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Hochbegabte und frühentwickelte Kinder

Linda Chevreuil
von Linda Chevreuil Veröffentlicht am 22. Februar 2008
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Sie haben den Eindruck, dass Ihr Kind für sein Alter ungewöhnlich aufgeweckt ist? Ihr Liebling versteht alles in kürzester Zeit? Vielleicht gehört Ihr Sprössling ja zu den früh entwickelten Kindern. Wie erkennt man den geistigen Vorsprung? Wie kann die Frühentwicklung diagnostiziert werden? Welche Behandlungsmethoden gibt es? Hier erfahren Sie, wie man mit dem kleinen Unterschied richtig umgeht!

Was ist ein frühentwickeltes Kind?
"Hochbegabt" oder "überdurchschnittlich intelligent"

Es gibt zahlreiche Bezeichnungen für Kinder, die
über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügen. Die betroffenen Kinder unterscheiden sich von ihren Altersgenossen durch eine überdurchschnittlich hoch entwickelte Intelligenz. Das erste Anzeigen dafür ist ein IQ (Intelligenzquotient) mit 125 Punkten oder mehr. Aber nicht nur...

Wie erkennt man ein hochbegabtes Kind?
- Es gibt bestimmte Hinweise, die die Eltern schon ab dem Kleinkindalter darauf aufmerksam machen können. Bevor Ihr Kind eine Frühentwicklung aufweist war es erst einmal ein ungewöhnlich lebhaftes Baby. Ein hochbegabtes Kind fängt meistens schon mit 12 Monaten an zu laufen (normal sind 14), spricht schon im Alter von 2 Jahren (statt mit 3) und kann schon lesen wenn es in die Schule kommt.
- Ab einem gewissen Alter ist das Kind lieber mit älteren Personen zusammen und möchte seine Kenntnisse erweitern, indem es unendlich viele Fragen über die menschliche Existenz und das Universum stellt... Ein früh entwickeltes Kind ist wissbegierig, perfektionistisch und benutzt für sein Alter einen ungewöhnlich gewandten Wortschatz. Der Kleine ist kein wilder Rabauke sondern macht gerne Witze, entdeckt ständig neue Leidenschaften und hat die tagtäglichen Routine- aktivitäten schnell über.
- Ist ein früh entwickeltes Kind sehr gut in der Schule? Die Frühentwicklung ist keine Garantie für schulischen Erfolg, ganz im Gegenteil. Früh entwickelte Kinder können oft sehr schnell und gut lesen, haben dafür aber Probleme mit dem Schreiben (die sog. Dysgraphie). Dieses Paradox erklärt sich durch eine zeitversetzte Entwicklung des Intellekts und der psychomotorischen Fähigkeiten (Dyssynchronie). Die echten Schwierigkeiten in der Schule machen sich allerdings verstärkt ab dem Übertritt in die weiterführende Schule bemerkbar (mit 11 Jahren). Hochbegabte Schüler tendieren dazu, sich in der Klasse zu langweilen. Das zeigt sich meistens durch ein störendes Verhalten oder umgekehrt durch geistige Abwesenheit oder Träumereien. Insofern kommt es häufig vor, dass diese Kinder schulische Probleme haben, eine Klasse wiederholen müssen oder an Sprach- entwicklungsstörungen leiden (Legasthenie, Dyslexie).
- Generell weisen frühentwickelte Kinder häufiger Verhaltensstörungen auf. Dazu gehören folgende Symptome: Überempfindlichkeit, psychosomatische Leiden (Kopfweh, Bauchweh, Ekzeme), Schlafstörungen, Angstgefühle, Hyperaktivität, Stottern, Obsessive Kompulsive Störung (OKS) oder diverse Suchtabhängigkeiten.

Wie kann die Frühentwicklung festgestellt werden?
Das kindliche Verhalten oder die Schulnoten können erste Hinweise geben. Unabhängig davon gibt es zwei Methoden um die Frühentwicklung zu diagnostizieren.
- Der Intelligenztest (IQ-Test) wird von einem Psychologen durchgeführt. Der Intelligenzquotient wird anhand von psychometrischen Tests mit einer verlässlichen Werteskala gemessen. Die so genannte "Wechsler-Skala" ist in drei Altersgruppen aufgeteilt: ein Test für 3-6 Jährige, ein Test für 6-17 Jährige und ein Test für Erwachsene. Die Wechsler-Methode besteht aus einer Prüfung der Lesefähigkeit, einem Persönlichkeitstest und einer Zeichnung.
- Fragebögen zur Identifizierung hochbegabter Kinder: Um herauszufinden, welche Schüler eine Frühentwicklung aufweisen, werden standardisierte Vergleichsbilder eingesetzt. Diese Tests sind vor allen Dingen für Lehrer gedacht, die sich über die Fähigkeiten eines Schülers Gedanken machen.
- Ein früh entwickeltes Kind ist nicht unbedingt in allen Bereichen über-durchschnittlich gut. Ein Kind kann zum Beispiel eine natürliche Begabung für Mathematik und Musik haben, dafür aber künstlerisch völlig unbegabt sein.

Eine adäquate schulische und psychologische Begleitung
Sobald die Diagnose feststeht ist es wichtig, dass die Eltern die Unterschiede ihres Kindes bewusst wahrnehmen (sowohl in intellektueller als auch in emotionaler Hinsicht). Es ist ebenfalls nötig, die Lehrer über die Situation zu informieren. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:
- Wenn sich das Kind gut mit den Mitschülern versteht kann es den normalen Bildungsweg beibehalten und eventuell eine oder mehrere Klassen überspringen. Dafür gibt es eine besondere Begleitung. Ihr Kind kann zusätzlich an einem Fernunterricht teilnehmen.
- Wenn das Kind den Eindruck hat, dass es sich nicht auf demselben Niveau wie seine Altersgenossen befindet, sollten Sie sich bei der Schule danach erkundigen, welche Begabtenförderung angeboten wird. Diese Angebote werden von speziell geschulten Fachkräften durchgeführt und sehen ein intensiveres Unterrichtspro-gramm vor.
- Eine weitere Lösung: Ferienlager für hochbegabte Kinder. Die Kinder sollen sich kennen lernen und gemeinsam knifflige Aufgaben lösen (Wissenschaft, Informatik, Zeichnungen) damit keine Langeweile aufkommt. So wird nicht nur ihre Begabung gefördert: Sie treffen auch andere Kinder, die sich in derselben Situation befinden.
- Unter Umständen wird auch eine psychologische Beratung empfohlen um dem früh entwickelten Kind dabei zu helfen, sich auszudrücken und sich im Alltag zu entfalten.
- Es gibt außerdem zahlreiche Interessenvertretungen und Vereine, die den Eltern eine hilfreiche Unterstützung bieten und darüber informieren, wie man für das Kind optimale Entwicklungsbedingungen schaffen kann.

Nützliche Adressen für betroffene Familien:

- Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK)
- Bildung und Begabung e.V.
- Die Karg Stiftung
- Das Institut für das begabte Kind (außerschulische Fördermaßnahmen)
- Spielzeug für hochbegabte Kinder

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