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Bambi-Verleihung 2011: Bushido stammelt von Integration

von Julia Windhövel Veröffentlicht am 11. November 2011

Strahlend schöne Stars, bewegende Reden und tolle Stimmung: Bei der diesjährigen Bambi-Verleihung, die am 10. November 2011 in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden stattfand, gaben sich rund 800 Stars und Sternchen die Klinke in die Hand.

Seit 1948 findet die Bambi-Verleihung jährlich statt. Doch nie wahr die Stimmung ähnlich aufgeladen und die Verleihung eines Bambis ähnlich kontrovers diskutiert wie in diesem Jahr.

Der Grund des Zwists: Rapper Bushido, der zu Beginn seiner Karriere vor allem mit frauen- und schwulenverachtenden Texten auf sich aufmerksam machte, sollte den Bambi für 'gelungene Integration' erhalten.

Burda rechtfertigt Bushidos Preis
Bushido ist der Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers. Er ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Doch für das Medienunternehmen Burda scheint dies kein Grund zu sein, ihm keinen Bambi für erfolgreiche Integration zu verleihen. Ebenso wenig wie der Fakt, dass der 33-Jährige immer wieder mit menschenverachtenden Rap-Zeilen auffiel. "Musik ist eine Kunstform, der bewusste Tabubruch ein Stilmittel des Raps", argumentierte der Verlag am Vortag der Verleihung.

Peter Plate wurde an diesem Abend mit dem Bambi für sein 'Comeback' geehrt. Was dem homosexuellen Musiker der Band Rosenstolz während Bushidos Ehrung durch den Kopf ging, lässt sich anhand seiner Worte, die er live an das Publikum richtete, erahnen: "Ich möchte morgen noch in den Spiegel schauen können", sagte er. Plate sprach von einer zweiten Chance, die jeder verdient habe, gab aber auch zu bedenken, dass jemand, der Texte wie Bushido schreibe und propagiere, keinen Preis erhalten solle.

Bushido hält von Kritik nicht viel
Bushido indes ließ jegliche Kritik von sich abprallen. Mit dem Abdruck des roten Kussmundes seiner Freundin Anna-Maria Lagerblom auf der Wange, hatte der Rapper keine Lust, sich für den Preis zu rechtfertigen. Stattdessen sprach er mehr schlecht als recht - seine Rede hatte er offenbar nicht einstudiert - davon, dass er immer gern mehr für Integration getan hätte. Ihn habe nur nie jemand gefragt.

Warum ausgerechnet Bushido den Bambi für 'gelungene Integration' bekommen hat, weiß wohl nur die Jury des Burda-Verlags. Denn selbst sein Laudator Peter Maffay wusste nicht wirklich etwas über den Rapper zu sagen: "Wir kennen uns zu wenig", so Maffay, "aber wir sind beide Musiker." Wenn das allein reicht, um eines der goldenen Rehe in der Hand halten zu dürfen, dann Gute Nacht, Bambi.


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