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Heidi Tagliavini: Madam Courage auf schwieriger Mission © Tagliavini - tagliavini
Heidi Tagliavini: Madam Courage auf schwieriger Mission © Tagliavini
Tagliavini. Ein Name wie Musik. Und doch ist er seit letzten Oktober auch ein Synonym für Kriege. Oder vielmehr für die Aufarbeitung von solchen und die Frage: Wer hat begonnen?

Sechs Monate ist es her, dass Heidi Tagliavini als Leiterin der "Unabhängigen Untersuchungskommission zum Konflikt in Georgien" (IIFFMCG – CEIIG) ihre Ergebnisse erstmals vorstellte und damit eine diplomatische Lawine los trat. Jetzt wird sie sie nochmals offziell dem Europarat vorlegen.

Georgien hat den Kaukasus-Krieg gegen Russland begonnen, war die erste brisante Aussage ihres Berichts. Die zweite: Russland hatte provoziert und unverhältnismäßig gehandelt. Damit widersprach sie Behauptungen Georgiens, es habe einen Einmarsch russischer Truppen gegeben. Sie prangerte russische Verstöße gegen das Völkerrecht an. Und sie erhob schwere Vorwürfe gegen die internationale Gemeinschaft, die zu lange tatenlos zugesehen habe.

Georgiens Hauptstadt Tiblisi, gezeichnet vom Krieg  © EUMM
Georgiens Hauptstadt Tiblisi, gezeichnet vom Krieg © EUMM
Tagliavini steht für unbequeme Tatsachen

Was davon blieb, ist der Name: Der „Tagliavini-Bericht“ steht heute für bedingungslose, mutige Aufklärung und Offenlegung unbequemer Fakten. Er gilt als Meilenstein in der unabhängigen internationalen Berichterstattung, mutig, furchtlos, ohne Rücksicht auf diplomatische Konsequenzen. Doch nur wenige fragten sich, woher dieser Mut kam und wer die zierliche Frau war, die ihn zu verantworten hatte.

Das liegt zu einem großen Teil an Heidi Tagliavini selbst. Sie, auf die bereits mehrmals geschossen worden und die beinahe von einer Granate getötet worden war, die in Krisen- und Kriegsgebieten den Großteil ihrer 28-jährigen Laufbahn als Diplomatin und Vermittlerin verbracht hatte und Anfang 2010 noch die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine für die OSZE begleitet hatte - sie sagt „wir", obwohl die Frage an sie persönlich gerichtet war. Ihre Stimme ist ein wenig zu leise, beinahe zu sanft. "Wir wollten wahrheitsgetreu und die ganze Geschichte berichten. Damit konnten wir nur in die offene Klinge laufen, es keinem Recht machen. Es ging um die Fakten, nicht die Personen.“ Sie lächelt. Eine gute Tarnung.

Von den Kollegen an die Schreibmaschine geschickt
International in Erscheinung war Tagliavini bereits 1995 getreten. Russland willigte in die Untersuchungsarbeit der OSZE in den Krieg mit Tschetschenien ein - die Wahl für diese Mission fiel auf die neben sieben weiteren Sprachen auch fliessend russisch sprechende Tagliavini. Als einzige Frau der sechsköpfigen Gruppe reiste sie überstürzt nach Grosny ab, "furchtbar unvorbereitet", wie sie heute sagt.

Sie landete mitten im Krieg zwischen Russland und Tschetschenien: Schußwechsel, Straßenkämpfe, einmal wurde ihr Zimmer von einer Granate getroffen. „Wenn ich hier rauskomme, versuche ich etwas daraus zu machen.“, schwor sie sich damals.

Die schwersten Kämpfe allerdings hatte sie mit ihren Kollegen auszufechten: Keiner der inhaltlichen Arbeitsbereiche der Mission sollte ihr überlassen werden. Stattdessen sollte sie den Bericht abtippen. "Wir waren alle gleich alt, gleich qualifiziert und mit der selben Aufgabe betraut. Aber mir schlugen sie vor, mich doch an die Schreibmaschine zu setzen."

Offiziell: Botschafterin Heidi Tagliavini © UN
Offiziell: Botschafterin Heidi Tagliavini © UN
Tagliavini: "Ich habe keine blauen Augen"

Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass ihr die eigene Weiblichkeit in die Quere kommen würde, selbst auf den obersten Ebenen der Diplomatie: Da war der Verteidigungsminister, der sie von oben bis unten musterte - "so wie ein Mann eine Frau eben ansieht, mit der er etwas vorhat". Oder ein Vertreter im UN-Sicherheitsrat, der sie fragte, was sie ihm "mit ihren schönen blauen Augen erzählen" wolle. Gewissenhaft spart sie die Namen der Männer aus.

"Erstens: Ich habe keine blauen Augen.", hatte sie im Sicherheitsrat geantwortet. "Und zweitens, glaube ich nicht, dass der UNO-Generalsekretär mich deswegen beauftragt hat." Auch der Minister musste seine Lektion lernen und sie nur kurze Zeit später um Hilfe bitten: Seine Truppen waren in einen Hinterhalt geraten, nur eine Hubschrauberflotte der UN-Mission konnte sie retten. Dieser Mission stand Tagliavini vor.

Und auch die Kollegen der Tschetschenien-Untersuchung mußten nach Beendigung ihrer Arbeit Tagliavini die war, die besonders wahrgenommen worden war: Als das "Gesicht der Mission", ging sie daraus hervor, die sich um die Belange der Menschen gekümmert hatte. "Madam Courage" nannte man sie dann.

Ein hoher Preis: Einsamkeit

"Wir werden immer zuerst als Frau wahrgenommen. Und deshalb angezweifelt. Darüber muss man hinwegsehen - mit einem Lächeln, einem Augenzwinkern." analysiert sie heute und zwinkert tatsächlich. "Und dann muss man bereit sein, ein Wagnis einzugehen - mit allen Konsequenzen."

Das Leben an den Kriegsschauplätzen dieser Welt hatte für Tagliavini dennoch seinen Preis: "Man ist sehr einsam.", sagt sie nachdenklich über ihre 28 Jahre als Diplomatin. "Und lebt recht abstinent." Eine eigene Familie zu gründen, einen großen Freundeskreis zu haben, dafür war ihr Leben an insgesamt 17 verschiedenen Orten der Welt immer zu unstet gewesen. "Wahrscheinlich versuche ich auch deshalb, immer das Persönliche in Verhandlungen mit einzubringen.", gesteht sie sich selbst heute ein. "Das ist für mich das Allerwichtigste."


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Shila Meyer-Behjat

  

Veröffentlicht von Shila Meyer Behjat
am 28/04/2010
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