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Corona-Durchbruch: Rettet dieses Krebsmittel Erkrankte?

Video von Justin Amaral Erstellt am 25. Juni 2020

In Marburg wurde einer Frau, die schwer an Covid-19 erkrankt war, ein Mittel gegen Krebs gespritzt - und es zeigte Wirkung.

von Jessica Stolz

In Marburg litt eine schwer an Covid-19 erkrankte 65-Jährige an schwerem Lungenversagen. Sie musste bereits 3 Stunden nach Einlieferung ins Krankenhaus künstlich beatmet werden. Weitere Organe drohten zu versagen. Die Ärzte entschieden sich, ihr ein Mittel zu geben, das sonst gegen Krebs eingesetzt wird: den Wirkstoff Ruxolitinib. Das berichtet unter anderem die Philipps-Universität Marburg.

Laut dem Krebsmediziner Professor Dr. Andreas Neubauer, zeigte das Mittel Wirkung: Der Zustand der Frau stabilisierte sich, Atmung und Herzfunktion verbesserten sich rasch. Ab dem 10. Tag im Krankenhaus konnte sie nach und nach vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Tests zeigten, dass sich das Coronavirus bei ihr durch das Krebsmittel vergleichsweise wenig ausbreitete.

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So hilft das Krebsmittel

Aber warum konnte das Krebsmittel bei Covid-19 helfen? Bei Menschen mit schwerem und oft tödlichem Covid-19-Verlauf kommt es zu einem sogenannten Zytokinsturm. Das heißt, der Körper setzt in einer Art Überreaktion riesige Mengen an Botenstoffen frei, die das Immunsystem anregen.

Diese Flut an Botenstoffen beschädigt jedoch auch körpereigenes Gewebe, wodurch sich Coronaviren leichter ausbreiten können. Das Krebsmittel hemmt bestimmte Enzyme, die an den überschießenden Immunreaktionen beteiligt sind.

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Es kann lebensbedrohliche Folgen des Coronavirus unterbinden

Das Mittel hilft also vor allem, indem es lebensbedrohliche Folgen der Coronavirus-Infektion unterbindet. Auch anderen Covid-19-Patienten konnte das Mittel bereits helfen. Alle, die das Mittel länger als eine Woche bekamen, wurden wieder gesund.

Das Krebsmittel könnte in Fällen helfen, bei denen die Infektion solch einen lebensbedrohlichen Verlauf nimmt. In klinischen Studien soll nun der Einsatz des Krebsmittels bei drohendem Lungenversagen durch Covid-19 näher untersucht werden.