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Ayurveda-Ernährung: Körper und Geist in Einklang bringen

Christina Cascino
von Christina Cascino Veröffentlicht am 14. Juni 2018
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Die mehr als 5000 Jahre alte Heilkunst Ayurveda soll den Körper entgiften und vor Krankheiten schützen. Dazu gehört neben Meditation ganz besonders auch die richtige Ernährung.

Ayurveda ist eine uralte indische Heilkunst und bedeutet übersetzt "Wissen vom Leben". Das ganzheitliche Gesundheitssystem findet seine Anwendung bei Stress, Hektik, Arbeitsbelastung oder ungesunder Ernährung. Auch bei Kopf- und Rückenschmerzen, Magenbeschwerden, Gelenkproblemen und Nervosität soll die ayurvedische Lehre helfen.

Nach der alten Heilkunst entstehen nämlich Krankheiten dann, wenn Körper und Seele aus dem Gleichgewicht geraten sind. Dabei geht es nicht um einzelne Beschwerden, sondern um den Menschen in seiner Gesamtheit. Die ayurvedische Lehre basiert dabei auf den drei "Doshas" Vata, Pitta und Kapha. Neben Massagen, Ölgüssen, Meditation und pflanzlichen Heilmitteln soll auch eine speziell typgerechte Ernährung Körper, Geist und Seele wieder in Balance bringen.

Die drei Doshas: Vata, Pitta und Kapha

Die drei Doshas bündeln die fünf Elemente Feuer, Erde, Wasser, Luft und Äther (Element Raum) in sich, die jeder Mensch in sich trägt. Allerdings ist die Gewichtung der einzelnen Elemente von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ob jemand zum Typ Vata, Pitta oder Kapha gehört, lässt sich anhand von Körpertemperatur, Körperbau, Haut, Appetit und der Wärme- und Kältetoleranz feststellen.

Vata-Typen gehören zu den Elementen Luft und Äther als Symbol für Bewegung. Pitta steht im Zusammenhang mit den Elementen Feuer und Wasser als Prinzip der Transformation und des Stoffwechsels. Kapha ist mit den Elementen Erde und Wasser als Prinzip von Stabilität und Substanz verbunden. Nur wenn alle drei Doshas gleich stark sind, dann sind Körper und Seele im Gleichgewicht.

Bei der ayurvedischen Ernährung werden die Menschen nach den drei Doshas unterschieden. So sollen wir nur Nahrung zu uns nehmen, die unserem Typ entspricht.

  • Ein Vata-Typ soll zum Beispiel auf blähende Speisen wie Kohl oder gereiften Käse verzichten
  • Pitta-Menschen sollten weniger scharf, sauer und salzig essen.
  • Kapha-Typen sollten dagegen zu herben, scharfen Lebensmitteln und viel Obst und Gemüse greifen.

Die wichtigsten Tipps zur Ayurveda-Ernährung

Bei der ayuervedischen Ernährung geht es nicht um Verzicht, sondern die passenden Lebensmittel für seinen Körper und Geist aufzunehmen. Auf dem Speiseplan stehen dabei vor allem frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Getreide, Milch und Milchprodukte sowie Öl und Ghee. In Maßen können auch Fleisch, Fisch und Eier gegessen werden, denn eine ayurvedische Ernährung muss nicht rein vegetarisch sein. Allerdings sollten keine tierischen Eiweiße (Fleisch, Fisch, Eier und Milch) miteinander kombiniert werden, da dieses zu Stoffwechselschlacken führen kann.

Milch wird im Ayurveda generell als eigenständiges Nahrungsmittel angesehen, das weder mit Salzigen noch Saurem, Blattgemüse und vor allem nicht mit frischen Früchten zusammen gegessen werden sollte. Besser ist die Kombination mit Hülsenfrüchten wie Kichererbsen und Linsen. Obst sollte generell allein verzehrt werden, da es sonst zu Gärungsprozessen im Verdauungstrakt führen kann. Alkohol, Kaffee, Weißmehl und Zucker sowie industriell verarbeitete Lebensmittel sollten möglichst komplett gemieden werden.

