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Kontaktlinsen: Behalten Sie den Durchblick!

von Redaktion Veröffentlicht am 25. Februar 2010
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Kontaktlinsen sind eine sensationelle Erfindung. Statt der Sehschwäche mit klobigen Brillengestellen beizukommen, greift man einfach zur kleinen geschliffenen Linse und setzte sie sich unauffällig aufs Auge. Geschätzte 100 Millionen Menschen mit Sehschwäche gehören weltweit zu den Gestell-Verweigerern. Bedenkt man, dass Kontaktlinsen erst seit wenigen Jahrzehnten industriell hergestellt und zu vertretbaren Preisen vertrieben werden, ist das eine gewaltige Zahl.
Kontaktlinsen: Was macht sie so beliebt?
Die Idee, die Sehhilfe in Form von Haftschalen direkt aufs Auge zu bringen, liegt nahe. Kontaktlinsen rutschen nicht von der Nase, Kontaktlinsen schränken nicht das Sichtfeld ein, Kontaktlinsen erlauben dem Sonnenanbeter, sich im gesamten modischen Spektrum der Sonnenbrillen zu bedienen … Und, wohl einer der wichtigsten Faktoren: Viele Leute mögen es einfach nicht, wenn ihnen aus dem Spiegel plötzlich ein Brillengesicht entgegenschaut.

Für nahezu alle Varianten von Fehlsichtigkeit gibt es Kontaktlinsen. Die meisten Kontaktlinsen werden bei Kurzsichtigkeit eingesetzt, aber auch bei Weitsichtigkeit. Es gibt harte Kontaklinsen, es gibt weiche und torische Kontaktlinsen (etwa bei Hornhautproblemen) und natürlich gibt es auch Kontaktlinsen gegen Alterssichtigkeit. Inzwischen kann man mit Hilfe von Kontaktlinsen auch seine Augenfarbe verändern, in diesem Fall haben die Linsen einen rein kosmetischen Zweck.

Kontaktlinsen: Was ist zu beachten?
Obwohl es für nahezu alle Lebenslagen Kontaktlinsen gibt, müssen bei der Verwendung von Kontaktlinsen bestimmte Regeln beachtet werden. Das beginnt mit der Hygiene: das Einsetzen und Herausnehmen der Kontaktlinsen (bei den ersten Versuchen mitunter recht mühsam) darf nur mit sorgfältig gewaschenen Händen vorgenommen werden. Die Kontaktlinsen selbst sind absolut hygienisch zu behandeln. Bei längerer Tragedauer können sich bei unzulänglicher Reinigung Bakterien bilden, die für unangenehme Augenentzündungen sorgen.

Wer Kontaktlinsen trägt, merkt rasch, wie sehr er auf seine Tränenflüssigkeit angewiesen ist. Bei allzu trockener Luft oder bei zu langem Sitzen vor dem Computer-Bildschirm werden die Augen schnell trocken. Träger von Kontaktlinsen können mit Kochsalzlösungen Tränenflüssigkeit ersetzen und dabei Kleinstpartikel, die ins Auge geraten sind, herausspülen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Haltbarkeit. Für Kontaktlinsen gilt eine maximale Tragedauer, die von Linse zu Linse variiert; eine Kontaktlinse darf also nur über einen bestimmten Zeitraum hinweg benutzt werden. Haben die Kontaklinsen das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, sollten sie nicht mehr eingesetzt werden.

Kontaktlinsen: Eine Erfolgsgeschichte
Versucht man, die Geschichte der Kontaktlinse zurückzuverfolgen, landet man bei einer Zeichnung von Leonardo da Vinci! Allerdings kann da Vinci im frühen 16. Jahrhundert seine Idee der Sehhilfe noch nicht umsetzen. Auch der Philosoph René Descartes glaubte, dass ihm die Linse das Leben erleichtern würde – das war 1636. Mit der Entwicklung der Brille kamen immer wieder Bastler und Wissenschaftler auf die Idee, kleine künstliche Linsen direkt auf das Auge zu bringen.

