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Es sollte ein lustiges Foto werden, doch als sie hört, warum ihre Tochter das macht, ist sie schockiert

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 21. Juni 2016

Was ist verkehrt mit unserer Gesellschaft, wenn schon kleine Kinder den Ernstfall üben müssen?

Als Mama Stacey Wehrman ihre Tochter sieht, wie sie auf dem Toilettensitz steht, findet sie das witzig. Sofort holt sie ihr Handy raus und drückt auf den Auslöser der Kamera. "Ich wollte das Bild meinem Mann schicken, um ihm zu zeigen, was unsere verschmitzte kleine Dreijährige sich da wieder ausgedacht hat", schreibt Stacey in einem Facebook-Post. Doch als sie versteht, was genau ihre Tochter da macht, ist sie am Boden zerstört und entsetzt.

Als sie mir erklärte, was sie da machte, brach ich zusammen. Sie übte für den Fall eines Amoklaufs an ihrer Vorschule und wie man sich verhalten soll, wenn man gerade im Bad ist. In diesem Moment war all die Unschuld, von der ich dachte, meine dreijährige Tochter würde sie besitzen, verschwunden.

Politiker, schaut euch das an. Das ist euer Kind, eure Kinder, eure Enkel, eure Urenkel und die kommende Generation. Sie werden ihr Leben leben und in dieser Welt aufwachsen, die auf euren Entscheidungen gründet. Sie sind gerade einmal 3 und sie verstecken sich in den Kabinen der Toilette und stehen auf den Toilettensitzen. Und ich weiß wirklich nicht, was ihnen schwerer fallen wird? Über einen unbestimmten Zeitraum ruhig zu bleiben oder so lange still zu stehen, dass ja nicht der Fuß unter der Toilettenkabine zu sehen ist. [...]

Auch wenn es in Deutschland, anders als in den USA, strenge Waffengesetze gibt, nicht jeder einen Waffenschein erwerben kann und die Rate der Amokläufe weit unter denen anderer Länder liegt, so geht einem dieses Bild automatisch durch Mark und Bein. Als Mutter frage ich mich automatisch, wie viel der aktuellen Geschehnisse bekommt mein Kind eigentlich schon mit?

Als Eltern versucht man, seine Kinder vor dem Schrecklichen dieser Welt zu bewahren. Und doch hören sie im Radio, von anderen Kindern oder einfach in Gesprächen zwischen Erwachsenen, "was da in den USA mal wieder passiert ist". Muss man ihnen schon jetzt erklären, warum ein Mann aus purem Hass ein Gebäude einnimmt, so viele Menschen in den Tod stürzt und trauernde Eltern, Geschwister, Partner und Kinder zurückbleiben? Was antwortet man einem Kind, wenn es fragt, ob Mama, Papa, Oma, Opa oder es selbst auch erschossen werden können?

Angst vor Terror, Gewalt und Übergriffen ist dieser Tage größer denn je. Auch wenn sie uns in unserem täglichen Leben nicht immer begleitet, unterschwellig wissen wir, dass sie da ist. Die Anschläge in Paris und Brüssel, der Amoklauf in Orlando, Flüchtlinge, Fremdenhass - all das ist real. Es gibt diese Taten und es gibt die Angst davor.

Doch wie viel davon muss mein Kind wissen? Schütze ich es, indem ich ihm erkläre, was in der Welt geschieht? Wenn ich ihm versichere, dass es hier bei uns in Deutschland sicher ist? Oder schütze ich es, wenn ich es auf einen "Ernstfall" vorbereite?

​Ich suche immer noch nach der Antwort darauf. Und das Bild des kleinen Mädchens auf dem Toilettensitz verunsichert mich einmal mehr. Denn Kindheit sieht in meinen Augen ganz anders aus.

von Anne Walkowiak