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Warum Kinder manchmal lügen und was man dagegen tun kann

Inga Back
von Inga Back Veröffentlicht am 22. Januar 2017
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Schon kleine Kinder schwindeln ihre Eltern manchmal an oder beweisen plötzlich unfassbar viel Fantasie, wenn sie nach ihrem Tag gefragt werden - nicht jede Lüge muss also zwangsweise schlimm sein. Manchmal bleibt solches Verhalten jedoch bestehen und hinterlässt ratlose Eltern. Wir erklären euch, warum Kinder manchmal lügen und was ihr tun könnt, wenn sie es tun.

Nahezu jedes Kind wird früher oder später bei einer Lüge erwischt. Kinder probieren jedes Verhalten aus, um zu testen, wie es sich anfühlt. Sie prüfen damit, was eine Lüge bewirkt. Können sie beispielsweise Ärger vermeiden, wenn sie behaupten, sie hätten ihre Hausaufgaben gemacht? Bekommen sie mehr Aufmerksamkeit, wenn sie ihren Erfolg noch etwas ausschmücken?

Lügen kann sogar ein gesundes Verhalten sein. Beispielsweise dann, wenn Kleinkinder ausgiebige Geschichten über alle Erlebnisse mit ihrem Teddybär erfinden. Diese Art der Lüge deutet daraufhin, dass sich ihre Fantasie und Kreativität entwickeln. Es muss also gar nicht jede Form der Lüge unbedingt schlecht sein.

Trotzdem ist es natürlich wichtig, dass Kinder schon früh lernen, dass es Konsequenzen hat, wenn man es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Wir kennen alle die Geschichte vom Jungen, der "Wolf" rief. Als wirklich ein Wolf kam, glaubte dem Jungen niemand mehr, weil er schon so oft behauptet hatte, ein Wolf wäre da. Wer ein Mal lügt, dem glaubt man eben nicht mehr. Damit es jedoch gar nicht erst so weit kommt, gibt es ein paar Methoden, die man anwenden kann, wenn man sein Kind beim Schwindeln erwischt.

Das wichtigste zuerst: Passe den richtigen Moment ab

Nahezu bei keinem anderen Vergehen ist es so wichtig, dass man die Kinder auf frischer Tat ertappt. Wer sein Kind nämlich häufig einer Lüge beschuldigt, dabei aber nur die Hälfte der Zeit richtig liegt, verliert selbst an Glaubwürdigkeit. Wenn ihr mit eurem Kind also darüber sprechen wollt, wie wichtig es ist, die Wahrheit zu sagen, solltet ihr bei euch selbst anfangen. Seid euch wirklich sicher, dass ihr die Wahrheit sagt, wenn ihr eurem Kind das Gegenteil unterstellt und sprecht es sonst nicht an.

Erkläre, dass es verschiedene Arten einer Lüge gibt

Kinder, ganz besonders unter 10-Jährige, kennen den Unterschied zwischen kleinen Notlügen und gravierenderen Lügen noch nicht. Sie wissen lediglich, wenn etwas nicht wahr ist. Es ist also wichtig, dass Eltern ihnen den Unterschied erklären, um Verwirrung zu vermeiden. Kinder lernen schließlich, in dem sie ihre Eltern beobachten. Ein Beispiel: Mama sagt einer Freundin, ihre neue Frisur wäre schön. Nachher erzählt sie aber Papa, wie schrecklich sie den neuen Haarschnitt findet. Das Kind lernt in dem Fall nur, dass Mama manchmal auch nicht die Wahrheit sagt.

Es liegt also an uns, ihnen zu erklären, dass eine Notlüge manchmal in Ordnung ist. Notlügen schaden niemandem und schonen die Gefühle der anderen Person.Trotzdem sollten wir Erwachsenen mit gutem Beispiel voranzugehen: Je mehr Lügen ein Kind hört, auch wenn es Notlügen sind, umso wahrscheinlicher wird es selbst die Wahrheit ein bisschen verbiegen.

Die Folgen einer Lüge

Es ist wichtig, dass Eltern ihren Kindern erklären, dass eine Lüge immer Konsequenzen hat. Selbst wenn die Schwindelei nicht aufgedeckt wird und das Kind keine Strafe im eigentlichen Sinn bekommt. Erklärt euren Kindern, dass das Vertrauen in sie dadurch nachhaltig geschädigt wird. Kinder müssen verstehen, dass ihnen in Zukunft möglicherweise nicht mehr geglaubt wird, wenn sie häufiger schwindeln. Womit wir wieder bei der Geschichte vom Jungen, der "Wolf" rief, wären.

