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Mythos Kaiserschnitt - Vom Wunsch bis zur Notwendigkeit

von Redaktion Veröffentlicht am 3. August 2011

Natürliche Geburt oder Kaiserschnitt? Mit dieser Frage beschäftigen sich immer mehr werdende Mütter, denn der Wunschkaiserschnitt kommt nicht zuletzt wegen prominenter Vorbilder immer mehr in Mode. Anderen bleibt gar keine Wahl: Bestimmte Situationen erfordern einen Notkaiserschnitt.

Warum Kaiserschnitt?
Ein Kaiserschnitt wird nötig, wenn eine normale Geburt nicht möglich ist oder mit einem zu hohen Risiko für Mutter oder Kind verbunden wäre. Heutzutage gibt es außerdem immer mehr Wunschkaiserschnitte. Rund 30 Prozent der Babys kommen in Deutschland per Kaiserschnitt zur Welt.

Unbestritten ist der Notkaiserschnitt, der aus einer Gefahrensituation für Mutter oder Kind heraus nötig wird. Anders beim geplanten Kaiserschnitt: Jeder Arzt bewertet Situationen individuell, darum kann es sein, dass der eine Arzt beispielsweise bei Zwillingen eine normale Geburt bevorzugt, der andere aber grundsätzlich zum geplanten Kaiserschnitt rät. Für die Schwangere ist es daher wichtig, sich über eigene Wünsche und Grenzen klar zu werden und sich eventuell von verschiedenen Ärzten beraten zu lassen.

Immer häufiger hört man vom Wunschkaiserschnitt. Viele Frauen sehen den Vorteil darin, dass sie die Geburt so besser planen können. Andere haben Angst vor den Geburtsschmerzen und möchten diese mit einem Kaiserschnitt umgehen. Auch Frauen, die mit einer normalen Geburt schlechte Erfahrungen gemacht haben, entscheiden sich bei weiteren Geburten möglicherweise für einen Wunschkaiserschnitt.

Was ist ein Kaiserschnitt?
Es gibt verschiedene Formen von Kaiserschnitten: Wird der Kaiserschnitt (auch: Schnittentbindung) durchgeführt, bevor die Wehen einsetzen, ist es ein primärer Kaiserschnitt. Das ist meistens ein geplanter Kaiserschnitt. Ein sekundärer Kaiserschnitt ist in der Regel ein Notkaiserschnitt, der gemacht wird, wenn die Geburt schon fortgeschritten ist, die Wehen also bereits eingesetzt haben, es aber zu Komplikationen kommt.

Es ist möglich, mehrere Kaiserschnitte zu haben. Allerdings sollten dann ein bis zwei Jahre zwischen den Schwangerschaften liegen. Hatte eine Frau einen Kaiserschnitt, ist bei einer weiteren Geburt aber nicht grundsätzlich auch ein Kaiserschnitt nötig.

Geplanter Kaiserschnitt
Gibt es während der Schwangerschaft Anzeichen, das bei der Geburt ein Risiko für Mutter oder Kind bestehen könnte, wird der Arzt mit der Schwangeren über einen geplanten Kaiserschnitt sprechen.

Gründe dafür können sein:

  • schlechte Lage des Babys (Steiß- oder Querlage)
  • Plazenta praevia: Dabei liegt die Plazenta vor dem Muttermund
  • schlechtes Schädel-Becken-Verhältnis: Das heißt, das Becken der Mutter ist zu eng, der Kopf des Babys kann nicht durchtreten
  • Erkrankung der Schwangeren, wie HIV, Herpes genitalis, Epilepsie, Nierenerkrankungen, Herzfehler, Gestosen, spezielle Erkrankungen der Augen, Gestosen, ...
  • Zwillinge (oder mehr); wenn eines der Kinder ungünstig liegt
  • Störungen in der Entwicklung des Babys

Aber auch auf den ausdrücklichen Wunsch der Schwangeren hin kann ein Kaiserschnitt geplant werden (Wunschkaiserschnitt). Ein geplanter Kaiserschnitt liegt einige Tage vor dem errechneten Geburtstermin.

Ungeplanter Kaiserschnitt
Oft kann man einen Kaiserschnitt nicht im Vorfeld planen: Die Schwangerschaft verläuft unauffällig, Mutter und Kind geht es gut, die Geburt beginnt mit normalen Wehen. Wenn es dann zu Komplikationen kommt, muss der Arzt schnell entscheiden, ob ein Kaiserschnitt nötig ist oder man der normalen Geburt noch eine Chance gibt.

