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Die Pariser Attentäter nehmen ihm seine Frau - trotzdem empfindet er keinen Hass

von Maike Schwinum Veröffentlicht am 17. November 2015

Sie nahmen ihm die geliebte Ehefrau und seinem kleinen Sohn die Mutter. Doch in einem bewegenden Brief erklärt dieser Mann, warum er die Attentäter von Paris nicht hasst.

Die Terroranschläge in Paris am vergangenen Wochenende haben die ganze Welt erschüttert. Es ist für uns unvorstellbar, wie sich die Menschen fühlen müssen, die bei diesem grausamen Akt sinnloser Gewalt einen geliebten Menschen verloren haben. Von einen Tag auf den nächsten hat sich ihr Leben völlig gewandelt.

So ergeht es auch Antoine Leiris. Der junge Mann aus Paris hat bei den Anschlägen vom 13. November​ seine Ehefrau verloren. Die Frau, die er über alles geliebt hat, und die Mutter seines 17 Monate alten Sohnes. In einer Sekunde hat sich Antoines ganze Welt auf den Kopf gestellt. Nur wenige Tage danach nutzt der Witwer Facebook, um sich in einem offenen Brief an die Täter der Anschläge zu wenden.

“Vous n’aurez pas ma haine” Vendredi soir vous avez volé la vie d’un être d’exception, l’amour de ma vie, la mère de...

Posted by Antoine Leiris on Montag, 16. November 2015

"Ich werde euch nicht hassen."
Freitagabend habt ihr das Leben eines ganz besonderen Menschen ausgelöscht, der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes – aber ich werde euch nicht hassen. Ich weiß nicht, wer ihr seid, und ich will es auch gar nicht wissen, denn ihr seid tote Seelen. Wenn dieser Gott, für den ihr so blind tötet, uns nach seinem Abbild geschaffen hat, dann war jede Kugel, die den Körper meiner Frau getroffen hat, auch indirekt eine Kugel in sein Herz.
Ich tue euch nicht den Gefallen, euch zu hassen. Obwohl ihr alles dafür getan habt. Aber wer auf Hass mit Wut antwortet, der würde dieselbe Ignoranz zeigen, die aus euch das gemacht hat, was ihr seid. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meinen Mitmenschen mit Misstrauen begegne, dass ich meine Freiheit für Sicherheit opfere. Ihr habt verloren. Ich werde meine Art zu leben nicht ändern.
Ich habe sie heute Morgen gesehen. Endlich, nach Tagen und Nächten des Wartens. Sie war so schön wie an jenem Freitagabend, als sie gegangen ist. So schön wie damals vor 12 Jahren, als ich mich unsterblich in sie verliebt habe. Ich bin halb wahnsinnig vor Kummer, diesen kleinen Triumph lasse ich euch. Aber es wird vorrübergehen. Ich weiß, dass sie jeden Tag bei uns sein wird und dass wir uns im Paradies der freien Seelen wiedersehen werden – dort, wo ihr niemals Zutritt haben werdet.
Wir sind zu zweit – mein Sohn und ich, aber wir sind stärker als alle Armeen dieser Welt. Ich habe jetzt keine Zeit mehr, mich weiter mit euch zu beschäftigen. Ich muss mich um Melvil kümmern, der gerade aufgewacht ist. Er ist gerade mal 17 Monate alt. Er wird wie jeden Tag etwas essen, danach ein wenig spielen. Und jeden Tag wird dieser kleine Junge euch beschämen, weil er glücklich und frei ist. Denn auch seinen Hass werdet ihr nicht bekommen.

Antoines Beitrag geht in kürzester Zeit um die Welt. Bis heute wurde er über 160.000 Mal geteilt und Menschen von überall sprechen dem Vater ihr Mitgefühl, Trost und auch Lob für seine Stärke aus.

von Maike Schwinum