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Ironie oder Seximus? Dieses Poster hängt in dutzenden Schulen überall in Deutschland und sorgt für Aufregung

von Maike Schwinum Veröffentlicht am 10. April 2015

Ein Poster, das ein neues Kinderbuch bewerben soll, sorgt momentan vor allem bei der Frauenwelt für Aufregung. Der Grund? Es zeigt, wie ein vollständig bekleideter Junge ein Mädchen im Bikini auf stark sexistische Weise beurteilt.

Momentan findet sich in vielen Schulen und anderen öffentlichen Orten ein Poster, was vor allem bei Frauen für eine Menge Aufregung sorgt. Das besagte Plakat soll ein neues Kinderbuch bewerben, was der Oetinger-Verlag auf den Markt bringt. Es trägt den Titel "Die inneren Werte von Tanjas BH" - allein das ist eigentlich schon schlimm genug. Doch der wirklich problematische Punkt ist dieses Bild:

Das Poster ist in jedem verkauften Exemplar des Buchs zu finden. Es wurde zum Gesprächsstoff im Internet, nachdem die Kampagne "Wer braucht Feminismus?" ein Foto des Posters auf ihrem Twitter-Account veröffentlichte. Dazu die Worte: "#IchBraucheFeminismus, damit solche Werbung nicht mehr in Schulen aufgehängt werden dürfen!" Nach Angaben der Kampagne habe das Poster in einer Schule in Mecklenburg-Vorpommern gehangen.

Was an dem Bild sexistisch ist, bedarf eigentlich keiner Erklärung: Ein vollständig bekleideter Junge steht neben einem Mädchen im Bikini und beurteilt sie. Neben dem Kopf des Mädchens steht "Hohlraum", während bei dem Jungen "Superhirn" steht. Neben ihrem Mund prangt mit einem Pfeil "Quasselstrippe", während der Mund des Jungen als "Intelligenzabgabestation" bezeichnet wird. Und so geht es weiter bis zu den Füßen.

Nutzer auf Facebook, Twitter und Co. machten ihrem Ärger Luft. "Das ist ja wohl das Allerletzte - so ein Frauenbild wollt ihr zeigen?", schrieb eine Nutzerin an die Verlagsgruppe des Buches. "Das hat nichts mit Verständnis für pubertierende Jungs zu tun, das ist einfach Sexismus", sagt eine andere.

Das Buch ist übrigens von Autorin Jutta Wilke, die es unter dem Namen "Alex Haas" geschrieben hat. In der Geschichte geht es um einen 13-jährigen Jungen namens Ben, der in seine Klassenkameradin Tanja verliebt ist.

Die Verlagsgruppe Oetinger hat sich mittlerweile auf ihrer Facebook-Seite zu der Aufregung geäußert und das Poster verteidigt. Es sei keine "ernst gemeinte Darstellung von Geschlechtereigenschaften"​, sondern "unter Jugendlichen in der Pubertät weit verbreitete Vorurteile". Im Buch tritt der Protagonist Ben von einen Fettnapf in den nächsten, weil er sich von eben solchen Geschlechterklischees leiten lässt, so der Verlag. "Wir als Jugendbuchverlag nehmen dieses Thema ernst und greifen hier zum Mittel der Ironie", schreibt Oetinger.

Was ist eure Meinung bei diesem Streitpunkt? Ist das Poster bloß ein Scherz, der nach hinten los gegangen ist, oder sendet das Bild trotz Ironie eine falsche Botschaft an Kinder und Jugendliche?

von Maike Schwinum