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Lieferengpässe: Jetzt werden auch Schmerzmittel knapp

von Yvonne Willms ,
Lieferengpässe: Jetzt werden auch Schmerzmittel knapp

Viele Produkte sind derzeit von Lieferengpässen betroffen. Die neusten Meldungen betreffen nun auch fiebersenkende Produkte und Schmerzmittel, unter anderem auch Medikamente für Kinder. Doch woran liegt das?

Seit der Coronakrise gibt es in vielen Bereichen verstärkt Lieferschwierigkeiten. Auch bei Medikamenten sind einige Produkte gerade rar. Bereits zu Beginn des Jahres meldeten Apothekerinnen und Apotheker Lieferschwierigkeiten beim Krebs-Medikament Tamoxifen. Nun sind viele weitere Produkte betroffen, unter anderem Schmerzmittel und Erkältungsmedikamente.

Jedoch ist die Coronakrise nicht Auslöser des Problems, sondern hat die bestehenden Lieferengpässe lediglich weiter verstärkt. Welche Produkte aktuell betroffen sind und was die Gründe für die Lieferschwierigkeiten sind, erklären wir.

Schmerzmittel und Erkältungsmedikamente sind knapp

Im Supermarkt vor leeren Regalen zu stehen ist ärgerlich, aber nicht weiter tragisch. In der Apotheke sieht das hingegen etwas anders aus. Auch wenn es zwar häufig Alternativen für das gewünschte Medikament gibt, schlagen Apothekerverbände seit längerem Alarm.

Die neusten Meldungen betreffen nun insbesondere fiebersenkende Produkte und Schmerzmittel z.B. Paracetamol- und Ibuprofensäfte für Kinder. Außerdem sind auch Asthmasprays, Blutdrucksenker und sogar Antidepressiva gerade nicht ausreichend vorhanden. "Rund 100 Präparate sind derzeit nicht zu bekommen", so Apothekerin Margit Schlenk aus der Moritz-Apotheke in Nürnberg gegenüber BR.de.

Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sind es aktuell sogar knapp 250 Produkte. Diese sind entweder nur zeitlich begrenzt verfügbar. Oder sie sind lediglich in bestimmten Verpackungsgrößen lieferbar. Einige Apotheker*innen stellen Paracetamolsäfte nun in Eigenproduktion her, um die Nachfrage bedienen zu können.

Mehr dazu: Lieferengpässe: Diese Medikamente sind gerade schwer zu bekommen

Viele Auslöser für Lieferengpässe bei Medikamenten

Doch woran liegt es, dass selbst wichtige Produkte wie Medikamente oft nur schwer verfügbar sind? Gründe für die Lieferengpässe gibt es viele. Zum einen besteht seit der Coronakrise eine erhöhte Nachfrage nach Medikamenten. Zum anderen wurde die Herstellung der Wirkstoffe in den letzten 20 Jahren zu einem Großteil von Europa nach Asien und China verlagert.

Dies führt zu weniger Kontrolle in der Herstellung. Denn deutsche und europäische Richtlinien unterscheiden sich und erschweren somit die Produktion. Besonders in Krisenzeiten sind die längeren Lieferketten nun zusätzlich eine Herausforderung für viele Hersteller. Auch der Kostendruck macht ihnen zu schaffen und ist Teil der Problematik.

Lese-Tipp: Wegen Corona? Brustkrebs-Medikament nicht verfügbar

Lieferengpass-Problem schon länger bekannt

Bereits seit 2016 beklagen die Hälfte der Apotheken die Lieferengpässe, wodurch sie gezwungen sind, ihren Patient*innen oftmals nur alternative Arzneistoffe oder eine weniger geeignete Darreichungsform anzubieten. Laut dem Bayerischen Apothekerverband in München, bestehe die Problematik seit über 10 Jahren, so Thomas Metz gegenüber dem Bayrischen Rundfunk.

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Geplant sei nun, die Produktionen im besten Falle wieder zurück nach Europa zu verlegen. Diese Umstellung sei jedoch zeitaufwendig und kostenintensiv. Ob die Lieferengpässe bei Medikamenten weiterbestehen, ist auch abhängig davon, wie sich die Corona- und Ukrainekrise entwickeln wird.