Home / Mama / Kind & Familie / Burnout in der Grundschule: Darum sollten wir unsere Kinder mehr Kind sein lassen

© Getty Images
Mama

Burnout in der Grundschule: Darum sollten wir unsere Kinder mehr Kind sein lassen

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 25. Oktober 2019

Montag Ballett, Dienstag Klavier, Mittwoch Schwimmkurs, Donnerstag Fußball und Freitag dann Englisch - Kinder haben heute kaum noch Freizeit. Eltern haben die besten Absichten, wenn sie ihren Kindern so viele Dinge ermöglichen. Aber profitieren Kinder davon oder schaden wir ihnen so mehr?

Überfordern wir Eltern unsere Kinder mit unseren Angeboten für den Nachmittag? Es ist sicher übertrieben dargestellt, dass Kinder an 5 Wochentagen nachmittags einen Kurs haben. Aber aus der eigenen Erfahrung und aus Erzählungen aus dem Bekannten- und Freundeskreis sind bei vielen Kindern drei Wochentage durchaus durch Musikunterricht oder Sportangebote gefüllt. Hinzu kommen Wettkämpfe oder Wettbewerbe am Wochenende. Muten wir unserem Nachwuchs damit zu viel zu?

Stand der Dinge

Immer mehr Grundschulkinder besuchen nach dem Unterricht die Übermittagsbetreuung oder die Nachmittagsbetreuung, das ergab die neue KMK-Statistik für Ganztagsschulen 2017/2018. Viele Kinder sind demnach nicht vor 14 Uhr zu Hause. Manch einer erst gegen 16 Uhr. Damit haben sie in der Regel schon einen 6-8 stündigen Tag hinter sich, in dem sie die meiste Zeit beobachtet und kontrolliert wurden.

Für viele Kinder folgt nach dem Schultag dann der Sport, die Musikstunde oder ein anderer Kurs. Und wieder werden die Kinder angeleitet. Mach dies, tu das, lass jenes. In den 14 Stunden, die unsere Kinder am Tag wach sind, absolvieren sie durchschnittlich 8-10 Stunden unter Aufsicht eines Erwachsenen, der in den meisten Fällen auch die Regeln aufstellt, die sie befolgen sollen. Da bleibt wenig Zeit, sich selbst zu finden oder herausfinden zu können, was man selber wirklich mag.

Warum ist der Alltag unserer Kinder heute so durchgeplant?

Die Absichten, die wir Eltern mit den Angeboten für unsere Kinder verfolgen, sind alle gut. Wir wollen, dass sie viel kennenlernen, dass sie viel ausprobieren und dass sie viel Spaß haben. Wir wollen ihren Horizont erweitern und ihnen die beste Bildung und Ausbildung ermöglichen. Oder geht es da noch um etwas anderes?

Kann es sein, dass wir Eltern uns über die Leistungen unserer Kinder definieren? Schließlich macht es uns alle stolz, wenn sie gut in der Schule sind, ein Instrument spielen können und dazu noch super Sportskanonen sind. Dabei rechnen wir den Erfolg nicht nur unseren Kindern, sondern in allererster Linie uns und unserer Erziehung an. Wir haben es möglich gemacht, dass das Kind XYZ kann.

Die andere Seite der Medaille

Bei all dem Möglichmachen vergessen wir leider unsere Kinder. Denn die stehen unter ständigem Druck. Wir fordern viel von ihnen - in und außerhalb der Schule. Und unsere Kinder wollen liefern, denn alle Kinder gewinnen gern, sind gerne Erster, Stärkster und Schlauster. Und außerdem wollen sie ihre Eltern stolz machen. Kinder fordern die Bestätigung ihrer Eltern und oft bekommen sie die besonders schnell, wenn sie eine gute Leistung zeigen.

Die Anforderungen, die wir an unsere Kinder schon im Grundschulalter stellen, sind immens. Und wenn wir nicht aufpassen, machen wir aus ihnen kleine Workaholics, die erst merken, dass alles zu viel und zu schwer ist, wenn es zu spät ist und sie ausgebrannt sind, noch bevor sie die Schule überhaupt verlassen haben.

10 Tabusätze für Eltern - Sagt das nie zu eurem Kind!

Lasst Kinder mehr selbstbestimmen

Deshalb ist es wichtig, dass Kinder einfach mal Kinder sein dürfen. Nach der Schule und den Hausaufgaben ist es Zeit zum Spielen, und zwar ohne elterliche Überwachung. Lasst sie die Gegend erkunden, ohne dass ihnen jemand sagt, was sie zu tun oder zu lassen haben. Und lasst sie sich einfach mal langweilen und Löcher in die Zimmerdecke starren. All das hilft Kindern, sich und die eigenen Bedürfnisse viel besser kennenzulernen. So finden sie heraus, wer sie sind und was sie wollen.

Dinge aus der eigenen Motivation heraus zu erforschen und für sich zu entdecken ist viel wertvoller, als vorgegebene Kurse zu besuchen und die Verantwortung aus der Hand zu geben. Selbstverständlich kann das fußball-begeisterte Kind auch zweimal die Woche zum Training, wenn es darin riesigen Spaß und Erfüllung findet. Aber es sollte ihm genauso freistehen, mal keine Lust darauf zu haben oder nicht am Turnier telnehmen zu müssen.

Denn am Ende des Tages ist es ihr Leben, um das es geht. Sicher brauchen sie Wegweiser und Hilfestellungen. In erster Linie sollen sie aber lernen, auf ihr Herz zu hören und Dinge tun, die sie tun wollen. Vor allem nach Schulschluss.

Auch auf gofeminin.de:

4 Fragen, die du deinem Kind jeden Tag stellen solltest

Achtung Eltern! Diese Dinge werden euch eure Kinder nie verzeihen

8 Sätze, mit denen Kinder indirekt um Hilfe bitten

von Anne Walkowiak