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Tragisches Schicksal: Noa Pothoven (†17) stirbt durch Hungerstreik

von Ann-Kathrin Schöll Veröffentlicht am 6. Juni 2019

Die 17-jährige Noa Pothoven aus Arnheim in den Niederlanden hat ihr Leben auf eigenen Wunsch beendet. Im Kindesalter wurde sie Opfer von sexueller Gewalt. Ein Trauma, von dem sich das Mädchen nie erholte. Das tragische Schicksal um Noa bewegt Menschen weltweit und stößt die Debatte um Sterbehilfe an.

Der Name Noa Pothoven geht um die Welt. Noa war ein 17-Jähriges Mädchen aus Arnheim in den Niederlanden, das nach eigenen Angaben im Kindes- und Jugendalter Opfer von sexueller Gewalt wurde. Zwei Männer sollen das Mädchen vergewaltigt haben, als es 14 Jahre alt war. Doch ihren Eltern traute sich Noa damals aus Scham und Angst nicht an, wie sie in einem Interview mit "De Gelderlander" sagte. Die psychiologische Betreuung, die Missbrauchsopfer dabei unterstützen kann, das Trauma zu verarbeiten, kam für das Mädchen zu spät.

Seit den sexuellen Übergriffen hatte die Niederländerin mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen: posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Magersucht. Letztere war so schwerwiegend, dass Noa zeitweise sogar künstlich ernährt und ins Koma versetzt werden musste, um ihr Leben zu retten.

Über Jahre hinweg war Noa Pothoven Dauergast in psychiatrischen Einrichtungen. Doch alle Therapieversuche scheiterten. Sie konnten das psychische Leiden des 17-jährigen Mädchens nicht lindern.

Noa schreibt Buch über ihre psychischen Leiden

Ihren tagtäglichen Kampf verarbeitete Noa in ihrer Biografie "Gewinnen oder Lernen", die 2018 veröffenticht wurde. In einem Interview mit der holländischen Zeitung "De Gelderlander" beschrieb Noa ihr Leiden so: "Ich erlebe die Angst und den Schmerz jeden Tag aufs Neue. Ich bin immer ängstlich und auf der Hut. Und mein Körper fühlt sich bis heute schmutzig an. Mein Haus, mein Körper wurde aufgebrochen – und das kann nie wieder rückgängig gemacht werden."

Wunsch auf aktive Sterbehilfe wurde verwehrt

In den Niederlanden ist aktive Sterbehilfe gesetzlich erlaubt. Noa, deren seelische Schmerzen nach ihren eigenen Angaben unerträglich wurden, wollte diese Möglichkeit in Anspruch nehmen. Nach eigenen Angaben bewarb sie sich im letzten Jahr bei einer darauf spezialisierten Klinik in Den Haag. Doch die Experten verweigerten der damals 16-Jährigen den Wunsch zu sterben. Sie sei zu jung, um über das Ende ihres Lebens entscheiden zu können.

Noa wurde nur 17 Jahre alt

Am vergangenen Sonntag, den 2. Juni 2019 ist Noa Pothoven gestorben. Nicht durch Sterbehilfe, sondern durch ihren eigenen Willen. Sie habe sich geweigert zu essen und zu trinken. Ihre Eltern, die nach Jahren der Hilflosigkeit das Leiden ihrer Tochter nicht weiter verlängern wollten, akzeptierten den Wunsch der 17-Jährigen. Eine Entscheidung, die schmerzlicher nicht sein kann.

Um Spekulationen und falsche Presseberichte, die nach Noas Tod aufkamen, zu beenden, veröffentlichen die trauernden Eltern am Mittwochabend ein Statement in "De Gelderlander":

"Wir, die Eltern von Noa Pothoven, trauern tief um unsere Tochter. Noa hatte sich entschieden, nicht mehr zu essen oder zu trinken. Wir wollen betonen, dass dies der Grund für ihren Tod war. Wir waren bei ihr, als sie am Sonntag verstarb. Wir bitten die Öffentlichkeit, unsere Privatsphäre zu respektieren, sodass wir als Familie trauern können."

Noas Schicksal zeigt auf tragischste Weise, welche dramatischen Auswirkungen sexuelle Gewalt auf das Leben der Opfer und deren Familie haben kann. Wir wünschen der Familie viel Kraft in dieser so schweren Zeit.

Du hast Depressionen oder Selbstmordgedanken? Hilfe findest du zum Beispiel über www.deutsche-depressionshilfe.de oder bei der Telefonseelsorge. Sie ist anonym und rund um die Uhr kostenlos für dich erreichbar unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.

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