Ein ungeplanter Kaiserschnitt kann folgende Gründe haben:

  • schlechtes Schädel-Becken-Verhältnis: nicht immer ist das vorher erkennbar
  • Wehenschwäche: Lassen die Wehen nach oder werden nicht stark genug, kann man versuchen, sie mit verschiedenen Methoden zu unterstützen. Hilft das nicht, kann ein Kaiserschnitt nötig sein.
  • Probleme bei der Schwangeren, z.B. plötzliche Blutdruckschwankungen, Fieber, vorzeitige Plazentaablösung, ...
  • Probleme beim Baby: Nabelschnurvorfall (etwa wenn die Nabelschnur sich um den Hals des Kindes wickelt), schlechte Herztöne, ...

Was passiert beim Kaiserschnitt?
Wenn möglich wird die Schwangere örtlich betäubt, weil sie so ihr Baby gleich begrüßen kann und eine örtliche Betäubung weniger belastend ist. Manchmal ist aber auch eine Vollnarkose nötig.

Bei der örtlichen Betäubung wird der Unterkörper per Spinal- oder Peridualanästhesie betäubt. Die Schwangere spürt während des Kaiserschnitts nur ein Drücken und Ziehen. Sehen kann sie nichts, da vor der Operationsstelle ein Vorhang angebracht ist. Bei einer Vollnarkose bekommt sie gar nichts von der Operation mit.

Der Schnitt wird quer im Bereich der Bikinizone gesetzt. Beim Kaiserschnitt wird nur die erste Hautschicht geschnitten, der Rest wird durch Dehnen und Ziehen geöffnet. Das hört sich erst einmal brutal an, ist aber am Ende die sanftere Methode, da die Hautschichten sich an Stellen öffnen, an denen sie später besser verheilen können.

Das Baby wird aus der Gebärmutter gehoben, die Nabelschnur wird durchtrennt und eine Hebamme übernimmt das Neugeborene. Ist die Mutter nur örtlich betäubt, darf sie in den meisten Fällen ihr Baby kurz halten und begrüßen. Das Neugeborene wird dann von der Hebamme versorgt und kann dem Vater oder einer anderen Begleitperson übergeben werden. Nicht alle Krankenhäuser lassen übrigens Begleitpersonen beim Kaiserschnitt zu!

Die Wunde wird verschlossen und die frischgebackene Mutter hat anschließend Zeit, den Neuankömmling kennenzulernen. Nach einer Vollnarkose kann das einige Zeit dauern, da die Mutter erst aus der Narkose erwachen und sich erholen muss.

Mögliche Probleme nach dem Kaiserschnitt
Ein Kaiserschnitt ist eine Operation am offenen Bauch und darum mit Risiken und möglichen Komplikationen verbunden. Gerade wenn sich die Frage stellt: 'Normale Geburt oder Kaiserschnitt?', sollte die Schwangere kritisch die Argumente für und gegen einen Wunschkaiserschnitt abwägen.

Man sollte bedenken: Die Schmerzen einer normalen Geburt sind meist schnell vergessen und die Mutter fix wieder auf den Beinen. Nach einem Kaiserschnitt hat die Mutter hingegen eine Narbe, die erst verheilen muss. Viele Frauen brauchen mehrere Tage, um nach einem Kaiserschnitt wieder auf die Beine zu kommen und noch länger, bis sie keine Schmerzen mehr haben.

In den ersten Tagen nach einem Kaiserschnitt können viele Mütter ihr Neugeborenes nicht selbstständig versorgen, weil sie durch die Schmerzen nicht aufstehen oder das Baby anheben können. Ungefähr ab dem dritten Tag wird das besser, nach rund einer Woche können die meisten Frauen mit dem Baby nach Hause gehen.

Wie nach jeder Operation können aber auch später noch Probleme auftreten, wie Blutungen, Infektion der Wunde, Narbenwucherungen, ... Je nach Ausmaß der Probleme können spätere Schwangerschaften oder normale Geburten erschwert werden. Außerdem haben besonders Frauen, die einen Notkaiserschnitt erlebten, oft später noch mit psychischen Problemen zu kämpfen.

Kaiserschnitt-Kinder haben häufiger Atemprobleme als normal geborene Kinder. Das führt man darauf zurück, dass ihnen der Druck im Geburtskanal fehlt, der die ersten Atemzüge unterstützt und das Fruchtwasser aus den Lungen presst.

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