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Respektlos: Influencer machen Tschernobyl zum Selfie-Hotspot

von Nicola Pohl Veröffentlicht am 14. Juni 2019

Die HBO-Serie "Chernobyl" ist gerade in aller Munde. Wie zu erwarten, steigt damit nun auch das Interesse am ursprünglichen Unglücksort in der Ukraine. Denn immer mehr Menschen strömen in das stillgelegte Atomkraftwerk, um dort geschmacklose Selfies zu machen.

Dass gehypte Filme und Serien ihre Drehorte häufig zu kleinen Attraktionen machen, ist nichts Neues. Und es ist durchaus verständlich, wenn "Harry Potter"-Fans selbst einmal nach Hogwarts möchten oder "Game of Thrones"-Verrückte nach Kroatien reisen.

Man sollte allerdings meinen, dass es bei ernsten Serien wie "Chernobyl" anders wäre. Die HBO-Serie beschäftigt sich mit dem Atom-Unglück, das 1986 im ukrainischen Kernkraftwerk Tschernobyl nahe der Stadt Prypjat stattfand. Eine absolute Tragödie und daher ein Ort, der mit Respekt aufgesucht werden sollte.

Das scheinen viele Influencer aber leider anders zu sehen. Denn jetzt tauchen immer mehr Selfies aus der Sperrzone auf.

Selfies in der Sperrzone

Tschernobyl war Ort einer der größten Katastrophen des letzten Jahrhunderts. Dass die unheimliche Geisterstadt mit ihrer traurigen Vergangenheit ein Ziel für Touristen ist, erscheint bereits ein wenig befremdlich. Aber auch in den letzten Jahren bestand bereits ein wachsendes Interesse am Besuch des Kernkraftwerks und für sogenannte "Lost Places". Die Serie "Chernobyl" scheint jetzt aber ein noch größeres Interesse für den Ort geweckt zu haben und eine neue Welle des "Katastrophen-Tourismus" ausgelöst zu haben.

Für immer mehr Instagram-Influencer scheint Tschernobyl nun der neue Insta-Hotspot des Jahres zu sein. In den sozialen Netzwerken werden bereits fleißig Selfies hochgeladen, die mit Respekt für das Unglück nichts mehr zu tun haben.

So posieren Instagrammer zum Beispiel halbnackt mit Gasmaske in der verlassenen Stadt Prypjat oder lassen sich in Schutzanzügen ablichten. Da kann man nur sagen: Shitstorm in 3, 2, 1... Und das absolut zurecht. In den Kommentaren zu solchen Posts reagieren bereits viele Nutzer auf die geschmacklosen Bilder und werfen den Influencern vor, dass sie die Opfer der Atomkatastrophe verspotten.

Die Macher der Serie "Chernobyl" reagieren nun auf die Fotos. Autor und Produzent Craig Mazin schrieb dazu auf Twitter, dass er sich generell über das gestiegene Interesse an Tschernobyl freue. Dennoch appeliert er an alle Besucher, sich respektvoll am Ort der Tragödie zu verhalten.

Während der Katastrophe starben 1986 30 Menschen. Millionen wurden allerdings der erhöhten radioaktiven Strahlung ausgesetzt und verstarben in den folgenden Jahren an Krebs.

Liebe Influencer: Nutzt eure Reichweite doch lieber, um über die Tragödie aufzuklären und die Menschen für Atomkraft und ihre Gefahren zu sensibilisieren. Denn Selfies und Akt-Fotos sind an diesem Ort wirklich unangebracht.

von Nicola Pohl