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Job & Geld

Warum du finanziell nicht so unabhängig bist, wie du glaubst

Tanja Koch
von Tanja Koch Veröffentlicht am 15. Februar 2019
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"Finanzielle Unabhängigkeit" ist ein wichtiger Begriff, wenn es um die Emanzipation der Frau in Job- und Geldfragen geht. Dabei sollten wir besser von finanzieller Verantwortung sprechen.

Seit den sechziger Jahren dürfen Frauen in Deutschland ein Bankkonto eröffnen. Bis 1977 hätte der Ehemann den Job seiner Frau jederzeit kündigen dürfen.

Heute ist gesellschaftlich akzeptiert, dass Frauen Jobs haben und Karriere machen. Nahezu jede Frau hat ein eigenes Bankkonto. Und viele sind finanziell unabhängig. Das heißt: Sie verdienen eigenes Geld. Im Fall einer Trennung droht ihnen keine Armut - zumindest nicht auf kurze Sicht.

Auf dem Kontostand der Frauen hat sich zwar etwas getan. Im Kopf aber oft noch nicht. Das zeigt sich zum Beispiel bei den Themen Altersvorsorge, Versicherungen und Kindererziehung.

​Viele Frauen riskieren Altersarmut

Eine Befragung der Vermögensverwaltung Amundi ergab: 44 Prozent der befragten Frauen zwischen 35 und 55 Jahren beschäftigen sich nicht mit dem Thema Altersvorsorge. 32 Prozent der Befragten sparen gar nicht, 37 Prozent nur unregelmäßig für ihre private Altersvorsorge.

​Was sie verschlafen, wird vielen Frauen erst dann bewusst werden, wenn es zu spät ist. Denn 40 Prozent der Frauen wird Altersarmut drohen. Ihre staatliche Rente und ihr Erspartes werden nicht ausreichen.

Eine Frau, die 2017 in Rente gegangen ist, erhält nur rund 716 Euro pro Monat, ein Mann hingegen fast 1.090 Euro. Die Gründe: zum Beispiel Ausfallzeiten wegen Kindererziehung, Pflege Angehöriger und schlechter bezahlte Jobs.

Viele Frauen riskieren Armut bei Berufsunfähigkeit

Frauen sind laut diverser Studien beim Geld Anlegen weniger risikofreudig als Männer. Doch beim Thema Versicherungen scheint das anders zu sein. Nur 17 Prozent der Frauen haben eine Berufsunfähigkeitsversicherung, wie eine Studie des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Direktversicherers Hannoversche zeigt.

Bei den Männern sieht es zwar auch nicht besonders gut aus - nur 28 Prozent sind entsprechend versichert - aber immerhin besser als bei den Frauen.

Dabei ist das Risiko berufsunfähig zu werden, sehr viel höher als viele glauben: Es liegt bei knapp 40 Prozent für heute 20-jährige Männer und Frauen.

Viele Frauen riskieren für die Kindererziehung finanzielle Einbußen

Im Schnitt nehmen Mütter berufliche Auszeiten von 11,6 Monaten. Männer von 3,1 Monaten. Das ergab eine aktuelle Auswertung des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen.

Bei der Teilzeit sieht es ähnlich aus: Dem Arbeitszeitreport 2016 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zufolge arbeiten 42 Prozent der Frauen, aber nur sieben Prozent der Männer in Teilzeit. Bei den meisten dieser Frauen dürfte der Grund dafür sein, dass sie für Kindererziehung und Haushaltsaufgaben verantwortlich sind.

Zwar gibt es für die Kindererziehung inzwischen pro Jahr einen Punkt auf die Rentenkasse. Doch der steht nur für das Durchschnittsgehalt und wird nur drei Jahre nach der Geburt gewährt. Wer also eigentlich überdurchschnittlich verdient oder auch nach dem dritten Jahr nur in Teilzeit arbeitet, der hat bei der staatlichen Rente große Einbußen. Auch für die private Vorsorge bleibt weniger Geld übrig.

Wie das deutsche Rentensystem funktioniert, erfährst du hier.

Warum sorgen Frauen oft nicht vor?

Viele Frauen verlassen sich in Sachen Finanzen schlicht auf ihren Partner. Sie glauben, Finanzen seien ein "Männerthema", sie denken an komplizierte Verträge, riskante Börsenspekulationen und langweilige Termine mit dem Bankberater.

Dabei sind die eigenen Finanzen genauso wenig ein typisches "Männerthema" wie die eigene Gesundheit ein typisches "Frauenthema" ist. Beide sind wichtige Parameter für die Lebenszufriedenheit. Egal ob Mann, Frau oder "Divers".

Viele Frauen würden gern Verantwortung für ihre Finanzen übernehmen. Doch ihnen fehlt das nötige Wissen. Wieder anderen Frauen ist einfach nicht bewusst, wie wichtig es für sie wäre, finanzielle Verantwortung zu übernehmen.

Für die Finanzielle Unabhängigkeit: Das können Frauen tun

  • Sich Wissen aneignen

Da immer mehr Medien Ratgeber über Finanzen speziell für Frauen und immer mehr Banken auf weibliche Kundschaft ausgelegte Beratungen anbieten, wird das zum Glück immer leichter.

Über die beste Art, privat Vorzusorgen, kannst du dich hier informieren.

Über das Thema "Geld anlegen“ findest du hier Infos.

Welche Versicherungen du wirklich brauchst, erfährst du hier.

  • Altersvorsorge und Versicherungen abschließen

Auf der Suche nach einem guten Angebot sollten Frauen am besten Beratungen wie die der Verbraucherzentrale nutzen. Die ist zwar nicht umsonst, sondern kostet pro Stunde eine Beratungsgebühr. Dafür ist die Beratung aber unabhängig - das heißt: Anders als etwa in einer Bank empfiehlt der Berater das tatsächlich am besten geeignete Produkt und nicht das, was für die Bank am lukrativsten ist.

  • Mit dem Partner sprechen

Wer plant schwanger zu werden, sollte mit dem Partner klären, wie die Erziehungsaufgaben aufgeteilt werden und ob sich der Hauptverdiener an der Altersvorsorge des anderen beteiligt.

Bleibt beispielsweise die Frau im ersten Jahr zu Hause und arbeitet danach nur in Teilzeit, kann der Mann, da er mehr verdient, deshalb etwas für die Altersvorsorge seiner Frau tun - oder eben umgekehrt.

Umfrage: Macht Geld einen Mann attraktiver?

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von Tanja Koch

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