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Schutz vor Gewalt

Frauen in Afghanistan

Frauen in Afghanistan: Nicht die Freiheit, die sie sich erhofften - Frauen in Afghanistan
Frauen in Afghanistan: Nicht die Freiheit, die sie sich erhofften
Vor dem Gesetz sind Frauen in Afghanistan gleich, in der Realität werden sie unterdrückt. Eine Ingenieurin baut darum neuartige Polizeireviere. Ein Ortstermin zeigt, was sie damit für Frauen in Afghanistan verändern will.

Wenn Mariam Guth in ihrem veilchen-farbenen Kleid über die Baustelle stapft, wenn sie den Maurern Anweisungen gibt und ihre Arbeit begutachtet, dann tun diese stumm, was man ihnen sagt. Und sie wirken ein ganz klein wenig unwillig dabei. So wie Bauarbeiter in Europa auch manchmal unwillig sind, wenn eine Frau ihnen Befehle gibt.

Aber diese Baustelle befindet sich nicht in Frankreich, England oder Deutschland, sondern in Afghanistan. Und wenn Mariam Guth nicht hinsieht, dann beäugen die Bauarbeiter sie staunend wie ein Fabelwesen: Eine Frau als Chef. "Auch wenn das für Sie seltsam klingt: Ich habe hier eigentlich weniger Probleme als auf einer deutschen Baustelle", sagt Mariam Guth und lächelt verschmitzt unter ihrem Kopftuch aus Rohseide. "Frauen begegnet man in Afghanistan mit besonderem Respekt, und eine Frau als Autoritätsperson ist etwas so Außergewöhnliches, dass der Respekt sogar doppelt so groß ist."

In Afghanistan für Frauen Mauern bauen
Aber das, was Mariam Guth beruflich macht, finden sicher auch viele in Europa ein bisschen seltsam. Im Auftrag der Nato-Schutztruppe Isaf baut die 37-jährige Diplomingenieurin, geboren in Afghanistan und ausgebildet in Deutschland, Polizeireviere in ihrem Heimatland. Und zwar so, dass es dort getrennte Sphären für Männer und Frauen gibt, sowohl unter den Gefangenen als auch für weibliche und männliche Polizeibeamte.

Im Rohbau des Polizeireviers Nr. 6 von Masar-i-Scharif in Nord-Afghanistan gibt es schon verschiedene Büros für Männer und Frauen. Im Obergeschoss sollen nach Geschlechtern getrennte Schlafräume entstehen.

Frauen in Afghanistan - heute: Gewalt gegen Frauen ist allgegenwärtig

Auch Jahre nachdem die amerikanisch geführte Invasion die archaische Glaubensdiktatur der Taliban gestürzt hat, kämpft das Land noch immer mit Problemen des Wiederaufbaus, die so grundsätzlich sind, als sei der Krieg eben erst zu Ende gegangen. Hinzu kommt die Armut: Mit einem Bruttosozialprodukt von jährlich weniger als 500 Euro pro Kopf ist Afghanistan eines der ärmsten Länder der Welt. Für Frauen ist es besonders schwer: Fast 90 Prozent von ihnen sind nach einer Studie der UN Opfer familiärer Gewalt. Nur 12,6 Prozent der Frauen in Afghanistan können lesen und schreiben, aber gut 43 Prozent der Männer. Wer braucht da Mauern in Polizeirevieren?
Frau in Afghanistan: Mariam Guth auf ihrer Baustelle  © Daniel-Dylan Böhmer
Frau in Afghanistan: Mariam Guth auf ihrer Baustelle © Daniel-Dylan Böhmer


So wie Mariam Guth es sieht, kann es das eine nicht ohne das andere geben - Rechte ohne Trennung. Darum baut sie Mauern. "Ohne diese Trennung bewerben sich einfach viel zu wenige Frauen um eine Stelle bei der Polizei", sagt sie. Denn: Nur die wenigsten Familien würden es zulassen, dass ihre Töchter, ihre Mütter oder Frauen den Tag mit fremden Männern in einem Raum verbringen.

Frauen in Afghanistan - früher: "Wir Mädchen trugen Jeans!"
Das Afghanistan, in dem sie seit sechs Jahren mit ihrem Ehemann Martin lebt, ist ein ganz anderes als jenes Land, das sie 1988 als 16-jähriges Mädchen verließ. Ihr Vater arbeitete bei einer Bank, ihre Mutter war Lehrerin. "Ich ging ohne Kopftuch zur Schule, und schon gar nicht in einer Burka", erinnert sich Guth. "Wir Mädchen trugen damals Jeans."

Nachdem ihre Familie vor dem Bürgerkrieg floh, wurde sie verstreut. Es dauerte zwei Jahre, bis sie sich in Deutschland wiederfanden. Dass Mariam studierte, war fast eine Selbstverständlichkeit. Aber als sie im Studentenwohnheim einen jungen Deutschen kennenlernte und heiraten wollte, war es mit der Toleranz vorbei. "Mein Vater meinte, ich könne einfach nicht glücklich werden mit einem Mann, der kein Muslim ist, kein Afghane." Zur Trauung erschien der Vater nicht. Mariam heiratete trotzdem. Als sie 2003 beschloss, in ihre Heimat zurückzukehren, gab ihr Mann seinen Job als Programmierer auf und kam mit.

"Wer eigenständig auftritt, findet Nachahmerinnen"

In Masar-i Scharif würde Mariam Guth gerne noch ein Frauengefängnis bauen. Ob es genügend Wärterinnen und Ausbilderinnen gibt, hängt vor allem von den Frauen hier ab. "Wenn man eigenständig auftritt, dann findet man auch Nachahmerinnen", sagt Mariam Guth fröhlich. "Die kleinen Mädchen in meiner Straße wollen neuerdings alle Architektinnen werden."




Daniel-Dylan Böhmer

  

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Veröffentlicht von Shila Meyer Behjat
am 24/03/2010
Die Lesernote:3/5 
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