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Sie glaubt, im Flieger neben einer Terroristin zu sitzen: Diese Geschichte betrifft uns alle

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 25. Juli 2016

Nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Tage haben viele Menschen Angst. Wie weit diese Angst gehen kann, ist erschreckend.

Stell dir vor, du sitzt in einem Flugzeug, einem Zug, dem Bus oder der Bahn und es setzt sich eine Frau neben dich, die allein unterwegs ist. Die Frau trägt ein schwarzes Gewand und ein Kopftuch. Dann zückt die Frau ihr Handy, du schaust auf ihr Telefon und siehst, sie schreibt etwas in einer Sprache, die du nicht verstehst. Du weißt nicht, was sie da schreibt, doch es steht das Wort 'Allah' auf ihrem Display. Wie reagierst du?

Jiva Akbor ist die Frau mit dem Kopftuch. Was ihr auf einem Flug von Schottland nach Spanien passiert ist, ist diskriminierend und menschenverachtend. Jiva Akbor ist die Frau, die man für eine Terroristin hielt.

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"Heute hatte ich einen der interessantesten und erinnerungswürdigsten Flüge meines Lebens", beginnt Jiva ihren Facebook Post. "Eine Frau und ihr 11-jähriger Sohn stiegen ein und setzten sich auf die beiden Plätze neben mir, der Sohn am Fenster, die Mutter in der Mitte und ich am Gang."

Aufgrund von hohem Flugverkehr, so Jiva, verzögert sich der Start des Fluges und sie nutzt die Zeit, um in einer ihrer WhatsApp-Gruppen nach Neuigkeiten zu schauen. Weil einigen Freunden von ihr das Auto samt Inhalt gestohlen wurde, schreibt sie ihnen ein paar Worte der Aufmunterung: "HasbiAllahu la ilaaha illaahu alayhi tawakaltu" (zu deutsch: "Möge Gott euch den Tag leicht machen"). Anschließend, so Javi, schaute sie noch durch andere Nachrichten.

"Die Frau neben mir fragte, ob sie kurz raus dürfe. Ich dachte, sie wollte nur auf die Toilette, stand auf, ließ sie raus und setzte mich wieder", schreibt Javi weiter. "Einen Augenblick später kommt sie zurück. Also stehe ich auf und warte darauf, dass sie sich wieder setzt. Bis ich sie ansehe und bemerke, dass sie völlig panisch aussieht, völlig verunsichert und nicht in der Lage ist, sich zu setzen."

Die Frau war nicht allein zu ihrem Sitz zurückgekehrt, sondern sie hatte sich zwei Flugbegleiterinnen mitgebracht. "Sie stand da, mit dieser Angst im Gesicht. Ich war verwirrt. Für eine Millisekunde dachte ich, sie hätte gesundheitliche Probleme oder sowas und würde gleich eine Panikattacke haben. Und genau in diesem Moment sieht sie mich an und sagt: 'Ich habe gesehen, wie Sie eine Nachricht geschrieben haben und Sie haben Allah geschrieben.' Mein Herz setzte aus und ich dachte nur 'Oh mein Gott'!"

Das Flugpersonal reagiert gelassen, vermittelt der Frau, dass von Javi keinerlei Gefahr ausgeht und die Frau setzt sich schließlich wieder hin. Auch Javi redet weiter mit der Frau, versichert ihr immer wieder, dass sie nichts böses im Sinn führe und erklärt ihr, dass Allah im arabischen Gott heißt. Die beiden kommen ins Gespräch und ihr 3-stündiger Flug vergeht so schnell.

Am Ende schreibt Jiva: "​Heute hatte ich einen der interessantesten und erinnerungswürdigsten Flüge meines Lebens. Ich habe eine neue Freundin, sie heißt Beverley, sie hat einen riesen Fehler gemacht und es zugegeben. Ich habe eine Frau kennengelernt, die tief im Inneren ein wunderbarer Mensch ist und mir gezeigt hat, dass die Angstmacherei, die absichtlich und strategisch von den Mächtigen dieser Welt ausgeführt wird, sehr, sehr real ist und auch bei ganz normalen Personen zu den schockierendsten Reaktionen führen kann."

"Ich weiß, dass heute ein besonderer Tag für uns beide war und dass wir beide etwas gelernt haben. Wir haben uns umarmt, Nummern ausgetauscht und werden definitiv in Kontakt bleiben. Ich weiß, dass viele ähnliche Situationen zur Zeit nicht so friedlich und glücklich für viele, viele Muslime ausgehen. Aber ich mag Beverley wirklich sehr und ich bete dafür, dass wir weiter in diesen schönen Momenten schwelgen können."

Diese Geschichte ist wirklich atemberaubend schön. Denn wir dürfen uns nicht in blindem Misstrauen und Angst verlieren. Wir sollten weiterhin allen Menschen offen begegnen, wir sollten uns unterhalten und erfragen, was wir nicht verstehen oder was uns fremd ist. Aber vor allem müssen wir dafür sorgen, dass unsere Vorurteile uns nicht auffressen.

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Zitate fürs Leben © iStock
von Anne Walkowiak