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Haltet doch mal die Luft an! Darum sind Kinderserien nicht grundsätzlich sexistisch

Anne Walkowiak
von Anne Walkowiak Veröffentlicht am 30. September 2018
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Bei 'Peppa Wutz', 'Wicki und die starken Männer', 'Paw Patrol' oder 'Bob der Baumeister' stehen Frauen nur helfend neben einem Mann. Aber trichtern sie unseren Kindern deshalb längst überholte Rollenbilder ein und sind sogar sexistisch?

Als ich letztens einen Beitrag las, in dem sich eine Mutter darüber beschwerte, wie sexistisch und klischeehaft doch die Kinderserie 'Peppa Wutz' sei, bin ich fast explodiert. Versteht mich nicht falsch, ich konnte durchaus nachvollziehen, worum es der Mutter in ihrem Kommentar ging. Ihren Kerngedanken - nämlich die Ablehnung eines traditionellen Rollenbildes mit arbeitendem Papa und den Haushalt führender Mama - habe ich verstanden und teile ihn auch.

Was ich aber nicht nachvollziehen kann ist, dass heute alles im Verdacht steht, unseren Kindern falsche Werte und Rollenbilder zu vermitteln. Und ich will euch auch sagen warum.

Das Beispiel 'Peppa Wutz'

Bei 'Peppa Wutz' geht es beispielsweise um das kleine Schweinemädchen Peppa, das gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Schorsch und seinen Eltern Mama und Papa Wutz große und kleine Abenteuer erlebt. Während Papa Wutz arbeiten geht, kümmert sich Mama Wutz um Kinder und Haushalt. Ein sehr traditionelles und vereinfachtes Rollenbild, für die Zielgruppe der unter Sechsjährigen.

Man könnte jetzt argumentieren, dass es überholt ist, dass Mama-Wutz zu Hause ist, kocht, einkauft, wäscht und die Kinder versorgt, während Papa Wutz Fußball spielt, arbeitet und immer das Familienauto fährt. Muss man aber gar nicht, denn es ist definitiv eine überholte Darstellung der Geschlechterrollen. ABER - und ja, das aber ist extra groß - das ist verdammt nochmal eine Zeichentrickserie mit sprechenden und arbeitenden Schweinen. Es ist nicht das echte Leben. Das versteht auch ein Kind unter sechs Jahren.

Nicht das Fernsehen vermittelt Rollenbilder, sondern Eltern

Denn wenn man es doch genau betrachtet, vermittelt nicht das Fernsehen, ein Buch oder Kinofilm Kindern Geschlechterrollen, Grenzen und Möglichkeiten, sondern ich tue das, mit meinem Verhalten. Und auch mein Mann tut das, mit seinem Verhalten. Und auch ihr tut das, mit eurem Verhalten.

Eltern leben ihren Kindern Rollen vor, nicht das Fernsehen. Oder würdet ihr sagen, dass die Kinderserien, die ihr früher geschaut habt, euch in eurem Frau-Sein beeinflusst haben? Denn wenn das so wäre, würde ich heute ein weitgehend autarkes Leben auf einer Farm leben, hübsche Kleider tragen und meinen Mann jeden morgen zur Arbeit verabschieden, so wie Caroline Ingalls in 'Unsere kleine Farm'.

Ich bin groß geworden in einer Familie, in der beide Eltern Vollzeit arbeiten waren, von klein auf. Und wenn Mama morgens schon weg war, hat Papa uns die Haare geflochten, das Butterbrot geschmiert und uns in die Schule verabschiedet. Und am Wochenende hat Papa Mittagessen gekocht oder Staub gesaugt oder den Einkauf erledigt. An anderen Tagen hat Mama das gemacht. Das waren die Vorbilder, die mich geprägt haben. Und ich habe das nie in Frage gestellt oder als besonders empfunden.

Erst später wurde mir bewusst, dass die "Arbeitsaufteilung", so wie meine Eltern sie geregelt hatten, nicht alltäglich ist. Und erst später habe ich verstanden, dass Frauen und Männer anders behandelt werden. Aber das hat mir keine Serie oder ein Film vermittelt, sondern das echte Leben abseits eines Bildschirms.

Nur über das Problem zu sprechen hilft nicht!

Frauen werden bei gleichen Qualifikationen immer noch schlechter bezahlt als Männer, Frauen sind in Vorständen immer noch unterrepräsentiert und Frauen werden immer noch in handwerklichen oder technischen Berufen belächelt. Aber daran sind nicht Kinderserien Schuld, sondern unsere Gesellschaft.

Wir müssen Kinder wissen lassen, dass ALLE Menschen gleich behandelt werden müssen und ALLE Menschen das Recht haben, zu sein und zu werden, was oder wer sie wollen. Das schaffen wir, indem wir es ihnen vorleben, mit ihnen darüber sprechen und mit ihnen gemeinsam Ungerechtigkeiten ausfindig machen und bekämpfen.

Aber das schaffen wir nicht, wenn wir neben unseren Kindern auf der Couch sitzen und uns darüber beschweren, welchen sexistischen Quatsch sie sich da angucken.

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