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Die Shanti-Leprahilfe in Nepal

  

Marianne Grosspietsch inmitten der großen & kleinen Patienten. © Herbert Grosspietsch - Die Shanti-Leprahilfe in Nepal
Marianne Grosspietsch inmitten der großen & kleinen Patienten. © Herbert Grosspietsch
Rotes Kreuz, Kinderhilfswerk, Tierschutzverbände: Die Zahl der Organisationen, die für einen guten Zweck Geld sammeln, ist groß. Und wohl jeder von uns hat schon mal den ein oder anderen Euro gespendet. Die wenigstens von uns haben allerdings direkt ein Hilfsprojekt gegründet. Marianne Grosspietsch ist so ein Mensch. gofeminin.de hat die Dortmunderin getroffen und mit ihr über die Shanti Leprahilfe gesprochen, die sie vor 20 Jahren in Kathmandu, Nepal, gegründet hat. Shanti ist ein Zufluchtsort für alle Menschen in Kathmandu und Umgebung, die von der Gesellschaft verstoßen wurden.

Aus einer Patenschaft wird ein Projekt
„Als mein Mann und ich Anfang der 70er Jahre die Patenschaft für einen nepalesischen Jungen übernahmen, hätte ich mir nicht vorstellen können, dass sich ein paar Jahre später mein halbes Leben in diesem Land abspielen würde. Und sich alles radikal ändert“, erzählt Marianne Grosspietsch.

Angefangen hatte alles mit dem kleinen Puskal, den Marianne Grosspietsch und ihr Mann in Nepal besuchten. Einfach nur Geld zu schicken und Briefe zu schreiben – das war ihr zu wenig. „Wir wollten mit eigenen Augen sehen, wie Puskal lebt. Natürlich war uns klar, dass Nepal ein unheimlich armes Land ist. Trotzdem waren wir schockiert, als wir dann mit eigenen Augen sahen, wie Puskals Alltag war.“ Seine Familie lebt in einem Lepraghetto am Stadtrand von Kathmandu. Beide Eltern leiden an der Infektionskrankheit. Und das ist im hinduistischen Kastensystem Nepals quasi ein Todesurteil. Gesellschaftlich, nicht wegen der Krankheit. Die ist mittlerweile mit den richtigen Medikamenten behandelbar.

Marianne Grosspietsch im Krankenhaus bei der Neuaufnahme eines Patienten. © Herbert Grosspietsch
Marianne Grosspietsch im Krankenhaus bei der Neuaufnahme eines Patienten. © Herbert Grosspietsch
"Lepra wird in Nepal als Strafe Gottes angesehen"
Doch „in Nepal werden Krankheiten wie Lepra oder körperliche und geistige Behinderungen als Strafe Gottes angesehen. Diese Menschen werden von der Gesellschaft verstoßen, finden keine Arbeit, werden aus ihren Dörfern vertrieben. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als in Ghettos am Stadtrand zu leben und für ihr Überleben zu betteln“, erklärt Marianne Grosspietsch die Situation.

Geschockt von den Umständen reist sie mit ihrem Mann ab. Jedoch nur um kurze Zeit später wieder nach Nepal zu reisen, um den kleinen Puskal zu adoptieren. „Er durfte nicht mehr zur Schule gehen. Der Lehrer sagte, dass die Eltern der anderen Kinder nicht wollten, dass ihre Sprösslinge Umgang mit ‚so einem‘ pflegen“. Um Puskal eine schulische Ausbildung zu ermöglichen, nimmt Marianne Grosspietsch ihn mit nach Deutschland. Nach seinem Abitur Ende der 80er Jahre fahren sie noch einmal zusammen nach Nepal und besuchen seine Eltern. „In den wenigen Jahren hatte sich die Lage seiner Familie deutlich verschlimmert. Sein Vater war mittlerweile blind, hatte mehrere Gliedmaßen durch die Krankheit verloren.“

Die Erinnerung an diesen Besuch bleibt als Marianne Grosspietsch und Puskal längst wieder in Deutschland sind. „Das war die Geburtsstunde der Shanti Leprahilfe. 1992 gründete ich die Stiftung und kehrte mit 1.000 DM in der Tasche nach Nepal zurück. Das Geld hatte ich von Freunden, Bekannten und deren Bekannten gesammelt“, erzählt sie stolz. Weitere 17.000 DM kamen aus dem Erlös ihrer ersten Aktion, einer Modenschau mit der nepalesischen Designerin Yasmin Rana, dazu. Was für deutsche Verhältnisse nicht so viel Geld scheint, reicht in Nepal, um einen Arzt zu engagieren und eine Ambulanz zu öffnen. Rund 60 bis 100 Menschen werden dort zu Beginn täglich medizinisch versorgt. Außerdem mietet Marianne Grosspietsch ein Haus und bietet dort zwölf Leprakranken eine Unterkunft, die wegen ihrer Krankheit aus ihrem Dorf verstoßen wurden und obdachlos waren.

> Lesen Sie weiter: Dank Hape Kerkeling kann ein neues Krankenhaus gebaut werden




db

 
  

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Veröffentlicht von
am 17/08/2012
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