Berlin - Tel Aviv
Vom Osten in den Nahen Osten: Der Liebe wegen nach Israel

Auswandern aus Liebe

   


Das Leben an der Seite ihres Freundes ist nicht immer leicht. © privat - Auswandern aus Liebe
Das Leben an der Seite ihres Freundes ist nicht immer leicht. © privat
Und Herausforderungen gibt es viele. Denn so modern, so europäisch Tel Aviv manchmal auf Touristen wirken mag, ist die Stadt in Wirklichkeit nicht. Das Alltagsleben stellt Katharina immer wieder auf die Probe. „Zu Touristen sind alle hier freundlich. Aber wenn sie hören, dass ich hier lebe, wird auch mal patzig gefragt, warum ich denn nicht perfekt Hebräisch könne. Dabei lerne ich es doch“, erzählt Katharina, die sich erst an die direkte und raue Art der Israelis gewöhnen musste.

Dass ein Taxifahrer mit geöffneter Tür wegrast, als er sieht, dass Katharina eine Mikrowelle transportieren will, würde ihr in Deutschland wohl kaum passieren. In ihrem Buch 'Guten Morgen, Tel Aviv! Geschichten aus dem Holy Land' hat sie ihre prägendsten Erlebnisse aufgeschrieben. Dazu gehören auch Kriegs-Übungen und ihre Emotionen, wenn sie von Selbstmordattentaten und Raketeneinschlägen hört.

Doch den Nahost-Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern hat sie bewusst nicht in den Mittelpunkt ihres Buches gestellt. „Wenn Deutsche an Israel denken, kommt ihnen als erstes der Holocaust und der Israel-Palästina-Konflikt in den Kopf. Natürlich prägen diese Erlebnisse das Land. Das spüre ich jeden Tag, wobei ich als Deutsche noch nie wegen des Dritten Reiches schlecht behandelt wurde. Aber was ich zeigen wollte, ist, dass es gerade in Tel Aviv ein israelisches Alltagsleben abseits von Holocaust-Trauma, Terrorangst und Konflikten gibt – mit vielen Skurrilitäten zum Haareraufen und Schmunzeln“, erklärt Katharina, die sich in Israel übrigens nur „Nina“ nennt. Katharina ist den Israelis zu lang. 

Bald wird Katharina noch einen weiteren Namen annehmen, einen jüdischen. Sie wird dann auch die Standardfrage der Israelis mit Ja beantworten können. Schon seit Jahren geht sie regelmäßig zum Rabbiner, um unter anderem die 613 Regeln des Judentums zu lernen. Anfang 2012 will sie vor dem Rabbinat die Prüfung ablegen. Sie wird Jüdin. Weil sich ihr Freund eine jüdische Familie wünscht, weil sie die Traditionen des Judentums schätzt und weil sie sich als Jüdin vielleicht noch ein wenig mehr zu Hause in Israel fühlt.

Buch-Tipp: Mehr über Kathrinas Leben in Israel gibt's in ihrem Buch
'Guten Morgen, Tel Aviv! Geschichten aus dem Holy Land' (Heyne, 8,99 €).


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Veröffentlicht von der Living-Redaktion
am 29/11/2011
Die Lesernote:5/5 
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