Der Feind in mir: Hannas Kampf gegen die Magersucht

   


Die Sorge ihrer Familie ließ Hanna schließlich erkennen, dass sie Hilfe annehmen musste. © Stefanie Heider
Die Sorge ihrer Familie ließ Hanna schließlich erkennen, dass sie Hilfe annehmen musste. © Stefanie Heider
Letztlich bleiben die Klinikaufenthalte ohne Erfolg. Menschen, die ihr nach den Klinikaufenthalten sagen, dass sie besser aussieht, versetzen die junge Frau in Panik. Für Hanna bedeutet das nur eins: Sie hat zugenommen. Kilos, die schnell wieder weg müssen.

So geht das Spiel nach jedem Klinikaufenthalt wieder von vorne los. Hanna beginnt sich wieder abzukapseln und nichts mehr zu essen. Sie ist wieder unerreichbar für ihre besorgte Umwelt. "Magersüchtige sind so störrisch, solange sie es nicht selbst einsehen."

Lebensbedrohliche 29 Kilo wiegt Hanna, als sie erkennen muss, dass ihr Körper an seine Grenzen gekommen ist. Im Juni 2011 kann sie kaum mehr aus dem Bett aufstehen und schafft es noch nicht mal mehr alleine Wasser zu trinken. Ihre Mutter gerät in Panik: "Oh mein Gott, Hanna, du dehydrierst. Du musst unbedingt was trinken, dein Mund riecht schon nach Vertrocknung. Warum tust du dir das an." In diesem Moment ist Hanna klar, dass sie um ihr Leben kämpft. "Ich bin gerade fast gestorben. Immer wieder war ich kurz weg und hatte das Gefühl, mein Herz würde jeden Moment aufhören zu schlagen. Ich brauche endlich Hilfe," schreibt sie in ihr Tagebuch.

Was Hanna letztlich auch zum Umdenken bewegt hat, war die Sorge ihrer Familie. "Es ist häufig das Umfeld, das einem die Augen öffnet. Wenn man ziemlich alleine ist, lebt man in seiner eigenen Welt. Ich habe es nur durch viel Sorge meiner Familie und Freunde irgendwann begriffen."

Viel mehr als nicht essen wollen
Einen Rat, wie Angehörige Betroffenen helfen können, hat aber auch sie nicht: "Einige sagen, man müsse am Ball bleiben und immer wieder reden. Andere, man müsse Magersüchtige erst mal fallen lassen. Bei mir haben das Reden und zu sehen, wie sehr mein Umfeld leidet, allerdings ganz viel geholfen."

Und auch das Schreiben des Buches hat Hanna geholfen, die Dinge für sich klarer zu sehen. "Das Buch habe ich in erster Linie für mich geschrieben. Aber nachdem mir durch das Lesen Vieles viel deutlicher war, dachte ich, dass es vielleicht auch anderen helfen oder zumindest auch Nicht-Erkrankten die Magersucht näher bringen kann," sagt sie selbst. "Man hört nicht auf, nur weil man nicht mehr essen möchte. Es steckt viel mehr dahinter."

Die Tagebuchaufzeichnungen gewähren so auch einen Einblick in die Zwänge und Ängste, denen eine Magersüchtige unterliegt. Offen erzählt Hanna von Panikattacken und Zwangsgedanken. Und von den zwei Stimmen in ihrem Kopf: Der gesunden, die spürt, dass ihr Körper kapitulieren könnte und der kranken, die sie zum Hungern antreibt.

Der Kampf geht weiter
Auch heute noch ist die Krankheit nicht besiegt. Hanna hält ihr 'Normalgewicht'. Doch die innere Stimme, die ihr sagt, dass sie nicht dünn genug ist, ist geblieben. "Leider fühle ich mich nicht wohl und dadurch bin ich auch oft sehr unglücklich. Vom Gewicht her bin ich zwar stabil, aber gerade das macht die Sache für mich oft unerträglich, weil ich anderes gewöhnt bin. Somit geht der Kampf weiter," gesteht sie.

Zurzeit studiert Hanna Erziehungswissenschaften und Anglistik in Bielefeld. Davor war sie kurze Zeit in München, wohnte in einer Wohngemeinschaft für Essgestörte. Doch da war sie nicht glücklich. Bis sie in Bielefeld eine WG gefunden hat, wohnt sie übergangsweise zu Hause.

Ist sie auf dem Weg der Besserung? Bald sogar geheilt? Darauf angesprochen antwortet Hanna kritisch: "Ich glaube, dass man Magersucht nicht unbedingt heilen kann, aber in den Griff bekommen schon, weil ich viele Mädchen kennengelernt habe, die mir immer wieder bestätigen, dass man es schaffen kann. Aber ich denke, dass das immer oder sehr lange oder immer mal wieder in einem schlummert."

Wir danken Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn für das Gespräch und wünschen ihr alles Gute.

Buchtipp:

Kontrolliert außer Kontrolle
Das Tagebuch einer Magersüchtigen
Hanna-Charlotte Blumroth vom Lehn
352 Seiten
Schwarzkopf & Schwarzkopf
Preis: 9,95 Euro








  
 

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Veröffentlicht von
am 29/12/2012
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