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Vitamin C und Co.: Was bringen Nahrungsergänzungsmittel wirklich?

Christina Cascino
von Christina Cascino Veröffentlicht am 30. Juli 2018
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Der Markt der Nahrungsergänzungsmittel boomt! Viele Menschen greifen regelmäßig zu Vitaminen, Mineralstoffen und Co. - das Angebot an Präparaten ist riesig. Aber brauchen wir Nahrungsergänzungsmittel wirklich?

Stress im Alltag und nur Zeit für Fast Food - für viele ein Grund, zur Multivitamintablette zu greifen. Schließlich enthält sie alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe hoch dosiert. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nimmt knapp ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel, die Mineralstoffe und Vitamine enthalten. Doch wie sinnvoll sind solche Präparate wirklich?

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel sehen aufgrund ihrer Form aus wie Arzneimittel, rein rechtlich sind sie jedoch den Lebensmitteln zugeordnet und fallen damit unter das Lebensmittelgesetz. Als kleine Kapsel oder dosiertes Pulver enthalten sie Vitamine, Mineralstoffe oder Aminosäuren und sollen, wie der Name verrät, unsere normale Nahrung ergänzen.

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Da Nahrungsergänzungsmittel zu den Lebensmitteln gehören, müssen sie nicht wie Arzneimittel zugelassen werden. Sie werden lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) registriert. Für die Sicherheit und korrekte Auszeichnung sind allein die Hersteller verantwortlich. Zusätzlich kontrollieren die Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer das Angebot.

Nahrungsergänzungsmittel dürfen nicht dazu bestimmt sein, Krankheiten zu heilen oder zu vermeiden. Auf ihrer Packung oder in der Werbung dürfen sie dieses auch nicht versprechen.

Welche Nahrungsergänzungsmittel gibt es?

Zu den am weitesten verbreiteten Nahrungsergänzungsmitteln gehören Vitamine wie Vitamin C oder die B-Gruppe, sowie Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Calcium. Teilweise werden sie einzeln angeboten, aber es sind auch Multivitaminpräparate oder Kombinationen von Nährstoffen für beispielsweise schöne Haare oder starke Fingernägel erhältlich. Daneben gibt es vitaminähnliche Stoffe wie Coenzym Q10, Fettsäuren, zu denen auch Omega-3-Fettsäuren zählen oder Aminosäuren wie L-Carnitin, die gerne für Sportler oder zum Abnehmen angeboten werden. Auch sekundäre Pflanzenstoffe, wie Phytosterine und Pflanzenextrakte, werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

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Fitter, schlanker, gesünder: Was können Nahrungsergänzungsmittel wirklich?

Ein Schnupfen naht und schnell wird zur Vitamin C-Brausetablette gegriffen - doch kann das den Schnupfen wirkungsvoll verhindern? Leider nicht. Vitamin C ist zwar ausgesprochen wichtig für unser Immunsystem, doch unser Körper ist nicht in der Lage es in größerer Menge zu speichern. Sprich, nehmen wir mit einem Nahrungsergänzungsmittel mehr auf, als wir tatsächlich benötigen, dann scheidet der Körper einen guten Teil des überschüssigen Vitamin C einfach wieder aus.

Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt daher: "Besser als Vitamin C in Tablettenform sind frische Früchte. Schon mit zwei großen Kiwis am Tag decken Sie Ihren kompletten Bedarf."

Schneller Eiweißboost für Sportler

Bei einem Wadenkrampf greifen viele schnell zu Magnesium. Denn Magnesium entkrampft und soll dem Schmerz ein Ende bereiten. Leider hilft auch hier das Nahrungsergänzungsmittel nur bedingt. Denn damit es entkrampft, muss es regelmäßig eingenommen werden. Zudem sind die in der Drogerie erhältlichen Produkte meist zu niedrig dosiert.

Hobbysportler sind schnell der Meinung, dass sie eine Extra-Portion Eiweiß als Nahrungsergänzungsmittel benötigen. Der Bedarf wird jedoch über die normale Ernährung ausreichend gedeckt. Silke Restemeyer: "Der einfache Freizeitsportler benötigt kein extra Protein. Lediglich Leistungssportler, die mehrere Stunden pro Tag hart trainieren, benötigen eine erhöhte Proteinzufuhr. Doch auch diese lässt sich durch eine ausgewogene Ernährung decken."

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Brauchen wir die Powerstoffe wirklich?

Beliebt sind Nahrungsergänzungsmittel mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Schließlich soll hier eine Tablette alles enthalten, damit man gesund und munter durch den Tag kommt. Silke Restemeyer jedoch rät davon ab: "Diese Präparate sind wenig sinnvoll. Denn die gleichzeitige Aufnahme der verschiedenen Nährstoffe ist für den Körper nicht immer gut. So wird beispielsweise die Aufnahme von Eisen durch eine gleichzeitig hohe Aufnahme von Calcium gestört."

Besser als ein Nahrungsergänzungsmittel ist eine ausgewogene Ernährung. Denn neben Vitaminen und Mineralstoffen enthalten Lebensmittel wie Obst, Gemüse oder Vollkornprodukte auch sekundäre Pflanzenstoffe, die ebenfalls wichtig für unsere Gesundheit sind. Im Lebensmittel kommen die Nährstoffe zudem in natürlicher Form vor und werden vom Körper besser verwertet.

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Können Nahrungsergänzungsmittel gefährlich sein?

Vitamine und Mineralstoffe schützen den Körper und unterstützen ihn bei wichtigen Stoffwechselprozessen oder der Stärkung des Immunsystems. Silke Restemeyer: "In zu hoher Dosierung kann jedoch die Gesundheit geschädigt werden. So wurden bereits verschiedene Studien veröffentlicht, die zeigen, dass hochdosierte Betacarotin-Nahrungsergänzungsmittel bei Rauchern das Risiko für Krebserkrankungen erhöhen. Auch ein Zuviel an Vitamin A kann während einer Schwangerschaft für das ungeborene Kind schädlich sein.“

Bevor ihr also zu einem Nahrungsergänzungsmittel greift: Sprecht mit eurem Arzt und lasst euch einen Mangel bestätigen. Zusammen könnt ihr dann schauen, ob eine Änderung der Ernährungsweise den Mangel beseitigen kann oder ein Nahrungsergänzungsmittel Sinn macht.

Für wen sind Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll?

Die gute Nachricht: In Deutschland sind laut Silke Restemeyer fast alle Menschen ausreichend mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt. Lediglich die Aufnahme von Vitamin D, Folsäure und Jod liegt bei vielen Menschen unter den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Doch das heißt nicht, dass diese Menschen tatsächlich einen Mangel haben. Denn die Referenzwerte der DGE haben einen Sicherheitszuschlag von 20 bis 30 Prozent.

Es gibt jedoch Menschen, die von einem Nahrungsergänzungsmittel profitieren. So wird beispielsweise Folsäure gerne bei jungen Frauen eingesetzt, die schwanger werden wollen. Hier ist eine ausreichende Zufuhr sehr wichtig, um einer Fehlbildung des Nervensystems beim Embryo, dem ‚offenen Rücken‘, vorzubeugen. Schwangere und junge Frauen haben ab und zu auch einen leichten Eisenmangel, der nur schwer durch die Ernährung aufgefangen werden kann. Auch für ältere Menschen, Hochleistungssportler sowie strenge Veganer kann ein Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Allerdings nur nach Rücksprache mit einem Arzt.

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