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Dieser Vater gesteht ganz offen: Ich habe Vorurteile gegenüber dunkler Hautfarbe

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 2. September 2016

Seine Tochter ist Afroamerikanerin und trotzdem hat er Vorurteile gegenüber Farbigen.

Als aufgeklärter, moderner Mensch sprechen wir uns gerne frei von Vorurteilen anderen Menschen und Kulturen gegenüber. Doch sind wir in unserer multi-kulti Gesellschaft wirklich so unvoreingenommen, wie wir es vorgeben zu sein?

Offensichtlich nicht, wie der Amerikaner Frank Somerville in einem offenen und sehr ehrlichen Facebook-Post beschreibt. Somerville und seine Frau haben sich vor Jahren dazu entschlossen, ein farbiges Kind zu adoptieren. Seither hat ihn seine Tochter immer wieder dazu inspiriert, über Hautfarben und Herkünfte hinweg zu sehen. Der Nachrichtensprecher dachte immer, genau deshalb könne er sich frei machen von jeglicher Form von Vorurteilen. Doch weit gefehlt.

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Ich muss etwas beichten.

Ich schäme mich.
Besonders deshalb, weil ich eine interkulturelle Familie habe.
Und weil es zeigt, dass ich trotzdem Vorurteile habe.

Hier ist die Geschichte:

Ich sah diese weiße Frau gegen 20 Uhr an der Bushaltestelle sitzen.
Und da kam dieser dunkelhäutige Typ, der irgendwie 'Gangster' gekleidet war, genau auf sie zu. (Ich sage 'irgendwie', denn er sah nicht aus wie ein Verbrecher. Eher legerer Gangster.)

Ich war auf der anderen Straßenseite und dachte sofort:
"Ich werde diesen Typen besser im Auge behalten, um sicher zu gehen, dass er der Frau nichts tut."

Und dann passierte es.
Als er so da lang gelaufen kam, fiel mir ein kleiner Junge auf, der versuchte, mit ihm Schritt zu halten. Und der kleine Junge griff dann nach der Hand seines Vaters.

Plötzlich hatte sich meine Sicht auf diesen Mann völlig verändert.
Ich begriff, dass er einfach nur ein Vater war, der da mit seinem Sohn lang ging.
Ich begriff, dass von ihm keine Gefahr ausging und er [der Frau] nichts tun würde.

Ich war so wütend auf mich.

Der Mann hat absolut nichts falsch gemacht.
Und trotzdem habe ich ihn direkt als Gefahr wahrgenommen.
Und lasst uns an dieser Stelle mal ganz ehrlich sein.
Der Hauptgrund dafür war seine Hautfarbe.

Auf dem ganzen Heimweg habe ich gedacht:
Ich bin in Berkeley groß geworden.
Ich habe eine schwarze Tochter.
Und trotzdem habe ich diese scheiß Vorurteile.
Was zum Teufel stimmt nicht mit mir?

Das i-Tüpfelchen dazu ist, dass ich gerade eine Unterhaltung mit meiner Tochter darüber geführt habe, dass manche Menschen sie anders behandeln werden als ihre 'weiße' Schwester, einzig und allein aufgrund ihrer Hautfarbe.
Und hier bin ich und mache gerade genau das.

Ich war/bin so enttäuscht von mir.

Aber es zeigt auch, wie stark diese Vorurteile sein können.
Und ich hoffe, dass meine Geschichte andere dazu inspiriert, über ihre Vorurteile nachzudenken.

Wir ALLE haben sie.
Und der einzige Weg, sie auslöschen zu können, ist, sich als allererstes einzugestehen, dass sie da sind.

Knapp 61.000 Menschen haben bisher auf den Post reagiert. Und damit bewirkt Somerville genau das, was er erreichen wollte: Menschen sprechen über ihre Vorurteile. Er will niemandem vorschreiben, wie er sich anderen Menschen gegenüber zu verhalten hat. Vielmehr will er den Menschen verdeutlichen, dass Vorurteile irgendwie in der menschlichen Natur liegen. Wir alle sind Fremdem gegenüber skeptisch. Wir sind vorsichtig, wenn wir neue Dinge ausprobieren. Das ist ja nichts schlechtes per se.

​Doch wenn wir ein Problem mit dem Fremden haben oder wenn wir Angst vor etwas Neuem haben, dann überwinden wir unsere Distanz dazu nicht, wenn wir es ignorieren. Sondern erst, wenn wir uns unsere Probleme/Vorurteile bewusst machen, können wir sie lösen. Also Leute, einfach mal darüber sprechen.

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Zitate fürs Leben © iStock
von Anne Walkowiak