommen, dass der Betroffene sich ihr unbedingt entziehen möchte. Oft werden Sozialphobien von Panikattacken und Depressionen begleitet.

Für eine Soziale Phobie gibt es zumeist konkrete Auslöser. Diese sind zum Großteil in der Erziehung oder aber auch in traumatischen Erlebnissen zu finden, welche die Fähigkeit in andere Menschen zu vertrauen, zerstört oder gar nicht erst aufkommen haben lassen. Bei Sozialen Phobien, wie bei anderen Angsterkrankungen auch, können genetische Ursachen das Risiko zu erkranken erhöhen.

Eine Sozialphobie verbessert sich nur selten von allein, vielmehr ist der Verlauf häufig chronisch, sodass die Ängste zum ständigen Begleiter werden. Auch Folgeerkrankungen wie andere Angststörungen können bei einem chronischen Verlauf hinzukommen. Lediglich in seltenen Fällen kann es vorkommen, dass die Betroffenen durch Herausforderungen in ihrem Leben aus der Angstfalle herausbefördert werden, angehalten sind zu handeln und sich die Sozialphobie aufgrund einer äußeren Notwendigkeit bessert.

Wege aus der Sozialphobie

Personen, die eine dauerhafte Soziale Phobie aufweisen, kann wirksam nur durch eine Therapie geholfen werden. Besonders Gruppentherapien werden häufig angewendet: Hier muss der Patient bereits einer ersten Konfrontation mit anderen Menschen standhalten, was helfen kann, die Phobie zu mildern. Es wird langsam erkannt, dass soziale Kontakte nicht zwingend mit negativen Ereignissen und Bewertungen zusammenhängen müssen und dass es auch andere Menschen gibt, denen es bisher ähnlich ging.

In Verhaltenstherapien werden Sozialphobiker zudem direkt mit ihren Ängsten konfrontiert. Auf diese Weise wird soziale Kompetenz sowie auch die Einsicht gewonnen, dass soziale Kontakte nicht zwangsläufig mit negativen Erfahrungen assoziiert werden müssen. Mit der Unterstützung eines Therapeuten kann das Erlebte aufgearbeitet werden.

Zum Teil kann eine medikamentöse Unterstützung beim Weg aus der Sozialphobie indiziert sein - denn nicht selten ist es der Fall, dass die Betroffenen auch vor einer möglichen Therapie eine solch große Angst entwickeln, dass diese vorbereitend erst eingedämmt werden muss.

In der Regel weisen die gängigen Therapien gute Erfolgsaussichten auf, wobei zwar nicht immer eine völlige Angstfreiheit erreicht wird, zumindest aber Strategien erlernt werden, die es ermöglichen, mit der Angst umzugehen und ein Leben mit sozialen Kontakten zu führen. Bedacht werden sollte hierbei, dass die Regel gilt: Je eher eine Therapie begonnen wird, desto besser. Setzt man erst in einer späten Phase der Sozialphobie eine Therapie an, wird diese schon alleine dadurch erschwert, dass sich der Freundes- und Bekanntenkreis des Betroffenen bereits minimiert hat.

von der gofeminin-Redaktion

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