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Zahnpflege bei Kindern

von Redaktion Veröffentlicht am 20. September 2010
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Von gesunder Ernährung bis zur richtigen Zahnpasta – Dr. med. dent. Christine Licht verrät, worauf Eltern bei der Zahnpflege ihrer Kinder achten sollten.

In welchem Alter sollte Zahnpflege bei Kindern beginnen?
Schon der erste Milchzahn sollte regelmäßig geputzt werden. Die Zahnpflege kann erst mit einem kleinen Fingerling (den gibt es speziell für die ersten Zähnchen in Apotheken oder in Drogeriemärkten zu kaufen) oder einer altersentsprechende Zahnbürste durchgeführt werden. Dabei sollte man sich nicht zu sehr von bunten Motiven leiten lassen, sondern auf die angemessene Handhabung achten. Ich selbst habe bei meinem Sohn zuerst eine kleine Zahnbürste, die einem Greifling ähnlich war, verwendet. Damit konnte er selbst erste Übungen machen, sie aber nicht zu weit in den Rachen schieben.

Mediziner und Eltern streiten über denn Sinn von Fluor-Tabletten bei Babys. Was halten Sie davon?

Fluoride haben einen sehr hohen Stellenwert in der Kariesprophylaxe. Allerdings ergaben wissenschaftliche Untersuchungen, dass die lokale Applikation vorzuziehen ist. Das heißt, die Verabreichung von Fluoridtabletten ist nach dem aktuellen Kenntnisstand nicht notwendig, fluoridhaltige Zahnpasta reicht aus. Durch Tabletten, verschluckte fluoridhaltige Kinderzahnpasta, fluoridiertes Speisesalz und hohe Konzentration von Fluorid im Trinkwasser kann es sonst zu einer Überdosierung von Fluorid kommen. Ein zu hoher Fluoridkonsum kann zu hellen, kreideartigen Flecken auf der Zahnoberfläche führen.

Zähneputzen mit System

Ist die Auswahl der Zahnpasta wichtig für die Zahnpflege?

Prinzipiell gibt es fluoridhaltige und fluoridfreie Kinderzahnpasten. Die DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde) empfiehlt die Verwendung einer Zahnpasta mit einer niedrigen Fluoridkonzentration (0,05 % Fluorid /500 ppm Fluorid) ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes. Nach Durchbruch der ersten bleibenden Zähne (ca. sechstes Lebensjahr) sollte dann die Anwendung einer Zahnpasta mit 0,10- 0,15 % Fluorid erfolgen.
Da kleine Kinder noch nicht richtig oder gar nicht ausspucken können, verschlucken sie einen Teil der Zahnpasta. Ich bevorzuge deshalb Zahnpasten, die weder nach Kaugummi noch nach Erdbeere oder ähnlichem schmecken, da sonst die Kinder noch mehr zum Schlucken angeregt werden.

Worauf muss man beim Zähneputzen des Kindes achten?
Mit dem Durchbruch des ersten Milchzahns sollten die Zähne mit einer speziellen Kinderzahnpasta und einer kleinen, weichen Zahnbürste geputzt werden. Bis zum 24. Lebensmonat bitte abends vor dem Schlafengehen maximal eine erbsengroße Menge fluoridhaltige Zahnpasta verwenden. Ab dem zweiten Geburtstag sollte 2-mal täglich eine fluoridhaltige Kinderzahnpasta verwendet werden und die Zahnbürste altersentsprechend angepasst werden. Ab 6 Jahre sollten die Zähne 2-mal täglich geputzt. Die Zahnbürste sollte alle 6-8 Wochen ersetzt werden; spätestens allerdings, wenn die Borsten beginnen abzustehen. Nach Infektionen des Hals-Rachenraums sollte ein früherer Austausch erfolgen.

Bitte kontrollieren sie bei der Zahnpflege immer wieder die Sauberkeit der Zähne. Dazu kann einfach die Oberlippe hoch und die Unterlippe nach unten geschoben werden. Achten Sie darauf, dass alle Zahnflächen vollständig gereinigt sind. Bei der KAI-Methode werden zuerst die Kauflächen, dann die Außenfläche und am Schluss die Innenflächen der Zähne geputzt. Über die Kauflächen darf geschrubbt werden. Bei den Außenflächen wird eine kreisförmige Bewegung gemacht. Die Innenflächen werden geputzt, indem die Borsten leicht schräg zu den Zahnflächen am Zahnfleischsaum angesetzt werden und dann auf der Stelle gerüttelt werden.

Bei Babys und Kleinkindern können die Zähne gut geputzt werden, wenn das Kind im Schoß eines Elternteils sitzt oder auf dem Wickeltisch liegt und der Kopf des Kindes leicht nach hinten geneigt wird. Wichtig ist, gute Sicht in den Mund zu haben.

Wer schreiben kann, kann putzen

Sind elektrische Zahnbürsten für die Zahnpflege besser und ab wann kann man sie benutzen?

Prinzipiell sind elektrische Zahnbürsten im Handling einfacher, weil sie eine definierte Putzbewegung machen. Trotzdem müssen alle Zahnflächen erreicht und der Einsatz einer elektrischen Zahnbürste erlernt werden. In eine Baby- oder Kleinkinderhand gehört eine elektrische Bürste wegen dem Verletzungsrisiko nicht. Den Eltern kann es das Putzen der Zähne ihres Kindes jedoch erleichtern.

