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Dieser offene Brief einer Kinderkrankenschwester wird dir die Augen öffnen

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 20. Juli 2016

Eltern aufgepasst: Das hier richtet sich vor allem an euch!

Ein krankes Kind ist für Eltern der pure Stress. Wenn die Kleinen jammern und weinen, hoch fiebern, sich erbrechen oder einfach matt in der Ecke liegen, spinnt man sich als Mutter oder Vater manchmal einiges zurecht. Plötzlich glaubt man, das Kind habe nicht einfach nur einen Infekt, sondern sei ernsthaft krank und müsse unter allen Umständen unmittelbar von einem Arzt untersucht werden. Meist ereilen Eltern diese Gedanken am Wochenende, wenn der Haus- und Kinderarzt geschlossen hat.

Was tut man in seiner Verzweiflung also? Man begibt sich ins nächstgelegene Krankenhaus in die Kindernotfallambulanz. Die ist an einem Samstag oder Sonntag proppenvoll. Man stöhnt, ärgert sich über die ewig lange Wartezeit und schimpft auf das Klinikpersonal.

Doch wie es tatsächlich in einer Kindernotfallambulanz zugeht, das wissen wir nicht. Zumindest nicht bis heute. Denn zur Zeit kursiert dieser offene Brief einer Kinderkrankenschwester im Netz...

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Links sehe ich einen blassen 8-Jährigen und ich schaffe es gerade noch rechtzeitig, ihm einen Mülleimer hinzuhalten, in den er sich entleert. Seine Mutter, sichtlich besorgt und überfordert, erzählt mir von Erbrechen und Durchfall seit heute. Und ich überlege ernsthaft, die Mutter darauf hinzuweisen, mit ihrem Sohn doch lieber nach Hause zu fahren, ihn ins Bett zu stecken, damit er in Ruhe seinen Virus auskurieren kann. [...]

Neben dem Jungen, sehe ich ein 5-jähriges Mädchen fröhlich malen. Ach, da sitzt eine Zecke am Hals. Ich frage mich, ob es nicht risikoärmer gewesen wäre, hätte die Mutter die Zecke zu Hause entfernt. So sitzt sie evtl. 3 Stunden im Wartebereich und die Zecke hat mehr Zeit sich ihrer Bakterien zu entledigen. Und hoffentlich komme ich morgen rechtzeitig, um diesem Mädchen den Mülleimer zu reichen.

Mit meiner Tasche um den Arm, auf dem Weg ins Dienstzimmer, werde ich von den Nächsten beschlagnahmt, die wissen wollen, wie viele Patienten vorher noch dran sind. Ich schau schnell in den Computer und teile der Mutter mit, dass noch zwei vor ihr dran sind, ich aber trotzdem nicht die Wartezeit mitteilen kann, da wir eine Notfallambulanz sind. Die Mutter ist trotzdem vorerst beruhigt. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass im Schockraum gerade ein 2-jähriger Junge reanimiert wird. [...]

Ich bin draußen jetzt die einzige, da der Rest bei dem 2-jährigen Kind ist und [ihn] reanimiert und bei seiner Familie ist. Ich nehme Kinder mit leicht bis hohem Fieber an, seit heute. Und weiß, dass die Mamas in 3 Stunden hier fluchend die Ambulanz verlassen mit einem Paracetamol Rezept. Sie werden sauer sein, dass keine Diagnose feststeht. [...]

In der Reihe sehe ich einen 10-jährigen kurzatmigen Jungen. Ich ziehe ihn vor, unter bösen Blicken von anderen wartenden Eltern. Ich gehe mit ihm ins Behandlungszimmer und ermittel alle Werte. Eine schlechte Sättigung lässt mich handeln und er bekommt Sauerstoff. Da ich weiß, dass unsere Ärzte gerade einer Mutter vom Tod ihres Kindes erzählen, mache ich schon mal auf eigene Faust eine Blutentnahme, Inhalationen und suche ein Bett auf Station. [...]

Am liebsten würde ich in den Wartebereich rein rufen, dass drei Räume weiter unsere Ärzte gerade 1 Stunde um ein Leben gekämpft haben und die Mutter des Jungen würde wahrscheinlich jetzt alles dafür geben, mit nur einem schnupfenden Kind 3 Stunden hier zu warten. Am liebsten würde ich an die Wand schreiben: "Alle, die hier länger als 30 Minuten warten, können sich zu den Glücklichen zählen, denn ihr Kind ist kein Notfall." [...]

Mit meinem kleinen Einblick, will ich keine Mutter davon abhalten, in die Klinik zu fahren. Jedoch, bevor ihr in die Klinik fahrt, überlegt euch, ob euer Kind wirklich sehr krank ist, welches sofortiger Behandlung bedarf. Vielleicht kann ich meinem halsschmerzenden Kind auch erstmal anderweitig helfen und Montag den Kinderarzt kontaktieren.[...]

Seid froh, wenn ihr warten dürft, denn dann ist euer Kind kein Notfall.

Mit dem Post soll niemand angeklagt werden, er soll lediglich bewirken, dass Eltern hinterfragen, wie dringend ihr Kind gerade wirklich einen Arzt braucht.

Es klingt vielleicht ein wenig forsch, jemandem, der sich Sorgen macht, zu sagen, dass die Sorgen erst einmal unbegründet sind. Oder ihm zu sagen, dass es dem Kind nicht schlecht genug geht, um es direkt zu behandeln. Aber dahinter steckt eine viel positivere und gut gemeinte Aussage. Nämlich die, dass das wartende Kind kein Notfall ist, dass es die Krankheit ohne große Probleme überstehen wird und dass danach alles wieder gut sein wird. Und das ist alles, was Eltern wirklich wichtig ist.

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von Anne Walkowiak