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"Er wurde nicht eingeladen, weil er das Downsyndrom hat" - der offene Brief einer Mutter rüttelt auf

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 27. Juni 2016

Sie will deshalb niemanden verurteilen, aber sie möchte aufklären und Verständnis schaffen.

Jennifer Kiss-Engele ist Mutter von drei Kindern. Wie jede Mutter möchte sie nur das Beste für ihre Kinder. Deshalb hat sie einen riesigen Kloß im Hals, als sie erfährt, dass ihr Sohn Sawyer als einziger aus seiner Schulklasse nicht zur Geburtstagsparty eines Klassenkameraden eingeladen wurde.

Um die Eltern des Geburtstagskindes, aber auch andere Eltern, aufzuklären, Vorurteile abzubauen und Eltern und Kinder gleichermaßen für mehr Inklusion zu gewinnen, schreibt Jennifer einen emotionalen Facebook-Post, der bis heute über 10.000 Reaktionen erhalten hat.

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Ein offener Brief an die Eltern, die dachten, es sei okay, die ganze Klasse zur Geburtstagsparty ihres Kindes einzuladen, außer meinen Sohn. Ich teile das, weil ich glaube, dass es eine wertvolle Lektion für alle ist und ich versuchen will, viel mehr zu informieren und aufzuklären.

Hi ihr da,
ich weiß, wir kennen uns nicht gut, aber mein Sohn Sawyer und euer Kind sind in derselben Klasse. Ich verstehe, dass euer Kind kürzlich Einladungen zu seinem Geburtstag in der Klasse an alle verteilt hat, außer an Sawyer, der nicht eingeladen war. Ich verstehe auch, dass ihr ihn nicht einfach übersehen habt, sondern dass ihr meinen Sohn absichtlich nicht eingeladen habt.


Ich möchte, dass ihr wisst, dass wir nicht erwarten, von jedem eingeladen zu werden. Tatsächlich haben wir Sawyers letzten Geburtstag auch klein und mit engen Freunden gefeiert, da er in die Weihnachtsfeiertage fiel. Für euch ist das aber eine andere Entscheidung gewesen. Ihr habt 22 Kinder aus der Klasse eingeladen, nur meinen Sohn nicht. Ich weiß, dass ihr das nicht gemacht habt, weil er gemein ist - ihr könntet kein glücklicheres Kind kennenlernen. Ich weiß, dass ihr das nicht gemacht habt, weil man mit ihm keinen Spaß haben kann, denn er hat einen großartigen Humor und ein ansteckendes Lachen. Ich weiß, dass ihr das nicht gemacht habt, weil sich unsere Kinder nicht verstehen, denn er hat schon von eurem Kind gesprochen. Der einzige Grund, der euch dazu gebracht hat, zu glauben, dass es okay sei, meinen Sohn nicht zur Geburtstagsparty eures Kindes einzuladen, ist, weil er das Downsyndrom hat.

Jennifer möchte nicht, dass die Eltern des Kindes oder jemand anderes glaubt, dass sie nun böse und wütend auf sie sei. Ganz im Gegenteil: Jennifer kann die Ängste, die die Eltern bei ihrer Entscheidung vermutlich begleitet haben, sogar verstehen.

Es tut mir leid, dass euch niemand aufgeklärt hat, dass ihr vielleicht ein wenig Angst habt oder unsicher seid, was es bedeutet, das Downsyndrom zu haben. Ich weiß, wenn ihr mehr über das Downsyndrom wüsstet, hättet ihr euch anders entschieden. Ich bin euch nicht böse. Stattdessen glaube ich, dass euch eine Möglichkeit verwert geblieben ist, meinen Sohn besser kennenzulernen. Denn wisst ihr, das Downsyndrom zu haben bedeutet nicht, dass man keine Freunde haben will. Es bedeutet nicht, dass man keine Gefühle hat. Es bedeutet nicht, dass man nicht gern zu Geburtstagspartys geht. Menschen mit Downsyndrom wollen dasselbe wie du und ich. Sie wollen enge Beziehungen, sie wollen Liebe spüren, sie wollen mitmachen, sie wollen ein bedeutendes Leben haben und sie wollen zu Geburtstagspartys. Vielleicht ist es manchmal schwieriger, mein Kind zu verstehen. Aber das Lachen und die Liebe, die ihr teilt, braucht keine Erklärung.

Jennifer möchte, dass die Eltern des Geburtstagskindes ihre Entscheidung hinterfragen und das Gespräch mit ihrem Kind suchen. Sie möchte, dass sowohl das Kind, aber auch die Eltern sich fragen, ob es wirklich okay war, ein einzelnes Kind auszuschließen.

Das ist eine großartige Möglichkeit und eine Lehre fürs Leben, die eure Kinder da erfahren können. Sie werden sich daran erinnern, als ihre Eltern ihnen gesagt haben, dass es nicht in Ordnung sei, jemanden wegen seinen Einschränkungen, seiner Hautfarbe oder wegen seines Geschlechts auszugrenzen. Ich weiß, dass ihr dasselbe für eure Kinder wollt, wie ich für meine. Als Eltern will man, dass das eigene Kind gemocht wird, Freunde hat und nicht zurückgelassen wird. Und dafür sorgen wir, indem wir mit gutem Beispiel vorangehen und sie an der Stelle unterstützen, an der sie vielleicht noch zu jung sind, um die Tragweite einer Entscheidung zu verstehen. Aber eines Tages werden sie zurückblicken und verstehen, was ihr da mit ihnen geteilt habt.

Jennifer selbst hat sich dazu entschlossen, Sawyers Klassenkameraden - aber auch deren Eltern - besser zu informieren. Sie will zu Beginn des neuen Schuljahres einfach alle treffen und ihnen von ihrem Sohn erzählen, Ängste abbauen, Vorurteile mindern und Distanzen lockern. Sie will die Aufmerksamkeit und Akzeptanz für Sawyer schaffen, die er verdient hat!

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