Hilfe zur Selbsthilfe: Eine Lüge zurücknehmen

Man kann Kindern auch Möglichkeiten bieten, ihr Fehlverhalten selbst zu korrigieren. Eine Variante ist, eine Lüge zurückzunehmen. Manchmal schwindeln Kinder mehr oder weniger ungewollt oder im Affekt. In so einem Fall kann man seinem Kind auch erklären, dass es überhaupt nicht schlimm ist aufzuklären, wenn etwas doch anders gemeint war. Kindern hilft es auch, wenn ihre Eltern ihnen suggerieren, dass dies auch noch nach einem längeren Zeitraum in Ordnung ist. Das Kind könnte dann zum Beispiel eine erfundene Geschichte nochmals ansprechen und erklären, das Teilaspekte oder auch die ganze Geschichte doch anders passiert sind.

Kinder brauchen die Gewissheit, dass es immer besser ist, die Wahrheit zu sagen, als sich weiter in eine Lüge zu verstricken - selbst wenn sie bei einer Lüge schon ertappt wurden. Sie sollten auch lernen, dass die Konsequenzen geringer ausfallen, wenn sie die Wahrheit gestehen. Die Botschaft, die Eltern ihren Kindern vermitteln sollten, lautet also immer: Es ist niemals zu spät, um die Wahrheit zu sagen.

Sollte man Kinder fürs Lügen bestrafen?

Wenn ein Kind bewusst lügt, sollte es dafür natürlich Konsequenzen geben. Selbst wenn es mildernde Umstände gibt, wenn sich das Kind beispielsweise doch entschließt, Mama und Papa die Wahrheit zu sagen.
Da aber nicht jede Lüge gleich ist, sollte auch nicht jede Lüge gleich behandelt werden. Für Eltern ist es also wichtig, die Motivation dahinter zu erkennen und dann entsprechend zu handeln.

Wenn ein Kind lügt, um Aufmerksamkeit zu bekommen:

Kinder, die eine Geschichte ausschmücken, um sich in einem besseren Licht zu präsentieren, schaden damit niemandem. Erwünscht ist das Verhalten aber natürlich trotzdem nicht. In diesem Fall sollten Eltern jedoch eher versuchen, ihr Kind in anderen Situationen mehr zu loben, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Das unerwünschte Verhalten sollte dagegen möglichst wenig Beachtung finden. Hier können Eltern versuchen, die Aufmerksamkeit schnell auf ein anderes Thema zu lenken.

Wenn ein Kind lügt, um eine Strafe zu vermeiden:

Bei vielen jüngeren Kindern entstehen Lügen aus einem vorausgegangenem Fehlverhalten. Sie machen einen Fehler, werden nervös und versuchen diesen dann zu vertuschen. Eltern können so einen Moment also gut nutzen, um ihren Kindern zu erklären, dass jeder Fehler auch eine Chance ist, um etwas Neues zu lernen. Schließlich macht jeder Mensch mal einen Fehler und das ist auch überhaupt nicht schlimm, wenn man aus seinen Fehlern lernt.

Ihr könnt auch versuchen, es euren Kindern leichter zu machen, die Wahrheit zu sagen. Erzählt ihnen von einer ähnlichen Situation, die ihr erlebt habt. Ihr könnt ihnen dann erklären, dass es euch auch nicht leicht gefallen ist, in diesem Fall die Wahrheit zu sagen. Im Endeffekt wart ihr jedoch froh, dass ihr euch dennoch dazu entschieden habt, weil ihr eine wichtige Lektion daraus gelernt habt.

Wenn ältere Kinder wiederholt bewusst lügen:

Wenn ein älteres Kind Lügen bewusst einsetzt, um etwas zu bekommen oder zu vermeiden, ist es dagegen wichtig, dass sie schnell lernen, dass dies Konsequenzen hat. Ein Kind das zum Beispiel nicht die Wahrheit darüber sagt, wo es gewesen ist, muss lernen, dass das nicht in Ordnung ist. Dabei ist es jedoch wichtig, dass Eltern von vorneherein klar kommunizieren, dass diese Art von Lüge bestraft wird. Dabei müssen sie auch Konsequenz beweisen. Wie genau diese Strafe aussieht, entscheidet aber letztlich jedes Elternpaar selbst.

Die Strafe sollte jedoch verhältnismäßig bleiben. Zu lange oder unnötig harte Strafen frustrieren Kinder und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Zukunft Lügen einsetzen werden, um eine erneute Strafe zu vermeiden. Die Strafe für eine Lüge sollte also kurzlebig sein, damit das Kind schnell wieder Gelegenheit bekommt, um ein besseres Verhalten zu zeigen.

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