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Ihr Sohn trägt gern Nagellack und Röcke - Warum muss sie ihn deshalb verteidigen?

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 22. Juni 2016

Sind wir heutzutage nicht so weit, dass jeder sein kann, wer er sein will?

Eltern lieben ihre Kinder. Das war so, ist so und wird auch immer so sein. Und heutzutage, da alle Welt nach Individualität, Gleichberechtigung und der Selbstverwirklichung strebt, setzen Eltern im Umgang mit ihren Kindern eine gewisse Akzeptanz voraus. Die Akzeptanz, dass das Kind so angenommen wird, wie es ist. Doch leider stoßen wir auch heute, bei all der Aufklärung, an die Grenzen des Akzeptablen. Nämlich dann, wenn ein Kind "aus dem Rahmen fällt".​

Devon Berryanns 6-jähriger Sohn ist ein Kind, das in den Augen seiner Mitschüler und einiger Erwachsener "anders" ist. Der Junge mag Nagellack, er mag es, sich "Mädchenkleidung" anzuziehen und er redet bereits jetzt von anderen Jungs, die er heiraten möchte und mit denen er Kinder adoptieren will. Für Devon ist das alles kein Problem. "Vielleicht wird er genau dieses Leben leben. Vielleicht ändert es sich noch einmal. Ich liebe und akzeptieren ihn so, wie er ist, Ich dachte immer, wenn ich das so mache, könnte ich ihn vor verletzenden Kommentaren und fiesen Hänseleien schützen und ich habe mir keine Sorgen gemacht", schreibt Devon in einem Facebook-Post.

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Doch all ihre Hoffnungen darauf werden zerstört, als ihr Sohn eines Nachmittags nach Hause kommt und ihr berichtet, wie andere Kinder ihn in der Schule wegen seines Nagellacks gehänselt haben. "Das war das erste Mal, dass ich daran gedacht habe, ihm den Nagellack auszureden", schreibt Devon.​

"Das erste Mal, dass ich gedacht habe, er müsse diese Seite an sich verstecken. Denn ansonsten könnte er eines Abends erschossen werden, wenn er nur eine gute Zeit mit seinen Freunden haben will. Ich war in diesem Moment so erschrocken, dass ich dachte, dass ich ihn in seinem Wesen stoppen müsste. Doch dann erinnerte ich mich daran, warum ich bisher so gehandelt hatte: Es macht ihn glücklich. Es gibt nichts Bedrückenderes, als sein Kind traurig zu sehen. Denn vorzugeben, jemand zu sein, nur um anderen zu gefallen, führt zu Überlastung. Zu Depressionen und Selbstmord. Und das hat mir auch Angst gemacht. Warum muss ich Angst um meinen Sohn haben, weil er sich für bestimmte Dinge interessiert und bestimmte Menschen mag? Sollten wir das nicht bereits hinter uns gelassen haben?"

Devon will für ihren Sohn und für andere Kinder, die nicht so sind, wie andere es von ihnen erwarten, kämpfen. "Ich möchte, dass sich diese Welt ändert. Sie soll besser für ihn werden, sie soll sich ihn verdienen. Weil er eine wundervolle und großartige Person ist. Er will Präsident werden. Er glaubt, er sei ein Ninja. Er hört zu, wenn man ihm Dinge erklärt und er erinnert sich für immer daran. Er bemerkt es, wenn du traurig bist und versucht dich aufzumuntern. Er hat dieses Strahlen, das man einfach nicht ausknipsen kann, egal wie sehr andere Leute das versucht haben.

So ängstlich ich auch bin, ich weiß, dass sich diese Welt nicht mit noch mehr Angst ändern lässt. Davon gibt es schon zu viel. Was es braucht ist viel mehr Liebe und Akzeptanz. Deshalb haben wir gestern noch mehr Nagellack gekauft und heute trägt er ein Tutu - also Welt, hier ist er! Seht in meinem Jungen den großartigen Menschen, der er ist. Zeigt ihm Liebe. Zeigt ihm Akzeptanz. Helft uns die Welt zu einer Welt zu machen, die ihn verdient hat.

Schönere und treffendere Worte kann man nicht finden. Wir alle sollten offener sein - für Dinge, die uns fremd sind, für Menschen, die anders sind, für Kinder, die keine Lust auf geschlechtsspezifische Spielsachen, Klamotten oder Aussehen haben. Leben und leben lassen, das klingt doch gar nicht schwer, oder?

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von Anne Walkowiak