Mit ca. drei Jahren würde ich einem Kind die Verwendung einer elektrischen Zahnbürste unter elterlicher Aufsicht zutrauen. Ich würde beim Kauf ein höherwertiges Modell mit Kabel und Akku (kein batteriebetriebenes) empfehlen. Trotz der Vorzüge eines elektrischen Modells kann auch mit einer guten Handzahnbürste eine sehr gute Reinigungswirkung erzielt werden und ihr Einsatz ist für die Zahnpflege weiterhin gerechtfertigt.

Ab wann kann das Kind selber Zähne putzen bzw. wie lange soll ein Erwachsener noch „nachputzen"?


Das hängt von den motorischen Fähigkeiten und der Disziplin eines jeden Kindes ab. Generell kann man von den gemalten Bilder und des Schriftbildes eines Kindes Rückschluss auf seine Fähigkeit des adäquaten Zähneputzens schließen. Sobald das Kind eine flüssige Schreibweise hat und ausgereifte Bilder malt, kann man im Normalfall auf ein Nachputzen verzichten. Allerdings bestätigen Ausnahmen die Regel und ich würde bei meinem Kind auch im Schulalter immer noch mal nachkontrollieren.

Wie wichtig ist die Ernährung für die Zahnpflege des Kindes? Worauf ist
 zu achten?

Natürlich ist das Ernährungsverhalten des Kindes ein ausschlaggebender Faktor für kariesfreie und gesunde Zähne. Eine der Grundregeln lautet, dass man auf die Gabe von zuckerhaltigen Getränken (insbesondere gesüßter Tee, Instant-Tee, Obstsaft, verdünnter Obstsaft) aus der Nuckelflasche verzichten sollte. Säfte (auch spezielle Kindersäfte) enthalten viel Fruchtzucker und Säure und sind somit schlecht für die Zähne. Besser sollte stattdessen Wasser oder ungesüßter Tee gegeben werden.

Natürlich ist auch das Dauernuckeln an der Milchflasche extrem schädlich für die Zähne. Mit etwa einem Jahr sollte das Kind lernen, aus einer Tasse zu trinken.
Viele Zwischenmahlzeiten (auch in Form von Obst: z.B. immer wieder ein Apfelschnitz) sollten vermieden werden. Aber zahnfreundliche Süßigkeiten sind eine tolle Alternative zum Naschen. Fluoridiertes Speisesalz kann bei hohem familiärem Kariesrisiko zum Kochen und Würzen eingesetzt werden. Allerdings muss man hier, um eine Fluoridüberdosierung zu vermeiden, Rücksprache mit dem Zahnarzt halten.

Bringt zum Beispiel nach dem Schokolade-Essen das Kauen eines Zahnpflegekaugummis etwas?

Natürlich wäre Zähneputzen danach besser. Als Alternative unterwegs ist ein zuckerfreier Kaugummi aber durchaus empfehlenswert.

Zum Zahnarzt ohne Angst

Was sind typische Fehler, die viele Eltern bei der Zahnpflege ihrer
 Kinder machen?

Oft werden die Hinterflächen der Frontzähne beim Zähneputzen vergessen. Hier kann sich dann ungestört Karies entwickeln. Eine weit verbreitete Meinung ist auch, dass Milchzähne generell nicht oder nicht regelmäßig geputzt werden müssen, da sie ja sowieso bald ausfallen. Mit diesem Irrtum kann ein Grundstein für ein lebenslanges Zahnproblem gelegt werden.

Ab welchem Alter machen regelmäßige Besuche beim Zahnarzt Sinn?
Einen ersten Zahnarztbesuch würde ich mit dem ersten durchgebrochen Milchzahn anraten. Hier kann ein individuelles Kariesrisiko bestimmt werden und durch zahnärztliche Beratung der Eltern können viele Fehler von vornherein vermieden werden.

Ab dem zweiten Lebensjahr empfehle ich eine regelmäßige halbjährliche Kontrolle.

Gibt es sonst noch etwas, das Sie Eltern raten möchten?
Für ein gesundes orales System empfehle ich allen Eltern ihren Kindern im 3. Lebensjahr so genannte Lutschhabits (wie Schnuller oder Daumen) abzugewöhnen. Außerdem können Eltern ihren Kleinen einen möglichst angstfreien Zahnarztbesuch ermöglichen, indem sie ihr Kind mit positiver Sprache auf das bevorstehende Ereignis vorbereiten. Bitte vermeiden Sie Ausdrücke wie: „Das tut gar nicht weh!“ ,„Du bekommst auch sicherlich keine Spritze“ oder „Wenn Du so viele Süßigkeiten isst, müssen wir zum Zahnarzt und der bohrt bestimmt.“

Als Begleitperson sollte derjenige Elternteil mitgehen, der selbst keine Angst vor dem Zahnarzt hat, um eventuell bestehende Ängste in der Familie nicht auf das Kind zu übertragen.

Lesen Sie außerdem bei goFeminin.de:
> Schnuller: Pro und Kontra
> Schnuller abgewöhnen: So geht's!

von Redaktion

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