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Mamas-Auszeit: Darum ist eine kleine Pause nicht genug

von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 27. September 2019

Sich mal zwei Stunden beim Friseur verwöhnen lassen oder einen Abend mit den Freundinnen verbringen – das ist gemeinhin, was Mamas als Zeit für sich verstehen. Ihre kleine Auszeit. Aber ist das wirklich genug? Reicht das, um den eigenen Akku wieder aufzuladen? Ich, selber Mama von zwei Kindern, sage: Nein! Und verrate, wie es besser geht.

Mamas haben alle Hände voll zu tun. Neben dem Job sind sie nämlich oft noch diejenigen, die den Großteil der Hausarbeit erledigen und sich um die Kinder kümmern. Inklusive der Organisation von Festen, Geburtstagsgeschenken, Spieldates am Nachmittag oder Arztterminen. Mama ist, wie es eine Werbung einst so schön formulierte, die Managerin der Familie. Abzüglich des Jahresgehalts und Urlaubsanspruches eines Managers.

Für diejenigen Mütter unter uns, für die das völlig in Ordnung ist, die das in keiner Weise einschränkt, belastet oder stört, sind die folgenden Zeilen vermutlich nichts. Aber für all jene, zu denen ich mich auch zähle, die immer wieder an ihre Grenzen stoßen, die es verfluchen, dass Job und Familie viel zu oft unvereinbar scheinen, für die sind die kommenden Zeilen definitiv etwas.

Und sie sind auch für diejenigen etwas, die sich wünschen, dass die Dinge zu Hause ein bisschen anders, ein bisschen gleichberechtigter liefen.

Das Patriarchat steckt in uns allen

Denn das Patriarchat – die von Männern geprägte Welt – steckt in uns allen. Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen und glauben, dass wir viel gleichberechtigter leben als beispielsweise noch unsere Eltern. Spätestens wenn Kinder in eine Beziehung kommen, ist es sehr oft die Frau, die zu Hause bleibt. Es ist die Frau, die zum Zweck der Kinderbetreuung weniger arbeitet. Es ist die Frau, die viel Hausarbeit übernimmt.

Und ehe man sich versieht, schrappt man durch all die Anforderungen (die Rolle als Mutter, Mitarbeiterin und Hausfrau) täglich knapper an einem Burnout vorbei. Die Nerven liegen allabendlich blank und man fragt sich, wie es so weit kommen konnte.

Und man weiß, dass sich genau jetzt etwas ändern muss. Aber wo fängt man an?

Formuliert offen eure Wünsche

Die Routine ist hier der größte Feind. Man findet sich so schnell in einem Trott aus Arbeit, Kindern und Haushalt wieder, dass man anfallende Aufgaben nicht mehr hinterfragt. Man erledigt Dinge, weil man sie ja auch beim letzten und vorletzten Mal erledigt hat. Das hat sich so eingespielt, hört man oft. Und wenn wir ehrlich sind, liegt in diesem Satz nicht nur Frustration, sondern vor allem Resignation.

Doch wenn es genau diese Routine ist, die dich stört, dann solltest du mit deinem Partner darüber sprechen. Sag ihm oder ihr, dass du unzufrieden bist und dass du etwas anders machen willst. Formuliere, wie du es lieber haben möchtest, was du dir wünscht.

Warte nicht, bis dir alles über den Kopf wächst und du nicht mehr weißt, wie du alles erledigen sollst. Je eingeengter wir Menschen uns fühlen, desto destruktiver gehen wir mit unseren Mitmenschen um. Statt zu sagen, was uns stört und was wir gerne ändern möchten, neigen wir unter Druck dazu, anderen Vorwürfe zu machen. Ein konstruktives Gespräch ist so nicht möglich.

Es wird sich nach einem klärenden Gespräch auch nicht alles auf einmal ändern. Aber wichtig ist, dass ihr in Ich-Botschaften klar macht, wie es euch geht und was ihr euch wünscht. Klärt regelmäßig, ob ihr beiden mit der Aufgabenverteilung zu Hause und im Job zufrieden seid.

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Fordert Freiheiten für euch und gebt welche

Keiner kann rund um die Uhr und tagein tagaus für andere sorgen – nicht einmal eine Mutter. Jeder braucht Zeit für sich. Und die sollten wir Mamas einfordern und zwar in der Menge, die uns genug Energie und Kraft und seelisches Wohlbefinden für die nächste Etappe gibt. Und das ohne schlechtes Gewissen. Denn die Kinder sind beim Papa genauso gut aufgehoben.

Manchmal kann schon ein simpler Friseurbesuch oder das Abendessen mit Freunden reichen. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das auch nicht immer genügt. Weil wir es viel zu unregelmäßig machen. Es geht viel mehr darum, sich regelmäßig Auszeiten zu nehmen, sei es beim Sport, einem VHS-Kurs oder dem Werkeln in der Werkstatt.

Die ultimative Erholung gibt's natürlich bei einem völlig kinderfreien Wochenende. Sprecht darüber, ob ihr so etwas einrichten könnt. Mal verreist Mama, mal Papa, mal nimmt einer die Kinder mit und mal verschwindet einer ohne sie. Weder die Kinder, noch Mama oder Papa kommen so zu kurz.

Trefft Absprachen und haltet euch daran

Das Wichtigste für mehr Zufriedenheit und Ausgeglichenheit ist, dass man Absprachen, die man gemeinsam getroffen hat, auch einhält. Das heißt nicht, dass man überhaupt nicht mehr flexibel oder kompromissbereit ist. Aber es heißt schon, dass man dem Partner Aufgaben prinzipiell überlässt und ihm das Vertrauen schenkt, dass er sie gewissenhaft erledigen wird.

Manchmal wird das auch heißen, dass man sich selbst zurücknehmen muss, weil der Partner die Dinge einfach anders macht. Aber er macht sie nur anders, nicht schlechter.

Macht überall deutlich: Es gibt Mama UND Papa

Ich weiß nicht, wie oft eure Kinder schon in Kita oder Schule krank geworden sind, aber bei uns ist es leider schon ein paar Mal vorgekommen. Und wen haben Erzieher und Lehrer angerufen? Richtig: die Mama. Also mich. Und das, obwohl beide Nummern hinterlegt sind.

Wer erhält regelmäßig Lob dafür, sich ganz alleine um die Kinder zu kümmern, während der Partner (beruflich) für ein paar Tage unterwegs ist? Richtig, der Papa. Und zwar nur er.

Und wer wird schief angeschaut und der Vernachlässigung der Kinder angeklagt, wenn er nach der Geburt und Elternzeit wieder voll in den Beruf einsteigen will? Richtig, es ist Mama.

Ich denke, ihr versteht, worauf ich hinaus will? Noch immer steckt in den Köpfen der Menschen (jung und alt) das Klischee, dass Mama sich um die Kinder kümmert, ihnen Trost spendet und sich aufopferungsvoll um sie kümmert. Papa läuft da irgendwie mit.

Tatsächlich aber ist Papa das andere Elternteil. Er war bei der Zeugung zu 50 Prozent beteiligt und er sollte auch an der Erziehung zu 50 Prozent beteiligt sein. Auch Papa kann sich kümmern, trösten und aufopfern.

Die Kinder leiden garantiert nicht darunter, wenn Papa sich am Nachmittag mit ihnen beschäftigt, ihnen am Abend die Gute-Nacht-Geschichte vorliest oder sie ins Bett bringt, während Mama sich um sich selbst kümmert. Weil Papa das andere Elternteil ist und jeder eben mal eine Pause braucht.

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