Anfang des 19. Jahrhunderts versuchte der englische Mediziner Thomas Young, sich mit Brachialgewalt eine Linse einzusetzen, indem er sie mit Wachs auf seinem Auge befestigte. Von "Kontaktlinsen" ist seit Ende des 19. Jahrhunderts die Rede. Im Zuge der Behandlung verschiedenster Augenkrankheiten gelang es mehreren Wissenschaftlern, darunter August Müller und Adolf Eugen Fick, mit Kontaktlinsen die Seefähigkeit ihrer Patienten zu verbessern. Allerdings arbeitete man damals mit recht großen Kontaktlinsen aus Glas, an die sich die Kontaktlinsen-Träger kaum zu gewöhnen vermochten – und das bruchanfällige Glas der Kontaktlinsen führte zu erheblichen Verletzungen.

Weitere Fortschritte in der Entwicklung von Kontaktlinsen lassen sich im frühen 20. Jahrhundert verzeichnen: präziser geschliffene und verträglichere Haftgläser bot etwa die Firma Carl Zeiss Jena an. Noch wichtiger war die Entwicklung moderner Kunststoffe in den USA in den 20er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es, erstmals weiche Kontaktlinsen herzustellen. Es wurde mit ganz unterschiedlichen Materialien getestet und getüftelt: Glas, Kunststoff aus dem Flugzeugbau, Plexiglas, Silikonkautschuk … der Chemiker Otto Wichterle aus der Tschechoslowakei beginnt in den 50er Jahren mit Kontaktlinsen aus Gelen zu arbeiten, die ihr Volumen vergrößern, sobald sie mit Wasser in Berührung kommen. 1961 erfindet er die erste Maschine, die seine Kontaktlinsen in Serie produziert.

Kontaktlinsen: Die Qual der (Aus-)Wahl
Der heutige Kontaktlinsen-Markt ist riesig, es gibt eine große Vielfalt verschiedenster Kontaktlinsen, und auch die Fortschritte, die gemacht werden, um den Tragekomfort zu erhöhen, sind nach wie vor beachtlich. "Weich" sind Kontaktlinsen inzwischen im Grunde alle. Wenn von "harten" Kontaktlinsen die Rede ist, sind formstabile Kontaktlinsen aus einem speziellen Kunststoff gemeint: Sie zeichnen sich durch eine mehrjährige Haltbarkeit aus und können auch bei Unregelmäßigkeiten der Hornhaut eingesetzt werden. Harte Kontaktlinsen werden auch heute noch individuell angepasst.

Weiche Kontaktlinsen gelten als verträglicher als harte Kontaktlinsen, die Eingewöhnungszeit ist für den Träger kürzer, allerdings wird empfohlen, diese Kontaktlinsen öfter zu wechseln. Weiche Kontaktlinsen sind anfälliger für Verunreinigungen, auch deshalb müssen sie nach einer kürzeren Tragezeit durch neue Linsen ersetzt werden.

Eine spannende und noch junge Entwicklung ist die der OK-Kontaktlinse. Diese Kontaktlinsen werden über Nacht getragen, bearbeiten quasi im Schlaf die Hornhaut, sodass tagsüber weder Kontaktlinsen noch andere Seehilfen benötigt werden.

Daneben gibt es die VT-Linsen. Diese Kontaktlinsen können wegen ihrer hohen Sauerstoffdurchlässigkeit ohne nächtliche Unterbrechung mehrere Wochen durchgetragen werden. Da es mitunter zu Komplikationen kommt, sollte unbedingt ein Augenarzt zu Rate gezogen werden und das Für und Wider der VT-Linse genau abgewogen werden.

Für Allergiker, die die Reinigungssubstanzen für Kontaktlinsen nicht vertragen, gibt es Tageslinsen, die als Einweg-Linsen funktionieren.

von Redaktion