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Berufliche Nachteile für Eltern: So kannst du aktiv etwas ändern

von Esther Wolf Erstellt am 11. April 2021
Berufliche Nachteile für Eltern: So kannst du aktiv etwas ändern© Getty Images

Eltern werden häufig aufgrund ihrer familiären Situation im Job benachteiligt. Abhilfe kann hier nur eins schaffen: Druck auf die Politik!

Frauen gehören an den Herd. Kinder gehören zu ihren Müttern. Was sich anhört wie eine Parole aus den Sechzigerjahren scheint bei vielen Arbeitgebern bis heute im Hinterkopf fest verankert zu sein. Wie könnte es sonst sein, dass sich immer noch die negativen Geschichten von Müttern oder Vätern rund um die Vereinbarkeit von Job und Familie häufen?

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Dabei sind die Beispiele immer die gleichen: Im Bewerbungsprozess werden Frauen und Mütter schnell aussortiert, bei der Mutter, die nach der Elternzeit zurück in den Job kommt, wird die Führungsposition plötzlich aberkannt und beim frisch gebackenen Vater wird der befristete Vertrag leider nicht in ein unbefristetes Verhältnis umgewandelt. Die Liste der Beispiele ist lang.

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Corona hat traditionelle Rollenbilder noch verstärkt

Das letzte Jahr hat uns alle vor enorme Herausforderungen gestellt. Doch vor allem Familien scheint die Corona-Krise besonders hart getroffen zu haben. Hier waren es größtenteils die Mütter, die neben ihrem Job auch noch die Kinder im Homeschooling oder während der fehlenden Kita-Betreuung versorgen mussten. Haushalt, Einkäufe und mindestens drei gesunde und abwechslungsreiche Mahlzeiten pro Tag nicht zu vergessen.

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Doch viele Arbeitgeber zeigen in dieser Ausnahmesituation fehlendes Verständnis. Das Argument: Jeder Mensch sucht sich selbst aus, ob er eine Familie gründen möchte. Besonders viele Frauen suchen bei ungerechter Behandlung vom Arbeitgeber die Schuld bei sich selbst, da sie sich ja bewusst für ein Kind entschieden haben.

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Das traditionelle Rollenbild sitzt bei den hiesigen Arbeitgebern tief. Zwar sind Frauen heute so gut ausgebildet wie nie zuvor, dennoch besteht unter Müttern die größte Teilzeitquote der vergangenen 30 Jahre. Das heißt, Mütter kümmern sich immer noch größtenteils um die Kinder und fallen bei Krankheit der Kinder oder Ähnlichem am Arbeitsplatz eher aus als die Väter.

Gleiches Recht für Eltern

Doch genau mit diesem Schubladendenken und dieser Diskriminierung von Eltern soll nun endlich Schluss sein. Wie die 'Brigitte' berichtet, hat die Rechtsanwältin Sandra Runge in ihrer Berliner Kanzlei hunderte Fälle von sozialer Ungerechtigkeit bearbeitet. Die Rechtsanwältin sieht eine fatale Entwicklung: "Ich sehe eine strukturelle Diskriminierung Müttern und auch immer mehr Vätern gegenüber." Anfang des Jahres gründete die Anwältin zusammen mit der Kommunikationsberaterin Karline Wenzel deshalb die Initiative #proparents, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Das Ziel der Initiative: auf eine gravierende Gesetzeslücke hinzuweisen. Dass eine Frau während Schwangerschaft und Elternzeit nicht entlassen werden darf, ist bekannt. Doch laut Sandra Runge liegt das Problem oftmals in der Zeit danach. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (kurz AGG), auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, schützt nämlich Eltern gerade in dieser heiklen Lebensphase überhaupt nicht. Dadurch fallen viele Eltern in eine Schutzlücke.

Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG)

Diese Gesetzeslücke kann sowohl für Mütter als auch für Väter nach der Elternzeit fatale Folgen, wie beispielsweise eine Kündigung, haben. Unfassbar, dass so eine Gesetzeslücke im Jahre 2021 immer noch existiert.

Rechtsanwältin Sandra Runge bringt es auf den Punkt: "Es ist absurd! Wir haben 20 Millionen Eltern in diesem Land, und wir fangen jetzt erst an, darüber zu reden, wie man sie nach dem Wiedereinstieg schützen kann".

Daher gibt es nun eine Petition für mehr Elternrechte, die von 'BRIGITTE', dem Magazin 'ELTERN' und der Initiative #proparents ins Leben gerufen wurde. Tausende Eltern haben die Petition zur Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes bereits unterzeichnet, damit Elternschaft als Diskriminierungsmerkmal ins AGG aufgenommen wird!

Wir finden, diese Änderung ist längst überfällig und unterstützen die Aktion aus tiefster Überzeugung. Denn Frauen sollen sich weiterhin dafür entscheiden können, Kinder zu bekommen. Jedoch sollten sie dann auch gesetzlich davor geschützt sein, finanziell und beruflich benachteiligt zu werden.

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So kannst du etwas ändern

Die Politik soll durch die Petition dazu bewegt werden, die Elternschaft im Antidiskriminierungsgesetz aufzunehmen. Es sollen so viele Stimmen wie möglich gesammelt werden, um das Anliegen offiziell beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags einzureichen. Die Petition läuft bis zum 31. Mai 2021. Hier kannst du sie unterzeichnen! Jede Stimme zählt!