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Mobbing in der Grundschule: Ist mein Kind Täter oder Opfer?

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 8. Juni 2018
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Es ist erschreckend, aber schon in der Grundschule werden Kinder zu Mobbingopfern - oder auch zu Tätern. Wie reagiert man als Eltern, wenn plötzlich im Raum steht, dass das eigene Kind ein Mobber sein könnte?

Ich erhielt vor nicht allzu langer Zeit einen Anruf vom Vater eines Mitschülers meines Sohnes. Mein Sohn habe gemeine Dinge zu seinem Kind gesagt, so gemein, dass das Kind am Abend weinend bei seinen Eltern saß und nicht wusste, wie es damit umgehen solle. Ich war erschrocken und auch ein bisschen hilflos.

Schon seit Längerem wurde mir von anderen Eltern von der Klassensituation erzählt. Eigentlich ist die zweite Klasse meines Sohnes eine Einheit. Die meisten verstehen sich, können gemeinsam friedlich miteinander spielen und auch gemeinsam Entscheidungen fällen. Das nun nicht jeder mit jedem befreundet ist, ist auch verständlich. Jedoch gibt es zwei Mitschüler, die das Klassengefüge stören, erheblich stören. Einer dieser beiden Schüler wurde nun nach Aussage seines Vaters von meinem Sohn sehr böse beleidigt.

Täter, Mittäter, Opfer oder Verteidiger?

Am Telefon habe ich mir schildern lassen, was mein Sohn gesagt haben soll. Es klang nicht nach ihm. Doch ich versicherte dem Vater des anderen Kindes, dass ich mit meinem Kind darüber sprechen würde und wir die Dinge bestimmt aus dem Weg räumen könnten. Aber ist es wirklich so einfach?

Denn als Mutter stehe ich selbstverständlich auf der Seite meines Kindes, so wie der Vater auf der Seite seines Kindes steht. Mein Sohn war sehr schmallippig in unserem Gespräch. Er wollte mir weder bestätigen noch abstreiten, das andere Kind willentlich beleidigt zu haben. Er sagte mir aber zu, dass er mit dem Mitschüler sprechen würde und sich entschuldigen würde. Und das wiederum bereitete mir auch Bauchschmerzen.

Es geht nicht darum, dass mein Kind sich nicht entschuldigen soll. Das soll es natürlich, wenn es etwas falsch gemacht hat. Aber ich weiß als Mutter überhaupt nicht, wie es zu dem Konflikt zwischen ihm und dem Mitschüler kam. Denn ich kenne den Mitschüler und die Geschichten der anderen Eltern über ihn. Hat mein Sohn sich also in der Situation nur (verbal) gewehrt oder hat er die Situation und den Konflikt ausgelöst?

Ich möchte nicht, dass mein Kind das Gefühl hat, sich für etwas entschuldigen zu müssen, was vielleicht eigentlich richtig war. Falls das andere Kind meinen Sohn und auch andere Kinder ärgert, drangsaliert und mobbt, dann ist es eigentlich ein mutiger Schritt meines Sohnes, diesem Kind die Stirn zu bieten und für sich und auch andere einzustehen.

Mobbing: Wie reagiert man richtig als Eltern?

Ich habe seit dem Anruf des Vaters oft versucht, mit meinem Sohn über das Thema Mobbing und die Klassensituation zu sprechen. Doch da ist nicht viel aus ihm rauszuholen. Er erzählt zwar, mit wem er was gespielt hat, aber nicht, warum er beispielsweise manchmal tränenverschmiert nach Hause kommt. Auf die Frage, ob etwas passiert sei, antwortet er nur, dass er nicht darüber sprechen möchte. Zumindest nicht mit mir.

Trotzdem geht er noch immer gern zur Schule. Und das schreibe ich vor allem dem Einsatz der Klassenlehrerin zu, die sehr darauf bedacht ist, Konflikte innerhalb der Klasse und mit der Klasse zu lösen. Deshalb gibt es jetzt einen Klassenrat. Es gibt einen Briefkasten im Klassenraum, in dem die Schüler anonyme Nachrichten hinterlassen können. Da stehen dann Dinge drauf, die sie beschäftigen und über die sie unbedingt sprechen wollen. Mit allen.

Was genau in der Schule passiert ist, weiß ich bis heute nicht. Aber ich hoffe, dass mein Sohn kein Mobber ist und noch mehr hoffe ich, dass er kein Opfer oder Mittäter ist. Denn wenn ich eines möchte, ist es, dass mein Sohn fair behandelt wird und vor allem andere fair behandelt.

Über das Thema Mobbing mit dem Kind zu reden und ihm zu erklären, mit welch schwerwiegenden Problemen Mobbingopfer kämpfen, kann auf jeden Fall dabei helfen, das Bewusstsein bei den Kindern für das Thema zu stärken und ihnen bewusst zu machen, dass sie mit ihrem Handeln andere verletzen könnten.

Dran bleiben heißt also meine Devise. Ich werde meinen Sohn weiterhin fragen, was so in der Schule passiert ist und hoffen, dass er, wenn er Hilfe braucht, sich mir anvertraut. Sei es, weil er etwas angestellt hat oder weil ihm etwas zugestoßen ist. Er soll wissen, dass ich da bin und ihm zuhöre.

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