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"Mama, ich bin schwul": Wie Eltern reagieren sollten - und wie nicht

von Justin Amaral Veröffentlicht am 29. Januar 2019
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Als schwuler Mann kann ich sagen: Das Coming-out ist wohl der wichtigste Moment im Leben eines LGBT-Kindes. Dabei ist die Unterstützung der Eltern ein entscheidender Bestandteil für den gelungenen Start in einen neuen Lebensabschnitt. Viele Eltern sind mit der Situation jedoch überfordert. Wie solltest du als Mutter am besten reagieren?

Bewahre Ruhe - selbst im Schockmoment

Egal, ob dir dein Kind sein Outing während eines Streits an den Kopf wirft oder ihr gemütlich auf der Couch sitzt - du solltest unbedingt entspannt bleiben. Höre aufmerksam zu und verdeutliche, dass das Gesagte bei dir angekommen ist. Nachdem dein Kind ausgesprochen hat, solltest du fragen, ob es darüber reden oder deine Meinung hören will.

Es kann aber auch sein, dass dein Kind nach seinem Coming-out erstmal überhaupt nicht mit dir reden will. Das ist zwar frustrierend, aber völlig normal. Wenn die Verkündung ungeplant aus ihm herausgeplatzt ist, könnte der Schock nämlich tief sitzen. Lass dein Kind einfach wissen, dass du für ein Gespräch bereit stehst.

Auch wenn du von den Neuigkeiten vielleicht nicht sofort begeistert bist, solltest du dich geehrt fühlen, dass dir dein Kind so viel Vertrauen entgegen bringt. Sag ihm oder ihr ruhig, wie viel dir das bedeutet.

"Ich wusste es!"

Manche schwule und lesbische Menschen fühlen sich besser, wenn sie hören, dass sich ihr Umfeld über ihre Sexualität bereits im Klaren war, während andere wiederum verärgert sind, dass das "Geheimnis" schon immer offensichtlich war. Selbst wenn du schon eine Vermutung hattest, solltest du lieber abwarten, bis du von deinem Kind gefragt wirst, ob du es bereits wusstest.

Antworte ehrlich, aber hänge dich nicht an bestimmten Eigenschaften oder Verhaltensweisen auf. Versuche auf emotionaler Ebene eine Verbindung herzustellen. "Du bist mein Kind. Ich wusste, dass an dir etwas anders ist, und ich war mir sicher, dass du mir den Grund irgendwann sagen würdest."

"Das ist doch nur eine Phase."

Das sagt man nicht - und du hoffentlich auch nicht. Es gibt zwar Phasen, in denen die Sexualität gebildet und ausprobiert wird, diese Findungsphase hat dein Kind jedoch bereits im Verborgenen durchgemacht. Die Entscheidung, sich zu outen, ist also über viele Jahre gereift und gut durchdacht. Stell dein Kind nicht in Frage.

Auf Amazon gibt es viele gute Ratgeber für dich. Zum Beispiel: "Mein Kind liebt anders: Ein Ratgeber für Eltern homo-sexueller Kinder" von Udo Rauchfleisch.

Steck dein Kind nicht sofort in eine Schublade

Die "traditionellen" Bezeichnungen wie schwul und lesbisch schießen dir wahrscheinlich sofort in den Kopf - es gibt jedoch viele weitere LGBT-Einordnungen, zu denen dein Kind gehören kann. Vielleicht will dein Kind seine Sexualität aber auch überhaupt nicht einordnen oder ist sich diesbezüglich noch nicht sicher. Warte also ab, ehe du selbst mit solchen Begriffen um dich wirfst.

"Hast du es noch jemandem erzählt?"

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass du nicht die erste Person bist, der sich dein Kind anvertraut hat. Fühl dich deshalb nicht hintergangen oder ausgestoßen. Homosexuelle Kinder wollen ihre Eltern nicht enttäuschen, verärgern oder schockieren. Sie wenden sich daher meist erst an andere, zum Beispiel ihre besten Freunde, um eine gewisse Sicherheit zu bekommen.

Durch diese Frage erhälst du jedoch einen guten Eindruck davon, wie offen dein Kind bereits mit der eigenen Sexualität umgeht und ob die Neuigkeit bereits an Dritte weitergegeben werden darf.

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Stelle dich deinen Zukunftsängsten

Die meisten Eltern gehen davon aus, dass ihr Kind heterosexuell leben wird, und stellen sich diese Zukunft bereits bildlich vor - inklusive Enkelkinder. Das Loslassen dieser Träume kann schwer sein.

Aber keine Angst: Homosexuell zu sein hält dein Kind nicht davon ab, ein erfülltes Leben zu führen. Die Gesellschaft wird immer fortschrittlicher und toleranter. Durch künstliche Befruchtung und Adoption sind auch Enkelkinder nicht unbedingt ausgeschlossen.

Es ist trotzdem wichtig, dass du dir Freiraum gibst, um über deine Gefühle und Ängste zu sprechen, zum Beispiel mit einem Therapeuten oder einer guten Freundin. Du kannst dich auch mit anderen Eltern von LGBT-Kindern austauschen. Dafür gibt es zum Beispiel das Bündnis der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen (BEFAH).

Denk immer daran: Du bist nicht allein!

Nachgefragt: Homosexualität und Coming-out

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