Weitere Tipps, die ihr beachten solltet, erfahrt ihr hier:

1. Ausreichend trinken

Vergesst die Empfehlung, vor dem Essen ein großes Glas Wasser zu trinken, um den Appetit zu zügeln. Laut ayurvedischer Ernährungslehre sollte eine halbe Stunde vor und nach einer Mahlzeit nicht getrunken werden, denn damit verdünnt ihr eure Verdauungssäfte. Wer nicht komplett auf ein Getränk zum Essen verzichten möchte, sollte ein kleines Glas warmes Ingwer-Wasser trinken. Auch gut: Goldene Milch! Goldene Milch: Das gesunde Trend-Getränk direkt aus der Feen-Küche

Allgemein gilt: Täglich 30 ml pro kg Körpergewicht trinken. Bei einer 60 kg schweren Person wären das 1,8 Liter. Mehr sollten es laut ayurvedischen Lehre nicht sein.

2. Bewusst essen

Auch wenn es noch so lecker ist, solltet ihr euer Essen nicht einfach in euch hineinschlingen. Kaut jeden Bissen 30 Mal. So wird die Nahrrung richtig zerkleinert, mischt sich mit den Verdauungsenzymen aus dem Speichel und schont den Magen.

Positiver Nebeneffekt: Ihr schmeckt die einzelnen Komponenten viel bewusster und könnt besser feststellen, wann ihr wirklich satt seid.

3. Nur bei Hunger essen

Aus Gewohnheit, aus Langeweile oder aus Geselligkeit - es gibt so viele Gründe, wieso wir immer wieder zum Essen greifen und das obwohl wir eigentlich gar keinen Hunger haben. Nach Ayurveda sollten wir nur dann essen, wenn wir wirklich Hunger haben. Denn nur dann ist der Körper und der Verdauungstrakt bereit zur Nahrungsaufnahme.

4. Qualität und Frische

Bei der ayurvedischen Ernährung ist eine hohe Qualität der Zutaten Pflicht. Je frischer die Lebensmittel, umso gesünder sind sie für unseren Körper. Greift also mehr zu regionalen und saisonalen Produkten, wenn möglich in Bio-Qualität.

Zudem sollten laut Ayurveda die Lebensmittel schonend zubereitet werden und am besten warm verzehrt werden. Rohkost kommt in der ayurvedischen Küche nur selten vor, da diese nur schwer zu verdauen ist. Süße Speisen sollten vor der Hauptmahlzeit gereicht werden.

5. Nicht mehr als zwei bis drei Mahlzeiten am Tag

In der Ayurveda-Ernährung heißt es, dass man nicht mehr als zwei bis drei Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen sollte. Die Hauptmahlzeit sollte dabei mittags eingenommen werden (vor allem Rohkost sollte nach 15 Uhr nicht mehr verzehrt werden), zwischen den Mahlzeiten sollten im besten Fall vier bis fünf Stunden liegen, damit alles gut verdaut werden kann.

Lasst die Finger von Zwischenmahlzeiten, denn wenn erneut Essen nach kommt, wird der Verdauungsprozess in dem Moment unterbrochen und der Körper speichert die Nahrung als Fett an. Zudem sollte der Magen nicht überladen werden. Heißt konkret: Der Magen sollte nur zu einem Drittel mit fester Nahrung gefüllt sein, ein Drittel mit flüssigen oder weicheren Speisen und zu einem Drittel frei bleiben.

6. Nie in Eile essen

Ihr sollt euer Essen in Ruhe genießen und nicht noch nebenbei den Haushalt machen oder Fernsehen schauen - ganz nach dem buddhistischen Satz "Wenn du isst, dann esse."

Gewürze sind wichtig für Körper und Seele

Eine große Rolle in der ayurvedischen Küche spielen Gewürze, denn die sollen uns gesund machen, das körpereigene Abwehrsystem stärken und Heilung für allerlei Krankheiten bringen. Ganz unabhängig von seinem Dosha sollte jede ayurvedische Mahlzeit die sechs Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, herb, bitter und scharf enthalten.

Die zehn wichtigsten Gewürze der ayuvedischen Küche sind Nelken, Kurkuma, Ingwer, Kardamom, Koriander, Kreuzkümmel, Muskat, Pfeffer, Safran und Zimt. Safran zum Beispiel soll dank seines enthaltenen Carotinoids eine krebsvorbeugende Wirkung haben und Kardamom regt die Verdauung an.

