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Erotik ist heute überall - in Modekatalogen, Zeitschriften und auf Plakaten sind knapp bekleidete Frauen und eng umschlungene Paare zu sehen. Noch nie war der Umgang mit Sexualität so freizügig und öffentlich wie heute.
Fast 40 Jahre ist es her, dass in weiten Teilen der Welt die Hüllen fielen und der Geist der sexuellen Revolution wehte. Seitdem haben sich traditionelle Partnerschaften weiterentwickelt und Sex und Beziehungen sind nicht mehr zwangsweise voneinander abhängig. Für ein aufregendes Liebesleben ist kein fester Partner nötig, sondern es haben sich mehrere Spielweisen etabliert, bei denen auch Singles zu ihrem Recht kommen. Der neueste Trend ist erotisches Dating übers Internet, das sogenannte "Casual Dating" - es vereinfacht die Suche nach dem richtigen Partner für genau die Bedürfnisse, die gerade befriedigt werden wollen: Purer Sex, der Wunsch nach körperlicher Nähe oder auch prickelnde Dates.
Die objektiv alternde Gesellschaft findet durch subjektive Verjüngung neue Wege, um potenzielle Partner zu finden. Dies ist auch notwendig, denn es gibt mittlerweile mehr Singles als Familien. Gleichgesinnte Menschen verabreden sich unter anderem über Dating-Portale im Internet, um gemeinsame Bedürfnisse auszuleben. Dabei suchen Interessierte nicht zwangsläufig eine lange Beziehung, sondern häufig das Beglückende für den Augenblick. Der gefundene Partner ist eher selten der Partner fürs Leben, was für beide Seiten von Vornherein klar und gewollt ist.
Durch neue Medien und Sexualaufklärung haben auch jüngere Menschen leichter Zugriff auf sexuelle Inhalte. Ende der 60er Jahre sorgte der Aufklärungsfilm „Wunder der Liebe“ von Oswalt Kolle noch für einen handfesten Skandal. Heutzutage erregt dieser Film bei Jugendlichen kaum mehr Interesse. Entgegen des langjährigen Trends machen sie aber mittlerweile ihre ersten sexuellen Erfahrungen wieder später und entscheiden sich ganz bewusst für diesen Schritt. Da Kindheit, Erwachsenwerden und Partnerbildung in einer hochsexualisierten Umwelt stattfinden, nehmen Jugendliche ihren ersten persönlichen erotischen Kontakt ernster und warten auf den richtigen Moment.
Gleichzeitig sind die Ansprüche an Partnerschaften enorm gestiegen: damit eine Beziehung funktioniert, müssen sämtliche Bedürfnisse erfüllt werden. Schlechte oder unpassende Eigenschaften eines Partners werden nur noch ungern in Kauf genommen - die Wahrscheinlichkeit, dass eine Beziehung eingegangen wird, sinkt, solange sie nicht scheinbar perfekt ist. Schon bei der Partnerfindung loten Frauen und Männer ihre Vorlieben aus, das erfordert eine gewisse Selbstreflexion.
Die Pille hat Sexualität und Fortpflanzung entkoppelt - das Internet befreit Flirten und Daten vom Zwang einer ernsthaften Partnerschaft. Mit einer Beziehung geht man keinen Vertrag auf Lebenszeit mehr ein, im Zeitalter von Patchwork-Familien sind Kinder kein Hindernis mehr für neue Partner und Dates. Die Gestaltung von Beziehungen ist freier geworden, die gesellschaftlichen Zwänge haben abgenommen, und es gibt neue Wege, die genau die Bedürfnisse befriedigen, die man gerade hat. Der gesellschaftliche Wandel und eine neue Herangehensweise an das Thema Partnerschaft machen das Leben einfacher für all diejenigen, die auch ohne feste Beziehung ein aufregendes Liebesleben führen wollen.
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