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Vitaminpräparate: Sind Nahrungsergänzungsmittel schädlich?

von Jane Schmitt Veröffentlicht am 26. März 2019

Ernährt man sich ausgewogen und gesund, sollten Nahrungsergänzungsmittel nicht notwendig sein. Zumal einige mutmaßlich gesunde Vitaminpräparate gar nicht so gesund sind, wie alle annehmen. Das hat die Hamburger Verbraucherzentrale herausgefunden.

Nahrungsergänzungsmittel sind als Supplements zu Trend-Items der gesunden Ernährung avanciert. Doch ist man mal ganz ehrlich, so könnte man getrost auf die Pillen, die konzentriert Vitamine und Mineralien liefern, verzichten.

Gemüse und Salat sind nicht so dein Ding? Wie gut, dass es da diese kleinen Vitamin-Pillen gibt, die werden es schon richten - so die Annahme. Falsch gedacht!

Eine ausgewogene Ernährung, die eben Gemüse und Co. beinhaltet, könnte den Körper schließlich mit allen wichtigen Nahrungsbausteinen versorgen.

Wie die Verbraucherzentrale Hamburg festgestellt hat, sind Nahrungsergänzungsmittel gar nicht so gut wie uns deren Ruf glauben machen will. Werden Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe nämlich falsch dosiert, kann das sogar schwerwiegende Folgen haben.

Trotzdem ist die Nachfrage nach Nahrungsergänzungsmitteln sehr hoch. Laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale Hamburg greife jeder dritte Deutsche zu Nahrungsergänzungsmitteln.

Sind Nahrungsergänzungsmittel geprüft?

In der Umfrage stellte sich außerdem heraus, dass fast die Hälfte der befragten Personen (47 %) darauf vertrauen, dass Nahrungsergänzungsmittel amtlich auf Sicherheit und Wirksamkeit geprüft werden. Das trifft jedoch nicht zu, stellt die Verbraucherzentrale Hamburg klar: "Hersteller müssen neue Produkte lediglich anmelden."

Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale sind die meisten Nahrungsergänzungsmittel bestenfalls unnötig und ihr Geld nicht wert, schlimmstenfalls allerdings können sie sogar Gesundheitsrisiken bergen.

In einem vorangegangenen Marktcheck wurde festgestellt, dass viele Produkte mit Magnesium einerseits falsch beworben wurden und zusätzlich zu hoch dosiert waren. Daher fordert die Verbraucherzentrale einen klar geregelten Umgang mit den beliebten Vitaminpräparaten.

Darauf solltest du beim Kauf von Vitaminpräparaten achten

Da der Markt sehr groß ist und Vitaminpräparate als Lifestyle-Produkte beliebt sind, ist es umso wichtiger, dass die Verbraucher sich auskennen und die vermeintlichen Gesundheitsprodukte kritisch in Augenschein nehmen. Nach aktuellem Stand können zu hoch dosierte Vitaminpräparate die Gesundheit sogar negativ beeinflussen oder gar schädigen.

  • Lass dir keinen Bären aufbinden: Bei Produkten, die versprechen gegen allerlei Krankheiten zu wirken, solltest du skeptisch sein. Wird ein Präparat damit beworben, gleichzeitig gegen Erkrankungen wie Verdauungsbeschwerden, Bluthochdruck, Entzündungen, Arthrose, Diabetes oder gar Krebs zu wirken, sollten bei dir die Alarmglocken schrillen!

  • Lass dich nicht von Werbeaussagen ködern. Die Werbung kann viel versprechen: Kommt ein Produkt aus einer exotischen Region (z.B. Himalaya) oder verspricht ein mutmaßlicher Arzt vom anderen Ende der Welt eine wundersame Heilung, sagt das nichts über die tatsächliche Wirksamkeit aus.

  • ​Persönliche Erfahrungsberichte sollen dein Vertrauen wecken, aber bleib skeptisch. Solche Berichte und positive Bewertungen sind kein Beweis für die Wirksamkeit.

  • Gibt es keine kontrollierten wissenschaftlichen Studien, die die Sicherheit und Auswirkungen der dauerhaften Einnahme prüfen, solltest du ebenfalls Abstand von dem Präparat nehmen.

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Welche gesundheitlichen Folgen kann der falsche Gebrauch von Vitaminpräparaten haben?

  • Vitamin C: Eine zu hohe Dosierung von Vitamin C kann bei sensiblen Menschen eventuell das Risiko für Nierensteine erhöhen. Mehr als 500 mg Vitamin C pro Tag kann den antioxidativen Effekt umkehren und die Zellen sogar schädigen.
  • Zink: Langanhaltende erhöhte Zinkzufuhren können Anämien und Veränderungen der Blutzellen verursachen.
  • Vitamin A, Beta-Carotin und Vitamin E dauerhaft eingenommen, können einzeln oder in Kombination die Sterblichkeit steigern.
  • Vitamin A kann zu hoch dosiert und langfristig das Risiko für durch Osteoporose bedingte Knochenbrüche steigern.
  • Beta-Carotin: Das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern kann sich durch die längerfristige Einnahme von Beta-Carotin steigern.
  • Eisen: Eine dauerhaft erhöhte Einnahme kann das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen erhöhen.
  • Multivitamine: Der tägliche Konsum von Multivitamintabletten könnte das Risiko für eine fortgeschrittene oder tödlich verlaufende Prostata-Krebserkrankung erhöhen.
  • Calcium: Die hoch dosierte Einnahme von Calcium (1000 mg/Tag) bei gesunden Frauen in der Menopause steigert die Herzinfarktrate.


Quelle: obx-medizindirekt.de

Für wen sind Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel geeignet?

In wenigen Fällen ist es notwendig, dass Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Gerade Menschen, die einen erhöhten Nährstoffbedarf haben und diesen nicht über ihre Ernährung decken können, sollten in Absprache mit dem behandelnden Arzt geeignete Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

​Dazu zählen Personen, die mit chronischen Erkrankungen zu kämpfen haben und dauerhaft Medikamente einnehmen müssen, ebenso wie Menschen, die Magen-Darm-Erkrankungen haben oder auch Senioren, die Schwierigkeiten mit der Nahrungsaufnahme haben.

Bevor du zu Nahrungsergänzungsmitteln greifst, sprich mit deinem Arzt und lass dir den vermuteten Nährstoff-Mangel bestätigen. Zusammen mit dem Arzt kann dann geklärt werden, ob eine Änderung deiner Ernährungsgewohnheiten den Mangel beseitigen kann oder ob ein Nahrungsergänzungsmittel sinnvoller ist.

Wann sind Vitaminpräparate nicht nötig?

Wer eine ausgewogene Ernährungsweise anstrebt, versorgt den Körper mit den wichtigen Nähstoffbausteinen Fett, Eiweiß, Kohlenhydraten, Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen und Ballaststoffen. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie abwechslungsreich, genussreich und bunt eine ausgewogene Ernährung ist.

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von Jane Schmitt