Ayurveda-Kur: Wohlfühlprogramm für Körper und Geist

Wer allein von der Ayurveda-Ernährung noch nicht genug hat und mal so richtig zur Ruhe kommen möchte, sollte es mal mit einer Ayurveda-Kur probieren. Dazu müsst ihr nicht einmal mehr bis nach Indien oder Sri Lanka fahren, denn mittlerweile gibt es auch zahlreiche Wellnesshotels in Deutschland, die solche Ayurveda-Kuren mit geschulten Therapeuten und einem ausgebildeten Ayurveda-Arzt anbieten.

Für eine intensive Ayurveda-Kur solltet ihr euch mindestens fünf Tage Zeit nehmen. Denn der Körper braucht Zeit, um sich auf die Behandlung einzustimmen und ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Körper und Seele wiederherzustellen.

Super einfache Ayurveda Rezepte zum Genießen

Khichdi - die indische Variante des Milchreis

Ihr braucht:

  • 100 Gramm Reis
  • 100 Gramm geschälte Mungbohnen
  • 100 Gramm grüne Bohnen
  • 3 EL Ghee
  • 2 Tomaten
  • Kleines Stück frischen Ingwer
  • 1 grüne Chili
  • 6 Stängel Koriandergrün
  • 1/2 TL Kreuzkümmelsamen
  • 1/2 TL Senfsamen
  • 1 Messerspitze Kurkumapulver
  • Salz

So geht´s:

  • Reis und Mungbohnen etwa 30 Minuten im kalten Wasser einweichen, Bohnen fein schneiden.
  • Ghee in einem Topf erwärmen, Kreuzkümmel und Senfsamen erhitzen, bis sie platzen. Reis, Mungbohnen und grüne Bohnen dazu geben, mir Kurkuma und Salz abschmecken.
  • Mit heißem Wasser aufgießen, sodass die Mischung gut bedeckt ist. Aufkochen lassen, anschließend bei schwacher Hitze etwa 20 Minuten köcheln lassen, bis der Reis weich ist.
  • Tomaten in kleine Würfel schneiden, Chilis und Ingwer fein hacken und zusammen mit dem Koriander unter die Reis-Bohnen-Maße mischen. Fertig.

Ghee: Der Klassiker in der Ayurveda Ernährung

Ghee, im Deutschen auch geklärte Butter, gilt in der ayurvedischen Küche als Allheilmittel, das nicht nur gegessen, sondern auch äußerlich angewendet wird.

Ihr braucht:

500 Gramm biologische süße Butter

So geht´s:

  • Butter in einem Topf aufkochen, danach etwa 45 Minuten leicht köcheln lassen. Dabei das aus der Butter aufsteigende Eiweiß mit einer Kelle immer wieder abschöpfen, bis die Butter klar ist. Die Butter sollte eine goldgelbe, klare Konsistenz haben.
  • Anschließend durch ein mit einem Tuch bedecktes Sieb gießen und anschließend in Gläser umfüllen.

Indisches Linsencurry

Ihr braucht:

  • 250 Gramm Linsen
  • 3 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 walnussgroßes Stück Ingwer
  • 3 EL Öl
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • 1 TL Kurkuma
  • Curry, Salz, Pfeffer
  • Koriander

So geht´s:

  • Zwiebeln und Knochlauch fein würfeln, Ingwer fein reiben.
  • ÖL im Topf erhitzen, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer scharf anbraten. Gewürze hinzugeben.
  • Anschließend die Linsen und 1/2 L Wasser hinzugeben. Etwa 30 Minuten garen lassen.
  • Korianderblätter abzupfen und auf dem fertigen Curry anrichten.

Paneer - der indische Frischkäse

Paneer kann als Zutat für viele weitere Ayurveda-Rezepte genutzt, aber auch pur verzehrt werden. Er ist etwas fester als der "normale" Frischkäse.

Ihr braucht:

  • 1 Liter Milch
  • 2 EL Apfelessig oder Zitronensaft
  • Salz

So geht´s:

  • Milch im Topf zum Kochen bringen, Salz und Apfelessig unterrühren, Topf vom Herd nehmen.
  • Geschirrtuch in ein Metallsieb legen und auf eine Schüssel stellen.
  • Die Masse einfüllen. Die Molke läuft nach unten in die Schüssel, das Paneer bleibt im Tuch. Mit einem Löffel nachdrücken, bis keine Molke mehr im Tuch vorhanden ist. Je weniger Flüssigkeit im Paneer, umso besser.
  • Paneer im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von fünf Tagen verzehren.

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