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Sieben Stunden im April
Vergewaltigungs­opfer Susanne Preusker: "Gekämpft wie eine Irre"

Sieben qualvolle Stunden

 

Über ihr Leben nach der Vergewaltigung hat Susanne Preusker ein Buch geschrieben. © Patmos Verlag - Sieben qualvolle Stunden
Über ihr Leben nach der Vergewaltigung hat Susanne Preusker ein Buch geschrieben. © Patmos Verlag
Susanne Preusker arbeitete vier Jahre mit dem Verbrecher K.. Sie weiß, dass es für K. nur zwei Sorten von Frauen gab: Heilige und Huren. „Ich glaube, ich war sehr lange in der Kategorie der Heiligen. Dann muss etwas passiert sein, ich habe in seinen Augen die Seiten gewechselt – das habe ich aber nicht mitbekommen.“ Und so wurde sie zum Opfer.

Gegen 0.30 Uhr öffnet K. die Bürotür und Susanne Preusker wankt hinaus. Er hat sie nicht getötet. Er ließ sie gehen. Warum? „Ich glaube, er hat aufgehört, weil er dann mit mir fertig war. Er hat alles mit mir gemacht, was er mit mir tun wollte, und er hatte seinen Job erledigt.“ Eine kurze Pause, dann sagt sie: „Das klingt zum Kotzen.“

Sieben qualvolle Stunden verging sich K. auf sadistische Weise an Susanne Preusker. Sieben Stunden, in denen ihr niemand zu Hilfe kam. Der einzige Kontakt zur Außenwelt: ein Telefongespräch mit einem Kollegen, bei dem sie vorgeben musste, alles sei okay. Es gab einen Alarmknopf unter dem Schreibtisch, aber den konnte sie nicht erreichen. Kein tragbares Alarmgerät. Kein Codewort. Die Polizei wartete einfach ab, sagt Susanne Preusker. Deswegen hat sie Anklage erhoben gegen die Einsatzkräfte: unter anderem wegen unterlassener Hilfeleistung. Das Verfahren läuft.

Bis heute keine Entschuldigung
Eine Entschuldigung hat Susanne Preusker nie gehört. Weder von der Polizei, noch von den alten Kollegen. Kein Einräumen, dass etwas vielleicht nicht optimal gelaufen ist. Susanne Preusker: „Das trifft mich hart, denn deren Leben geht weiter.“

Susanne Preuskers altes Leben endete an diesem 7. April. Verbarrikadiert in einem kleinen Raum mit einem Sexualstraftäter, der schon mit 13 Jahren zwei Mädchen fesselte und schlug - diese sieben Stunden haben die erfolgreiche Psychologin viel gekostet: „Abhanden gekommen ist mir die Unbeschwertheit. Das Gefühl, es geht schon gut – hab ich jetzt nicht mehr“, sagt Susanne Preusker. Auch das Vertrauen in die Menschen ist weg, das Gefühl, sich sicher und aufgehoben zu fühlen. Geblieben ist Disziplin: „Ich war nie ein Jammermensch und ich habe den Willen, mich nicht unterkriegen zu lassen.“

Darum hat sie das Buch 'Sieben Stunden im April' geschrieben. Kein schnöder Selbsthilferatgeber mit allgemeingültigen Formeln, wie man ein solches Trauma bewältigt. Nein, ein Buch, das zeigt, wie Susanne Preusker mit den Nachwehen des Verbrechens lebt.

Die Tat selbst hat Susanne Preusker in ihrem Buch auf nur sieben Seiten abgehandelt. In Form des Ursprungstextes, den sie als Erinnerungsstütze kurz nach dem Übergriff verfasst hat. Sie macht ihn der Öffentlichkeit zugänglich: „Ich bin der Meinung, in solchen Situationen gibt es keine Privatheit. Ich habe nichts gemacht, wofür ich mich schämen müsste.“ Und doch will Susanne Preusker die schrecklichen Ereignisse nicht auswälzen: „Die Tat verdient es, erwähnt zu werden. Sie verdient es aber nicht, über Gebühr in den Mittelpunkt gestellt zu werden.“ Manche Dinge bleiben Privatsache.

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Veröffentlicht von Sabrina Frangos
am 02/10/2011
Die Lesernote:4.8/5 
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