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Ausgenutzt, ausgebeutet, missbraucht: Ein ehemaliges Teenie-Model packt aus

von Nadine Jungbluth Erstellt am 24. Februar 2014
Ausgenutzt, ausgebeutet, missbraucht: Ein ehemaliges Teenie-Model packt aus© Youtube

Junge Mädchen posieren halbnackt vor der Kamera, aufgestylt wie erwachsene Frauen. Viele Fashion-Models in den Magazinen sind gerade einmal 15 oder 16 Jahre alt! Welche schrecklichen Dinge sie tagtäglich erleben müssen, berichtet nun ein ehemaliges Teenie-Model.

Sie posieren halbnackt vor Kameras, verbringen ihre Nächte auf Fashion-Partys und reisen um die ganze Welt - ohne ihre Eltern! Die Rede ist von Teenie-Models. Junge Mädchen, die gerade einmal 14, 15 oder 16 Jahre alt sind und auf den Durchbruch als Nachwuchsmodel hoffen. Ganze 54 % der Models beginnen bereits mit 16 oder jünger mit dem Modeln. Doch statt Glamour-Leben erwartet sie der harte Alltag des Model-Business. Körperliche Höchstanstrengung, jede Menge Überstunden und schmierige Typen, die sich an sie ranmachen!

Eine, die das alles am eigenen Leib erfahren musste, ist Model Jennifer Sky. In einem ehrlichen und mutigen Video wendet sie sich nun an die Öffentlichkeit und erzählt ihre traurige Geschichte:

"Ich war ein Teenie-Model. Dieser Satz ruft meistens kein Mitgefühl hervor. Die Leute verbinden es mit großem Glück und einem glamourösen Lebensstil. Niemand denkt bei dem Wort Fashion-Model an das Drama, das wirklich dahinter steckt.

Mit 14 verließ ich mein Zuhause und ging nach Japan, Italien, Frankreich, Mexiko, New York. Meine Agentur hatte meinen Eltern versprochen, ich hätte Begleitpersonen und Aufpasser, doch die Realität sah anders aus: Fremdsprachen, die ich nicht verstand. Karriereentscheidungen ohne Hilfe von Erwachsenen. Und sexuelle Belästigungen!

Umgeben von Erwachsenen wurde ich in eine Umgebung gesteckt, mit der eine 14-Jährige noch gar nicht umgehen kann. Ich arbeitete viele Stunden, bis spät in die Nacht. Einmal musste ich in einem Pool mit eiskaltem Wasser stehen, bis ich blau anlief.

Die Konsequenz: Meine eigentlich aufgeschlossene Persönlichkeit veränderte sich. Ich zog mich zurück und wurde schreckhaft. Es fiel mir auf einmal schwer, an neue Orte zu reisen, in immer neuen Restaurants zu essen oder in Supermärkten einzukaufen. Ich wurde so verunsichert, dass ich nicht einmal mehr reden konnte.

Ich habe 20 Jahre gebraucht, um zu verstehen, was damals mit mir passiert ist. Damals dachten alle, ich setze nur mein cooles Modelgesicht auf, doch in Wirklichkeit litt ich an einer ernsthaften Krankeit - einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Diese Erlebnisse hatte ich in den frühen 90er Jahren. Doch es ist schockierend, wie wenig sich in der Fashion-Industrie verändert hat. Die Textilbranche erwirtschaftet weltweit bis zu 2,5 Billionen Dollar pro Jahr. Doch sie bleibt weitgehend unkontrolliert. 54 % der Models starten bereits mit 16 oder jünger! Die Agenturen werben Mädchen bereits mit 13 Jahren an! Viele der Bilder in euren liebsten Mode-Magazinen zeigen kleine Mädchen, die als Erwachsene gestylt sind. Provokation ist die Sprache der Mode und mit Billionen-Gewinnen - warum sollte sich in der Branche etwas ändern?

Weil Kindern Schaden zugefügt wird! Doch wir schlagen zurück! In New York wurde nun ein Gesetz erlassen, dass Kinder-Models die gleichen Rechte garantiert wie anderen Kinder-Arbeitern. Arbeitsstundenbeschränkung an Abenden unter der Woche und generelle Arbeitsstundenbeschränkungen am Set. Doch wir fordern ein allgemeingültiges Gesetz, welches den Models Begleitpersonen und Tutoren zusichert, sowie dafür sorgt, dass das Gehalt der Kinder sinnvoll angelegt wird, um Kinder im ganzen Land zu schützen! Speziell Fashion-Models! Diese Kinder brauchen Unterstützung, denn wir können uns nicht darauf verlassen, dass die profitgierigen Konzerne das tun, was für die Kinder am besten ist. Es liegt in unseren Händen, dass sich etwas verändert! Bitte helft mir bei meinem Kampf gegen diesen Missbrauch von Kindern."

Jennifers Geschichte zeigt, wie hart es tatsächlich für junge Mädchen in der Modelbranche ist. Sicherlich ist es wichtig, die Mädchen vor dieser Ausbeute zu schützen. Doch die generelle Frage, die wir uns stellen: Warum muss Mode, die für Frauen ist, überhaupt an Kindern präsentiert werden? Warum müssen sich minderjährige Mädchen in lasziven Posen vor der Kamera räkeln? In was für einer Gesellschaft leben wir, in der eine Frau ab 20 bereits als 'zu alt' für das Modelgeschäft gilt?

Wir hoffen, dass durch Jennifers Geschichte die Welt auf die Problematik aufmerksam gemacht wird und sich vielleicht in Zukunft doch etwas ändern wird.

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