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Selbsterkenntnis: Ich, Es und Über-Ich

   
Selbsterkenntnis: Ich, Es und Über-Ich

Wir danken dem Psychoanalytiker und Buchautor Dr. Moscovitz für das Gespräch.

Was heißt das genau, die richtige Distanz zu halten?
Die richtige Distanz ist der Wahrheitspunkt zwischen dem Ich und den Umweltreizen. Wenn man diesen Punkt findet, erkennt man ihn sofort, weil man so ist wie man ist und dabei gleichzeitig die anderen akzeptiert. In diesem Fall fordern wir die anderen nicht mehr, als wir selbst gefordert werden und wir zerstören den anderen nicht mehr, als wir zerstört werden. In der zwischenmenschlichen Beziehung, besonders in der Liebe, sind besitzergreifende und zerstörerische Tendenzen mit im Spiel. Wenn man nicht weiß, wie man mit den eigenen oder fremden Emotionen umgehen soll oder welchen Platz die Gefühle haben dürfen, wird man entweder zu anhänglich oder man ergreift umgekehrt die Flucht. Das sind zwei Extreme, bei denen der Abstand zur Umwelt nicht gut ist.

Wie kann man die goldene Mitte finden?
Man muss lernen, seine Emotionen richtig zu dosieren. In manchen Situationen müssen wir eine Distanz aufbauen. Bei einem Bewerbungsgespräch erwartet der Personalleiter zum Beispiel ein ganz bestimmtes Verhalten: Sie müssen motiviert sein und Selbstbewusstsein zeigen. Außerdem müssen Sie Ihre Kompetenzen unter Beweis stellen, ohne alle in den Schatten zu stellen. Während des Vorstellungs- gesprächs versuchen Sie dieses Image zu vermitteln. Der Personalleiter wird dagegen versuchen wird, Sie zu destabilisieren, um herauszufinden, wo Ihre wahre Persönlichkeit liegt. Der Bewerber bleibt vorsichtig und versucht seine Schwächen zu verstecken oder seine Kompetenzen in den Vordergrund zu stellen.

Gibt man dadurch nicht vor, jemand zu sein, der man gar nicht ist?
Nein. Das müsste eigentlich von ganz alleine passieren, nur manche Personen müssen sich dafür anstrengen. Wenn es einem gelingt, über seine Emotionen, Triebe, Wünsche oder Ängste nachzudenken, dann kennt man sich besser. Von da an findet man die angemessene Reaktion um sowohl die Gefühle als auch die Umstände oder die Ansprüche und Ängste der anderen zu berücksichtigen. Wenn Ihnen zum Beispiel jemand besonders gefällt, dann fallen Sie auch nicht gleich über ihn her. Sie versenden bestimmte Flirtzeichen und empfangen eine Antwort, bevor es bei Sympathie gerne mehr wird. Naja, und genau diesen Spielraum braucht man. Bevor eine Gefühlswallung ausbricht, muss man lernen sie zu kontrollieren oder hinauszuzögern. Das ist die berühmte Kunst der Selbstbeherrschung und des gegenseitigen Respekts.




  
 

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Veröffentlicht von Linda Chevreuil
am 04/10/2008
Die Lesernote:3/5 
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